"Katastrophe!" Es wird einsam um Heidfeld

Nick Heidfeld, der BMW-Pilot, erlebt „eines der schlimmsten Rennen“, seine Zeit im Team scheint abgelaufen. Warum, lesen Sie hier.
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Die Uhr tickt - aber nicht gerade für ihn: Nick Heidfeld, noch bei BMW.
dpa Die Uhr tickt - aber nicht gerade für ihn: Nick Heidfeld, noch bei BMW.

Nick Heidfeld, der BMW-Pilot, erlebt „eines der schlimmsten Rennen“, seine Zeit im Team scheint abgelaufen. Warum, lesen Sie hier.

VALENCIA Nick Heidfeld sah blass aus, als er ins Fahrerlager zurückschlurfte. Das Blondhaar klebte noch an der Stirn und am Nacken, die Schultern hingen tief nach unten. Und auch das, was er zu sagen hatte, klang niedergeschlagen, resigniert fast. „Ich hatte große Probleme mit dem Auto“, jammerte er, „das war eines der schlimmsten Rennen für mich.“

Heidfeld war Neunter geworden beim Premierenrennen rund ums Hafenbecken von Valencia. Nur Neunter, einen Punkt gibt es für diese Platzierung nicht. „Eine Katastrophe", sagte Heidfeld, „zumal der Robert ja auf den dritten Platz gefahren ist“.

Tatsächlich hatte Robert Kubica (23) seinen BMW perfekt durch den Betonkanal gesteuert. Nur Felipe Massa und Lewis Hamilton, schon in der Qualifikation vor ihm, kamen früher ins Ziel. Von Platz drei gestartet, behielt er diese Position bis zum Ende. „Robert ist ein sehr gutes Rennen gefahren“, lobte BMW-Motorsportchef Mario Theissen. Unmittelbar nach der Zieldurchfahrt Kubicas waren bei BMW die Mechaniker aufgesprungen, jubelnd rannten sie an die Boxenmauer. Nicht erst seit gestern ist Kubica BMWs Liebling.

Nick Heidfeld dagegen wurde kaum beachtet, als er sein Auto abstellte. „Nick war vom achten Startplatz aus losgefahren, demzufolge hatten wir erwartet, dass er Punkte holen könnte. Aber sein Tempo war ganz einfach zu langsam. Natürlich freuen wir uns über den dritten Platz von Robert, aber insgesamt hatten wir auf eine bessere Punkteausbeute für das Team gehofft“ – das war der einzige Kommentar, den Technikchef Willy Rampf für Heidfeld übrig hatte. Es wird einsam um Heidfeld.

„Ich habe noch nicht mit ihm sprechen können“, sagte Theissen. Da war das Rennen schon seit zwei Stunden vorbei. Auf der Theke des BMW-Motorhomes stand die Trophäe für den dritten Platz Kubicas. Daniele Morelli, der Manager des Polen, wartete mit einigen Mechanikern vor dem Motorhome. Sie hatten ein paar Gläser Champagner in der Hand. Drinnen versuchte Theissen den Leistungsabfall Heidfelds zu erklären. „Nick ist als Achter gestartet, das war keine gute Ausgangslage“, sagte er, „wir hatten gehofft, dass er am Start ein, zwei Autos überholen würde. Das hat er in dieser Saison ja schon ein paar Mal geschafft. Leider ist das Gegenteil eingetreten. Er hat einen Platz verloren. Danach war das Rennen für ihn eigentlich schon gelaufen."

Theissen begann seine Analyse nüchtern, diplomatisch. So, wie man es von ihm, dem Spitzen-Ingenieur, gewöhnt ist. Dann wurde er plötzlich deutlicher. „Der Unterschied zwischen Robert und Nick ist, dass Robert hier immer konstant, erwartbar gefahren ist. Bei Nick dagegen haben sich schwache Rundenzeiten mit sehr starken Zeiten abgewechselt.“ Das müsse man analysieren, daran müsse Heidfeld mit seinen Ingenieuren arbeiten. Und dann sagte Theissen einen Satz, den Heidfeld getrost als Warnung verstehen sollte. „Was ich mir bei Nick gerade überlege, möchte ich morgen nicht in der Zeitung lesen.“

Heidfelds Zukunft bei BMW gilt längst als fraglich. Jetzt scheint sie akut in Gefahr zu sein. Auf die Frage, was der Fahrermarkt so hergebe, antwortete Theissen: „Meinen Sie in der Formel 1?“, dann machte er eine Pause und sagte „genügend". Theissen lachte. Und ergänzte: „Nick ist noch nicht übern Berg.“

Die Frage ist doch: Kommt er bei BMW überhaupt noch mal auf den Gipfel?

Filippo Cataldo

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