Löw hält den EM-Titel für möglich

Joachim Löw blickt auf das EM-Jahr und fordert von den Nationalspielern mehr Eigeninitiative. Trotz einiger Probleme in der Vorbereitung bleibt der Bundestrainer optimistisch.
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Joachim Löw (r.) im Gespräch mit "Sorgenkind" Lukas Podolski
dpa Joachim Löw (r.) im Gespräch mit "Sorgenkind" Lukas Podolski

Joachim Löw blickt auf das EM-Jahr und fordert von den Nationalspielern mehr Eigeninitiative. Trotz einiger Probleme in der Vorbereitung bleibt der Bundestrainer optimistisch.

Eine Woche vor dem ersten Länderspiel des Jahres beim Vorrunden-Gegner Österreich hat Joachim Löw mit einem Versprechen an die Fans den Countdown der Nationalmannschaft für die Fußball-EM eingeläutet. «Wir können nicht versprechen, dass wir Europameister werden. Aber wir können versprechen, dass wir uns europameisterlich vorbereiten», sagte der Bundestrainer am Montag bei einem EM-Workshop des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main und schloss optimistisch an: «Wir werden ein starkes Team ins Turnier schicken, das die Möglichkeit hat, es zu gewinnen.»

Ballack: Comeback im Nationaltrikot

Trotz der zahlreichen persönlichen Probleme seiner derzeit knapp 40 EM-Kandidaten will Löw von einer Alarmstimmung nichts wissen. «Sicher haben wir im Moment einige Fragezeichen», sagte der Badener mit Hinweis auf die Verletzungen von Torsten Frings oder Lukas Podolski sowie weitere Probleme bei seinen Nationalspielern in der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde. «Aber das wird uns nicht unbedingt aus der Ruhe bringen», ergänzte Löw. Kapitän Michael Ballack, der wegen einer hartnäckigen Sprunggelenks-Verletzung fast ein Jahr nicht mehr für das DFB-Team gespielt hat, soll trotz einer aktuellen Waden-Blessur beim ersten EM-Test am 6. Februar in Wien wie geplant sein Comeback im Nationaltrikot feiern. «Wir gehen davon aus, dass er die Mannschaft aufs Feld führen wird», sagte Löw. Der Plan, dass sich in der Partie beim dritten EM-Gruppengegner neben Polen und Kroatien eine Stamm-Mannschaft schon einspielen sollte, hat der DFB-Trainerstab nach einer viertägigen Klausur in den bayerischen Alpen bereits korrigiert. «Trotz der Wichtigkeit des Spiels werden wir bei einigen Spielern kein Risiko eingehen. Jetzt müssen wir flexibel sein», erklärte Löw. EM-Kandidaten wie Marcell Jansen, Arne Friedrich, Christioph Metzelder, Clemens Fritz, Bernd Schneider, Bastian Scheinsteiger oder Manuel Friedrich gingen oder gehen noch am Stock. «Wir hoffen, dass die Fragezeichen vor dem Turnier zu Ausrufezeichen werden», betonte der Bundestrainer.

Lehmann genießt «absolutes Vertrauen»

Das betrifft auch die Sorgenkinder Podolski und Jens Lehmann, mit denen Löw permanent in Kontakt steht. Lehmann wird den FC Arsenal trotz seiner Reservistenrolle bei den Londonern im Winter nicht mehr verlassen, verriet der Bundestrainer. Nach dem Einzug in das FA-Cup-Achtelfinale kann der Nationalkeeper beim Londoner Premier League-Klub trotz seiner aktuellen Rolle als Nummer zwei weiter die erforderliche Spielpraxis sammeln. «Jens weiß: Jede Runde weiter im Pokal bedeutet ein Spiel mehr für ihn», sagte Arsenal-Coach Arsene Wenger und versprach dem 38 Jahre alten Keeper damit weitere Einsätze im traditionsreichen englischen Pokal-Wettbewerb. Und lobte den Routinier aus Deutschland: «Er trainiert sehr gut. Es wird für die Gegner schwer, ihn zu überwinden.» «Im Moment ist es so, dass Jens unser absolutes Vertrauen genießt», erklärte der DFB-Chefcoach, ohne Lehmann schon jetzt eine Einsatz-Garantie für das Turnier zu geben. Die Entscheidungen werden erst unmittelbar vor der EM fallen. Am 15. oder 16. Mai - unmittelbar vor dem letzten Bundesliga-Spieltag - wird Löw seinen 23-köpfigen Kader benennen, mit dem er am 19. Mai zur EM-Vorbereitung nach Mallorca aufbricht. Darüber hinaus werden einige mögliche Nachrücker auf Abruf gestellt.

«Das schwierigste Turnier der Welt»

Mehr noch als die aktuelle personelle Misere drückt Löw das Zeitproblem. Nach dem Spiel in Österreich gibt es vor der Nominierung nur noch einen Test am 26. März in der Schweiz. Und auch für den letzten EM-Schliff «stehen fünf Tage weniger zur Verfügung als vor der WM 2006», rechnete Teammanager Oliver Bierhoff vor. Als Resultat wird Löw auf das geplante Abschiedsfest für die Fans, mögliche Teambuilding-Maßnahmen und auch einen Fitnesstest wie vor der Weltmeisterschaft verzichten. Mehr denn je appelliert Löw an die Eigenverantwortung seiner Spieler: «Eine EM ist das schwierigste Turnier auf der Welt. Wir werden am absoluten Limit spielen müssen.»

Auch der Konkurrenzkampf soll die EM-Kandidaten zu Zusatzschichten treiben. Immerhin räumt Löw derzeit noch einem Kreis von 40 Spielern Chancen auf eines der insgesamt 23 Endrunden-Tickets ein. Ein Mann wie Podolski werde bei Bayern alles mobilisieren, ist sich Löw sicher. «Er wird so konzentriert trainieren, dass er seine Leistungen abrufen kann. Bayern hat hohe Ziele, will drei Wettbewerbe gewinnen, da wird Lukas Podolski seine Chance bekommen», unterstrich der Bundestrainer. In monatlichen Klausuren wird er mit seinem Stab die Lage immer wieder neu erörtern: «Wir bereiten uns vor, um alle Energien zu bündeln.» Mit der Diskussion, ob nun Weltmeister Italien, Vize-Weltmeister Frankreich, Portugal oder Spanien Topfavorit der EM sind oder doch Deutschland, will Löw keine Energie verschwenden: «Wir im Trainerteam haben mit der Favoritenfrage nichts am Hut.» In anderen Punkten dagegen wurde der Bundestrainer konkreter. Eine taktische Neuausrichtung wie zuletzt bei einigen EM-Kontrahenten beobachtet, die ein 4-5-1-System mit nur einer echten Angriffsspitze proben, schloss er deutlich aus: «Bei uns gibt es das klare Bekenntnis zu zwei Stürmern.» (nz/dpa)

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