Gastbeitrag

Münchner Rennfahrerin Sophia Flörsch: "Die Zukunft ist elektrisch – und macht verdammt viel Spaß"

Die Münchnerin Sophia Flörsch (25) ist Test- und Entwicklungsfahrerin im neuen Formel-E-Team von Opel. Für die AZ erklärt sie, warum die Elektro-WM die spannendste Rennserie der Welt ist und warum die Zukunft elektrisch ist.
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Test- und Entwicklungsfahrerin im neuen Formel-E-Team von Opel: Die Münchnerin Sophia Flörsch
Test- und Entwicklungsfahrerin im neuen Formel-E-Team von Opel: Die Münchnerin Sophia Flörsch © Opel GSE Formula E Team

Wenn die Formel-E-WM in ihre 13. Auflage geht, wird eine Münchnerin im elektrischen Rennzirkus eine wichtige Rolle spielen. Beim Neueinsteiger Opel fungiert die 25-Jährige als Entwicklungsfahrerin. In der Abendzeitung verrät sie, warum die Formel E die Zukunft des Rennsports ist.

Die härteste Serie der Welt: Ich sage es ganz klar: Die Formel E ist im Moment die härteste Rennserie der Welt – Punkt. Das stärkste Fahrerfeld, die engsten Abstände, ein extrem hohes technisches Niveau. Hier gewinnen nicht drei oder vier Teams, hier kann fast jeder gewinnen.

Wie eng es zugeht, hat das letzte Finale in London gezeigt: Neun Fahrer hatten noch Titelchancen. Und die Formel E fährt dort, wo die Menschen sind, mitten in Städten wie Berlin, Monaco oder Tokio.

Ist mehr als ein Privileg

Warum Opel dabei ist: Opel bringt über 100 Jahre Motorsport-Geschichte mit, von der Rallye über die Langstrecke bis zur DTM und seit 2021 mit rein elektrischem Rallyesport. Dass die Marke jetzt den Schritt in eine Weltmeisterschaft wagt, finde ich beeindruckend – und als deutsche Fahrerin dabei zu sein, ist mehr als ein Privileg. Die Formel E ist die perfekte Bühne für Opel: Was wir auf der Strecke lernen, steckt im Kern auch in den elektrischen GSE-Modellen für die Straße.

Warum ich dabei bin: Ich saß mit vier Jahren zum ersten Mal im Kart, Motorsport ist meine große Liebe. Ich will mich immer mit den Besten messen. Genau deshalb bin ich hier. Mein Job ist im Moment noch viel Arbeit im Hintergrund: im Simulator, bei Testfahrten, mit den Ingenieuren. Wenn ich im Opel-Simulator sitze, schauen mir sieben Ingenieure über die Schulter, analysieren Daten und sagen mir, was das Auto noch anders machen kann. Ich habe in 20 Jahren viele Serien erlebt – so intensiv habe ich noch nie gearbeitet.

Unterm Helm sind wir alle Rennfahrer, egal ob Mann oder Frau. Am Ende zählt nur die Stoppuhr.

Sophia Flörsch im Cockpit ihres Opels bei Testfahrten auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet (Frankreich).
Sophia Flörsch im Cockpit ihres Opels bei Testfahrten auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet (Frankreich). © IMAGO/JULIEN DELFOSSE

Mein Ziel? Das Cockpit! Ich bin Rennfahrerin, und jede Rennfahrerin will Rennen fahren. Natürlich möchte ich Stammpilotin im Opel GSE Formula E Team werden. Im Moment liegt mein Fokus auf meinem Job hinter den Kulissen. Aber wenn sich die Chance ergibt, will ich bereit sein, in der WM um Siege zu kämpfen.

Das Auto? Ein echtes Biest!

Mein Formel-E-Team: Wir sind ein echtes Werksteam mit Basis in Rüsselsheim, ohne externen Partner. Alle Entscheidungen treffen wir selbst. Für mich fühlt sich das an wie eine Familie, die zusammenwächst. Und wir sind nicht gekommen, um nur mitzufahren. Wir wollen gewinnen.

