Miriam Gössner: "Felix war einfach für mich da"

Im AZ-Interview spricht Biathletin Miriam Gössner über ihre schwere Verletzung im Mai 2013, wie sie von Freund Neureuther unterstützt wurde und ihre Ziele für die kommende Saison.
| Simon Stuhlfelner
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Seit Sommer 2013 ein Paar: Gössner und Skistar Felix Neureuther.
C.Rudnik/Brauer Photos Seit Sommer 2013 ein Paar: Gössner und Skistar Felix Neureuther.

München - Die zweimalige Staffel-Weltmeisterin Miriam Gössner (25) verletzte sich im Mai 2013 bei einem Mountainbike-Unfall schwer und fand seitdem nie wieder zu ihrer Form. Zur neuen Saison, die am Donnerstag (17.15 Uhr) mit dem Einzelrennen beginnt, hat sie sich wieder für das Weltcup-Team qualifiziert. Im AZ-Interview spricht sie über ihre Verletzung, wie ihr Freund Neureuther half und ihre Ziele für die neue Saison.

AZ: Frau Gössner, erstmal herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Weltcup. Wie groß ist Ihre Erleichterung, dass Sie es zum Auftakt in Östersund wieder ins Team geschafft haben?

MIRIAM GÖSSNER: Dankeschön. Ich hab’ mich total gefreut. Es ist ein tolles Gefühl, wenn es wieder besser läuft und wenn sich das Training gelohnt hat. Aber wenn es für den Weltcup nicht gereicht hätte, hätte ich trotzdem weiter gekämpft und versucht, mich wieder für das Team zu empfehlen.

Fühlen Sie sich zum ersten Mal seit Ihrem schweren Fahrradunfall 2013, bei dem sie sich vier Lendenwirbel gebrochen haben, wieder richtig fit?

Ja, doch, ich fühl mich richtig gut und bereit, Rennen zu laufen. Ich habe sehr gut trainieren können und bin gespannt, wie es im Wettkampf läuft.

Sie haben vermutlich im Sommer fleißig Schießen geübt.

(lacht) Da hab’ ich mir diesmal wirklich Mühe gegeben. Früher bin ich mehr so hopplahopp ans Schießen rangegangen, ich habe mir nicht ganz so viele Gedanken darüber gemacht. Wenn’s mal nicht so lief, war’s mir relativ schnell egal und ich habe gedacht: ‘Ach mei, das nächste Rennen kommt bestimmt.’ Jetzt lege ich den Fokus mehr drauf, ich hoffe, ich kann das im Wettkampf zeigen.

Hinter Ihnen liegt ja eine unglaublich lange Leidenszeit. Sie mussten für Olympia 2014 absagen, sind vergangene Saison mehrmals nur im zweitklassigen IBU-Cup gestartet. Wie haben Sie diese Phase erlebt?

Klar war es manchmal schwer, aber meine Grundstimmung war immer positiv. Nur weil es im Sport nicht so gelaufen ist, habe ich mir mein Leben nicht vermiesen lassen. Ich hatte meine Familie, meinen Freund, Freunde um mich herum, das war wichtig, ohne die würde es auch gar nicht gehen. Ich hatte trotzdem zwei sehr schöne Jahre. Das Sportliche hat das Private nie beeinträchtigt.

Haben Sie trotzdem mal darüber nachgedacht, aufzugeben?

Anfangs, nach dem Unfall, als ich im Bett lag und nichts anderes machen konnte, hatte ich den Gedanken schon mal. Es wäre einfach gelogen zu sagen, dass die Motivation jeden Tag top war. Aber sobald ich wieder trainieren konnte, sobald ich gespürt habe, dass es bergauf geht, war dieser Gedanke schnell wieder weg.

Ihr Freund Felix Neureuther ist ja auch ein gebranntes Kind in Sachen Verletzungen. Hat er besonderes Verständnis für Ihre Situation gehabt?

Wenn nicht er, wer dann? Er hat selber schon so wahnsinnig viel mitmachen müssen, so jemand versteht das viel besser als andere Leute. Da habe ich wirklich Glück, dass ich ihn an meiner Seite habe.

Hat er Ihnen besondere Tipps gegeben?

Er war einfach für mich da. Das hat er mit Bravour gemacht. (lacht)

Nun ist es ja vielleicht nicht immer einfach, in einer so bekannten Familie wie den Neureuthers aufgenommen zu werden. Haben Sie sich eigentlich von Anfang an akzeptiert gefühlt?

Ja, absolut. Das ist eine ganz tolle Familie, wir verbringen sehr viel Zeit mit ihnen. Man spürt bei ihnen einfach diesen starken Familienzusammenhalt.

Gerade die Rosi Mittermaier wirkt ja immer sehr herzlich.

Wenn man nicht wüsste, dass die Rosi Weltmeisterin und Olympiasiegerin ist, dann würde das kein Mensch glauben. So einen bodenständigen und natürlichen Menschen findet man selten im Leben. Ihr ist es viel wichtiger, dass es den Kindern gut geht, dass sie auf ihre Gesundheit achten, als dass jemand schnell Slalom fährt. Sie schaut dann auch schon mal, dass alle warm angezogen sind, wenn wir aus dem Haus gehen (lacht). Aber das ist bei meiner Mama auch so. Ihr ist es auch viel wichtiger, dass es mir und meiner Schwester gut geht, als dass ich am Schießstand ein paar Scheiben treffe.

In Ihrer Freizeit gehen Sie ja gern in die Berge, Sie waren im Sommer mit Ihrem Vater, einem Bergführer, auf dem „Via delle Bocchette“, einem Klettersteig in den Dolomiten, unterwegs, mit Ihrer Teamkollegin Laura Dahlmeier haben Sie das Matterhorn (4478 Meter, d. Red.) bestiegen.

Das ist einfach ein brutal schönes Erlebnis, wenn man auf dem Gipfel steht, das ist was für die Seele, da kann ich viel Energie und Kraft tanken. Mit meiner Familie bin ich schon als Kind viel in die Berge gegangen und mache das immer noch gerne.

Nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner sind Sie ja oft als deren Nachfolgerin gehandelt worden. War Ihnen dieser Druck manchmal zu groß?

Nein, eigentlich gar nicht. Das Jahr, nachdem die Lena aufgehört hatte, war mein bestes Jahr. Und da war der Druck am größten. Danach kam schon mein Unfall.


Tauschen Sie sich mit Lena noch regelmäßig aus?

Die Lena hat Ihre Familie und Ihre Termine. Dass da der Kontakt weniger wird, ist klar.

Ist es vor der kommenden Saison ein Vorteil für Sie, dass Sie wieder von unten kommen und nicht mehr so viel verlieren können?

Das schadet nie (lacht). Von mir erwartet kein Mensch was – kann man auch nicht nach den letzten zwei Jahren –, ich kann jetzt relativ unbeschwert an die Saison rangehen. Darauf freue ich mich.

Und Ihre Ziele für die Saison?

Das Ziel ist schon, wieder ganz nach vorne zu kommen. Ich glaube, kein Athlet sagt, mein Ziel ist der zwanzigste Platz. Es ist mein großer Traum, wieder in die Weltspitze zu kommen, aber da muss man realistisch sein, man muss sich Schritt für Schritt nach vorne arbeiten.

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