Marco Sturm: Leon Draisaitl hat alles überstrahlt

Im AZ-Interview spricht Ex-Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm über den deutschen Superstar der NHL, seine Erfahrungen bei den LA Kings und den Umgang mit Corona: "Ich bin jetzt stolz, Deutscher zu sein."  
| F. Roßmann, J. Zirngibl
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Seit November 2018 als Co-Trainer bei den Los Angeles Kings in der NHL hinter der Bande: Ex-Bundestrainer Marco Sturm.
Joe Buglewicz/AP/dpa 3 Seit November 2018 als Co-Trainer bei den Los Angeles Kings in der NHL hinter der Bande: Ex-Bundestrainer Marco Sturm.
Marco Sturm: "Ich habe die NHL jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt."
Peter Kneffel/dpa 3 Marco Sturm: "Ich habe die NHL jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt."
Der Superstar der NHL: Leon Draisaitl wurde als erster Deutscher Topscorer einer US-Profiliga.
imago images/Icon SMI 3 Der Superstar der NHL: Leon Draisaitl wurde als erster Deutscher Topscorer einer US-Profiliga.

Der gebürtige Dingolfinger Marco Sturm (41) war von 2015 bis 2018 Bundestrainer und führte das deutsche Team sensationell zu Olympia-Silber in Pyeongchang. Derzeit ist er Co-Trainer bei den Los Angeles Kings in der NHL.

AZ: Herr Sturm, Corona hält die Welt in Atem, in den USA ist die Lage besonders schlimm. Wie haben Sie es vor Ort erlebt?
MARCO STURM: Da Europa zeitlich voraus war, haben wir es als Europäer schon immer verfolgt und haben es kommen sehen. Die Amerikaner ein bisschen weniger, wie man sieht. Dann ging es doch ziemlich schnell. Das Thema war ein bisschen da, dann gab es einen Fall im Basketball und am nächsten Tag war alles zu. Es ist viel passiert in kürzester Zeit. Amerika hat es wirklich schwer getroffen.

Wenn man die Situation in Deutschland und den USA vergleicht: Sind Sie froh, mit der Familie nun seit sieben Wochen hier zu sein?
Absolut. Ich bin jetzt auch stolz, Deutscher zu sein. Ich habe beide Seiten gesehen, was funktioniert und was nicht. Es gibt ja auch immer noch Deutsche, die schimpfen. Im Großen und Ganzen, wenn man die andere Seite sieht, hat Deutschland sicherlich alles richtig gemacht.

Machen Sie es von der Entwicklung der Corona-Situation abhängig, wann Sie mit der Familie wieder nach Amerika gehen?
Da gibt es auch Überlegungen. Die Schule beginnt jetzt wieder mit Homeschooling, deshalb werden wir erst einmal in Deutschland bleiben, weil wir uns da einfach wohler und sicherer fühlen. Bei mir ist es noch egal, wir beginnen bei den Los Angeles Kings Stand jetzt erst im November mit dem Trainingslager und im Dezember mit der neuen Saison.

Marco Sturm: "Ich habe die NHL jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt."
Marco Sturm: "Ich habe die NHL jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt." © Peter Kneffel/dpa

Marco Sturm: "Ich habe viel mitgenommen"

Die aktuelle Saison läuft noch, die Playoffs haben am Samstag begonnen. Wie schauen Sie darauf?
Ich werde es sicher verfolgen und denke, sie ziehen das wie hier in der Bundesliga knallhart durch. Interessant wird, wie es ohne Zuschauer ist. Generell lebt der Sport ja von Emotionen. Es wird für die Spieler nach der langen Pause auch schwierig, sie werden jeden zweiten Tag spielen, das ist nicht ohne.

Ihr Team, die LA Kings, bei denen Sie Co-Trainer sind, ist in den Playoffs nicht mehr dabei. Wie blicken Sie auf die Saison zurück?
Aufgrund der zweiten Hälfte sind wir zuversichtlich und positiv mit Blick auf die nächsten Jahre. Wir haben einen neuen Trainer bekommen, ein neues System gehabt, viele neue junge Spieler. Die ersten 30 Spiele hat das gedauert, aber wenn man die Zeit danach nimmt, dann war es sehr gut. Wir hoffen, dass es nächstes Jahr so weitergeht.

Es war Ihr zweites Jahr als Co-Trainer in Los Angeles. Was haben Sie für sich mitgenommen?
Einiges. Ich habe das große Glück, mit Todd McLellan einen Cheftrainer zu haben, der schon viel erlebt hat. Das merkt man einfach. Auch wenn die Ergebnisse teilweise nicht so gestimmt haben, war es für mich jeden Tag ein Genuss, ins Stadion zu gehen. Ich habe viel mitgenommen und freue mich jetzt schon wieder auf die nächste Saison.

Der Superstar der NHL: Leon Draisaitl wurde als erster Deutscher Topscorer einer US-Profiliga.
Der Superstar der NHL: Leon Draisaitl wurde als erster Deutscher Topscorer einer US-Profiliga. © imago images/Icon SMI

Marco Sturm: "Leon Draisaitl hat das einfach verdient"

Sie haben Ihren Vertrag als Co-Trainer verlängert. Ist es entsprechend der Plan, in nächster Zeit erst einmal in der Rolle als Co-Trainer weiter zu lernen und zu wachsen?
Absolut. Ich sehe mich aktuell auch nicht in einer anderen Rolle. Ich habe die NHL jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt. Wenn ich was mache, will ich es auch richtig machen. Am Ende des Tages braucht man mehr Erfahrung. Das nehme ich jetzt gerne mit.

Wie bewerten Sie das Jahr aus Sicht der deutschen Spieler in der NHL?
Leon Draisaitl hat natürlich alles überstrahlt. So soll es auch sein, denn er hat das einfach verdient. Wenn man Leon täglich gesehen hat, dann war das schon Eishockey auf einem anderen Level. Das freut mich als Deutschen natürlich, wenn einer so dominiert in dieser Liga. Positiv ist, dass auch junge deutsche Spieler nachkommen.

Marco Sturm: "Die NHL ist weit weg"

Draisaitl gehört zu den Top-Spielern in der NHL, aber in Deutschland fehlt ein Stück weit noch die Anerkennung dafür, auch wenn es immer mehr wird...
Das wird sich, glaube ich, nie ändern. Dafür ist er auch nicht der Typ. Ich vergleiche ihn immer mit Dirk Nowitzki, der ist als Typ ähnlich, mag auch nicht das große Drumherum. So ist Leon auch. Leider ist das so, denn er ist einer der besten Spieler der Welt und bei uns kennt ihn nicht mal jeder Sportfan. Ein Problem ist auch, dass die NHL weit weg ist, man liest wenig, man sieht wenig im TV. Das ist schon schade.

Welchen jungen deutschen Spielern rechnen Sie denn gute Chancen für den nächsten Draft aus?
Den bekannten Namen wie Tim Stützle, Lukas Reichel und JJ Peterka vom EHC Red Bull München. Da hoffe ich, dass sie in der ersten Runde gezogen werden.

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