Das Auto? Ein echtes Biest! Unser Opel GSE 27FE ist ein absoluter Vollblut-Rennwagen. Er hat bis zu 600 Kilowatt, also über 800 PS, Allradantrieb und erreicht mehr als 335 km/h. Von null auf 100 geht es in rund 1,8 Sekunden – das ist schneller als ein Formel-1-Auto. Beim Bremsen gewinnt das Auto über 40 Prozent der Energie zurück, die es im Rennen verbraucht.

Die Münchner Rennfahrerin Sophia Flörsch.
Die Münchner Rennfahrerin Sophia Flörsch. © Opel GSE Formula E Team

Als ich zum ersten Mal drinsaß, war ich sprachlos. Die Beschleunigung ist einfach crazy. Und er sieht stark aus: Schwarz, Silber und unser GSE-Gelb – Yellow means go.

Mitch und Théo: Mit Mitch Evans haben wir den Rekordsieger der Formel E im Team: 16 Siege, unglaublich viel Erfahrung – und mit dem WM-Titel hat er noch eine Rechnung offen. Théo Pourchaire ist Formel-2-Champion und als Rookie richtig hungrig.

Opels Fahrer-Team für die Formel-E-Saison 2026/27: Mitch Evans, Sophia Flörsch und Théo Pourchaire (v.l.).
Opels Fahrer-Team für die Formel-E-Saison 2026/27: Mitch Evans, Sophia Flörsch und Théo Pourchaire (v.l.). © Opel GSE Formula E Team

Gelb ist übrigens schon immer die Farbe seines Helms, er passt also perfekt zu uns. Diese Mischung aus Erfahrung und jungem Talent ist genau richtig.

Besser als die Formel 1?

Darum unbedingt einschalten: Mit der neuen Fahrzeuggeneration beginnt eine neue Ära. Niemand kennt die Rangordnung, alle starten bei null. Dazu kommen 21 Rennen in 13 Städten und Taktik pur: Wann nutze ich den Attack Mode, wie teile ich mir die Energie ein? Das Rennen entscheidet sich oft erst in der letzten Runde.

Alle Rennen und Trainings sind zum Beispiel live bei Disney+ zu sehen. Mein Tipp für alle deutschen Fans: Am 8. und 9. Mai 2027 ist die Formel E in Berlin – unser Heimspiel.

Am 8. und 9. Mai 2027 ist der ehemalige Flughafen in Tempelhof wieder der Schauplatz des Berlin E-Prix.
Am 8. und 9. Mai 2027 ist der ehemalige Flughafen in Tempelhof wieder der Schauplatz des Berlin E-Prix. © IMAGO/GREGORY LENORMAND

Besser als die Formel 1? Vergleichen kann man die beiden Serien nur schwer, die Formel 1 gibt es seit über 75 Jahren. Aber in der Formel E zählen Team und Fahrer mehr als das Budget. Die Autos sind sich ähnlich, deshalb entscheiden Vorbereitung, Strategie und Fahrer. Die Rennen sind unberechenbarer.

Deutscher Erfolg in der Elektro-Königsklasse

Respekt an Porsche: Pascal Wehrlein hat zum zweiten Mal den Titel geholt, Porsche wurde Hersteller-Weltmeister. Das verdient großen Respekt und zeigt, dass deutsche Teams in der Formel E ganz vorne fahren können. Genau da wollen wir mit Opel auch hin.

Mein WM-Tipp: Ehrlich? Bei einem neuen Reglement weiß das niemand. Aber wenn ich wetten müsste: Mitch Evans. Er war in den letzten Jahren so oft ganz knapp dran – wenn es jetzt mit Opel klappt, wäre das großartig.

E-Autos im Alltag und auf der Rennstrecke

E-Mobilität auf der Überholspur: Ich fahre privat einen Mokka GSE – sportlich, wendig, perfekt für die Stadt. Die Formel E zeigt, was elektrisch alles möglich ist. Selbst die Formel 1 fährt inzwischen zur Hälfte elektrisch. Für mich ist klar: Die Zukunft ist elektrisch – und sie macht verdammt viel Spaß.

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