Münchner Boxer Isufi: Die Geschichte vom Treffer, der nie kam

Der Münchner Isufi verliert den WM-Kampf gegen Saunders und verpasst die Sensation. "Ich habe alles versucht, ich habe alles gegeben", sagt er.
| Matthias Kerber
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Der Brite Billy Joe Saunders (links) feiert mit dem WBO World Supermittelgewichtsgürtel nach seinem Kampf gegen Shefat Isufi aus München.
Paul Harding/PA Wire/dpa Der Brite Billy Joe Saunders (links) feiert mit dem WBO World Supermittelgewichtsgürtel nach seinem Kampf gegen Shefat Isufi aus München.

Stevenagees/München - Boxen ist eine der Sportarten, in denen zuweilen auch Verlierer jedes Recht haben, sich irgendwo als Sieger zu fühlen. Der Münchner Shefat Isufi hat seine boxerische Herkulesaufgabe stehend auf seinen beiden Beinen beendet.

Er musste sich dem britischen Superstar Billy Joe Saunders, der mit seinem besten Freund Tyson Fury, dem ehemaligen Schwergewichtsweltmeister und Klitschko-Entthroner in seiner Entourage einmarschiert war, nur nach Punkten geschlagen geben. 108:120, 110:118, 111:117 hieß das eindeutige Urteil am Ende, doch kaum einer hätte Isufi zugetraut, dass er es bei der Open-Air-Veranstaltung im englischen Stevenagees über die Runden schafft.

Sieger Saunders über Isufi: "Er ist ein harter Kerl"

"Ich muss sagen: Ich habe vollen Respekt vor meinem Gegner Isufi", sagte Saunders, "er ist ein harter Kerl, kann offensichtlich boxen. Ich bin sehr glücklich, dass ich mir den Weltmeistergürtel der WBO holen konnte. Es ist ein Traum, dass ich jetzt in zwei Gewichtsklassen schon Champion war."

Fast 14 Monate hatte der 29-Jährige keinen Kampf mehr bestritten. Er hatte eine Dopingsperre absitzen müssen, der WM-Titel im Mittelgewicht wurde ihm nach dem positiven Befund aberkannt. Jetzt darf er sich wieder Champion nennen – im Supermittelgewicht.

Der Brite Billy Joe Saunders (links) feiert mit dem WBO World Supermittelgewichtsgürtel nach seinem Kampf gegen Shefat Isufi aus München.
Der Brite Billy Joe Saunders (links) feiert mit dem WBO World Supermittelgewichtsgürtel nach seinem Kampf gegen Shefat Isufi aus München. © Paul Harding/PA Wire/dpa

Saunders wackelte zwischendurch bedenklich

Und natürlich ließ Showman Saunders, der nicht nur im Ring äußerst provokant auftritt, sondern auch immer wieder für verbale Entgleisungen gut ist, ein paar Kampfansagen folgen. "Ich will jetzt die großen Kämpfe, die anderen Champions. Das hier war nur ein besseres Sparring für mich", sagte Saunders, "ich kann sehr bald wieder in den Ring steigen. Mal sehen, wer die Eier hat, sich mir zu stellen. Saul Alvarez und Gennady Golovkin sind doch nur Pussys, sie werden sich nicht trauen, sich mit mir zu messen."

Bevor er den Schlagabtausch mit den beiden Superstars sucht, sollte er aber noch ein bisschen Ringrost abschütteln. Denn in der sechsten Runde wackelte er gegen Isufi nach einem Volltreffer bedenklich, nur aufgrund seiner herausragenden Beweglichkeit rettete er sich über die Runden. "Meine Beine waren kurz weg, das stimmt", gab Saunders dann auch zu.

Isufi: "Ich konnte ihn nicht stellen"

Es war Isufis große Chance, die Box-Sensation zu schaffen. Er war nur einen Treffer von der Krönung entfernt. Ein Treffer, der aber nie kam. "Ich habe gleich gespürt, dass ich bei ihm Wirkung erzielt habe. Ich habe dann versucht, ihn auszuknocken, aber er hat sich sehr geschickt entzogen. Ich konnte ihn nicht stellen", sagte Isufi der AZ. "Ich habe alles versucht, ich habe alles gegeben. Es sollte einfach nicht sein, mehr kann ich jetzt nicht dazu sagen."

Isufi dachte in dem Moment an das Versprechen, dass er vor zehn Jahren seinem Vater am Sterbebett gegeben hat: eines Tages Weltmeister zu werden. "Ich werde jetzt ein paar Tage Pause machen, alles analysieren und dann werden wir planen, wie es weitergeht", sagte Isufi, "ich werde es beim nächsten Mal besser machen." Für sich, für seinen Vater.

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