Krasniqi nach WM-Pleite: "Ich fühle mich verarscht!"

Der Münchner Haxhi Krasniqi verliert seinen WM-Titel im Rematch gegen Dominic Bösel. Es gibt Pfiffe für den Sieger.
| Matthias Kerber
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare  0 Teilen
Fassungsloser (Ex-)Weltmeister: Münchens Haxhi Krasniqi verliert seinen Titel mehr als umstritten nach Punkten an Dominic Bösel.
Fassungsloser (Ex-)Weltmeister: Münchens Haxhi Krasniqi verliert seinen Titel mehr als umstritten nach Punkten an Dominic Bösel. © picture alliance/dpa

Magdeburg – Wenn ein sogenannter Sieger vor lauter Pfiffen und Buhrufen die Fragen des Fernsehmoderators im Ring nicht versteht, dann weiß man, dass sich mal wieder eine Boxfarce in Deutschland abgespielt hat.

In amerikanischen Kämpferkreisen gab es lange Zeit den Spruch: Wenn in Deutschland dein Gegner bewusstlos aus dem Ring getragen wird, wird dir immerhin ein Unentschieden zugesprochen.

Der Tatort war dieses Mal Magdeburg, die Heimat des Boxstalls SES von Promoter Ulf Steinforth. Dort kam es zum Stall-Duell zwischen dem Münchner IBO-Weltmeister Robin Haxhi Krasniqi und Lokalmatador Dominic Bösel, den Krasniqi vor einem Jahr in der dritten Runde kapital ausgeknockt und damit den WM-Gürtel abgenommen hatte.

Krasniqi: "Es ist einfach sehr traurig für das deutsche Boxen"

Bösel, als Zugpferd von SES aufgebaut und vorgesehen, bekam am Samstag das Rematch. Nach einer Mehrheitsentscheidung der Punktrichter (115:114, 116:112, 114:115) wurde ihm der Sieg und damit der WM-Titel im Halbschwergewicht geschenkt. "Es ist einfach sehr traurig für das deutsche Boxen. Man hat gesehen, dass ich nur durch K.o. gewinnen konnte. Die ganze Welt hat gesehen, dass ich gewonnen habe. Ich fühle mich verarscht", echauffierte sich Krasniqi: "Ich finde es sehr schade, dass die Punktrichter nicht korrekt waren. Es ist einfach nicht fair."

Der 34-jährige Münchner will nun seinen Anwalt einschalten. "Ich habe mich in elf Jahren immer bei Ulf bedankt. Aber das möchte ich jetzt klären lassen, was das für ein Geschäft ist. Das gibt es mit Anwalt. Ich möchte Gerechtigkeit." Der von Krasniqi derart angezählte Promoter Steinforth meinte: "Menschlich ist die Reaktion verständlich. Es war ein hauchdünnes Ding, aber Bösel hatte die Nase vorn."

Der nur bedingt gefeierte Sieger: Dominic Bösel.
Der nur bedingt gefeierte Sieger: Dominic Bösel. © picture alliance/dpa

Selbst Henry Maske sah während des Kampfs Krasniqi vorn

Das sahen, die Zuschauer anders, das sahen die Experten anders. Selbst Box-Legende Henry Maske, der eine große Nähe zu Steinforth hat, sah während des Kampfes eher Krasniqi vorn, wandte sich nach dem Fight allerdings mit vielen Worten, aber wenig Inhalt, um eine echte Aussage herum, meinte aber, dass er "eher ein Unentschieden gesehen" habe. Auch das wäre für Bösel mehr als schmeichelhaft gewesen. "Es war ein sehr, sehr harter Kampf und es war auch sehr knapp. Aber am Ende hatte ich die klareren Treffer", sagte Bösel, der zu Krasniqis Aussagen meinte: "Im Boxen fühlt sich doch immer jeder als Sieger."

So, wie sich Bösel eben auch als Sieger fühlt. Es hätte insgesamt ein Box-Abend werden können, der den Sport in Deutschland wieder etwas aus der Versenkung gebracht hätte. Der Fight war spannend und mitreißend – er hätte ein ehrliches Urteil verdient gehabt. Nun werden sich am Ende die Gerichte damit beschäftigen.

Und am Ende wird es zu einem dritten Fight kommen. Im Kampfvertrag war eine Rückkampfklausel verankert. Aber der echte Verlierer war der Boxsport in Deutschland. Mal wieder...

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.