Leichtathletik-WM: Das rechnet sich Stabhochspringer Raphael Holzdeppe aus

Bei der WM in London will sich Raphael Holzdeppe seinen WM-Titel von 2013 zurückholen. In der AZ spricht er über seine Formschwankungen und das Gefühl, wenn in fünf Metern Höhe der Stab bricht.
| Johannes Schnabl
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Startet am Sonntag in die Weltmeisterschaft: Stabhochspringer Raphael Holzdeppe.
dpa Startet am Sonntag in die Weltmeisterschaft: Stabhochspringer Raphael Holzdeppe.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe (27) war Weltmeister 2013 und WM-Zweiter 2015. Am Sonntag (11:40 Uhr) beginnt für ihn mit der Qualifikation die WM. Das Finale findet am Dienstag statt.

AZ: Herr Holzdeppe, Ihr Jahr verlief bislang noch etwas durchwachsen. Guten Hallenmeisterschaften folgten schwankende Leistungen draußen. Zuletzt erreichten Sie bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt "nur" Platz zwei. Sind Sie noch auf Formsuche?
RAPHAEL HOLZDEPPE: Nein, auf Formsuche bin ich nicht. Eher hatte ich seit Anfang des Jahres mit Störfaktoren zu kämpfen, die man so nicht erwarten konnte. Erst hatte ich Materialprobleme, mir ist mehrmals der Stab gebrochen. Dann habe ich von Kohlefaser- auf Glasfaserstäbe gewechselt, das dauert seine Zeit, bis man da seine Form wiederfindet. Und zwischendrin bin ich auch noch mit Fieber flachgelegen.

Hat es deshalb bis Ende Juni gedauert, bis Sie die WM-Norm erreicht haben?
Richtig. Die Materialprobleme begannen etwa Ende April. Trotzdem habe ich dem Material noch eine Zeit vertraut. Dann ist mir aber ein weiterer Stab gebrochen. Und als ich wechseln wollte, kam das Fieber. Deshalb konnte ich erst später meine Form erreichen.

So ein Stabbruch muss ja furchtbar sein. Wenn man gerade so in vier, fünf Meter Höhe merkt, dass das Material versagt.
Ich kann sagen, dass es nicht gerade ein positives Gefühl ist. Aber es geht auch so schnell, dass man nur kurz erschrickt. Wenn man danach die Möglichkeit hat, gleich einen weiteren Sprung zu machen, und dieser auch klappt, dann ist das negative Erlebnis aber schnell wieder vergessen.

"Fühle mich gut vorbereitet"

Aber hat man als Springer überhaupt noch das nötige Vertrauen in sein Werkzeug, wenn einem mehrmals in einem Jahr der Stab bricht?
n die Stäbe schon. Nur mir persönlich fehlte dann das Vertrauen in ebendieses Material und diese Marke. Deshalb musste ich auch wechseln. Jetzt ist wieder alles in Ordnung.

Nun geht es zur Weltmeisterschaft nach London. Für Sie ja ein besonderer Ort. 2012 holten Sie hier Bronze bei den Olympischen Spielen.
Das stimmt. Bislang bin ich einmal im Olympiastadion von London gesprungen. Und das war mit der Bronzemedaille natürlich ein tolles Erlebnis. Deshalb ist die Vorfreude jetzt auch riesengroß.

Im Februar haben Sie der AZ erklärt, 2017 soll Ihr Jahr werden. Sie wollen sich Ihren WM-Titel zurückholen. Wie stehen die Chancen dafür?
Ich denke immer noch, dass ich das schaffen kann. Auch wenn die Saison bislang nicht unbedingt so verlief, wie ich mir das gewünscht habe. Aber die Form, die ich jetzt habe, ist auch die Form, die ich zur WM haben wollte. Selbst wenn es bislang perfekt gelaufen wäre, könnte ich kein besseres Gefühl haben. Ich bin leistungstechnisch jetzt an dem Punkt, den ich mir vor der WM erträumt habe. Ich bin bei 100 Prozent und freue mich, dass es jetzt losgeht.

Sie erwähnten auch, dass es für einen WM-Titel die Sechs-Meter-Form braucht. Schaffen Sie theoretisch diese Hürde?
Ich weiß, dass ich jetzt in dieser Form bin. Meine letzten Sprünge, die biomechanisch ausgewertet wurden, haben gezeigt, dass ich auch deutschen Rekord hätte springen können. Nur leider war die Latte zu niedrig. Das ist der Nachteil in unserem Sport. Bei Weitspringern oder Werfern wird die tatsächliche Weite gemessen. Wenn bei uns Stabhochspringern die Latte nur auf 5,50 Meter liegt, dann bin ich auch nur 5,50 Meter gesprungen. Obwohl ich einige Zentimeter darüber war. Aber von der Form sind die sechs Meter drin. Ich fühle mich gut vorbereitet.

Und wie stehen die deutschen Chancen bei der Leichtathletik-WM im Allgemeinen? Bei internationalen Vergleichen gab es ja zuletzt nicht immer so viel zu feiern.
Ich sehe den Stand eigentlich ganz gut. Natürlich hat die deutsche Leichtathletik bei den Olympischen Spielen in Rio nicht das erreicht, was man sich erwartet hat. Aber die Jahre davor waren eigentlich sehr gute Jahre. Wir hatten 2015 bei den Weltmeisterschaften das beste Ergebnis seit 1999. Und bei den Spielen in Rio hatten wir auch das Pech, dass sich einige Hoffnungsträger kurz vorher verletzt haben. Ich denke schon, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind - auch was den Nachwuchs betrifft.

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