Juristische Konsequenzen für Ullrich?

 Jan Ullrich steht wieder im Blickpunkt der Justiz. Ein Düsseldorfer Anwalt will ihn wegen Meineids vor Gericht bringen.
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Jan Ullrich steht wieder im Blickpunkt der Justiz. Ein Düsseldorfer Anwalt will ihn wegen Meineids vor Gericht bringen.

Köln - Schwere Zeiten für Deutschlands einstige Radsport-Helden: "Ich formuliere gerade eine Strafanzeige gegen Jan Ullrich. Bewusstes Anlügen des Gerichts ist ein Verbrechenstatbestand. Darauf steht Gefängnis nicht unter einem Jahr" erklärte am Montag der Düsseldorfer Anwalt Knut Marel.

Außer zuvor schon gegen Ullrich erwägt die ARD nun auch gegen Zabel juristische Konsequenzen. Im "Fall Ullrich" pflichtet der Anti-Doping-Experte Werner Franke dem Anwalt Knut Marel bei: "Es wird Zeit für einen Prozess wegen Meineids gegen Jan Ullrich. Dafür reichen schon die Aussagen seines früheren Masseurs Jef D'hont vor dem Hamburger Landgericht." Anwalt Knut Marel glaubt genügend Indizien dafür zu haben, dass Jan Ullrich am 12. November 2008 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf durch Falschaussagen einen Prozess gegen seinen Mandanten Günther Dahms gewann.

Der frühere Chef des Coast-Rennstalles wurde damals zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 340.000 Euro plus Zinsen an den Tour-de-France-Sieger (1997) und Olympiasieger von Sydney 2000 verurteilt. Ullrich stritt unter Eid ab, im ersten Quartal 2003 gedopt zu haben. Dies ist laut Marel und Franke durch Aussagen und Indizien inzwischen nicht mehr haltbar. Dahms hatte ab 1. Januar 2003 einen Drei-Jahres-Vertrag über 7,68 Millionen Euro mit Jan Ullrich geschlossen, dann aber Zahlungen mit dem Argument eingestellt, Ullrich habe gedopt.

Ullrich zog vor Gericht. Dort erklärte Ullrich auf eine Frage des Richters, er sei nie bei dem spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes oder mit anderen spanischen Ärzten in Kontakt gewesen. Laut Marel allerdings war Ullrich am 19./20. April 2003 bei Fuentes. "Er übernachtete ebenfalls nachweislich nahe dem Flughafen in Madrid in einem Hotel, das laut der Guardia Civil das Doper-Hotel von Fuentes war.

Er erhielt damals eine Reinfundierung von Blut. Dies erfolgt immer rund drei bis vier Wochen nach einer Blutabnahme, diese muss somit im März 2003 erfolgt sein – dem Zeitraum, für den Jan Ullrich jegliches Doping abstritt." Auch Ullrichs Aussagen im Prozess, er habe im ersten Quartal 2003 nichts aus früheren Behandlungen mit anhaltender Wirkung im Körper gehabt, stimmt laut Franke nicht. "Es ist heute wissenschaftlich bewiesen, dass die Wirkung von Steroiden mehr als zwei Jahre anhält." Außerdem habe sich eine frühere eidesstattliche Versicherung von Ullrich spätestens da als falsch erwiesen, als er am 22. Juni gestand, von Fuentes Blutdopingbehandlungen erhalten zu haben.

1999 hatte Ulrich ausgesagt: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt verbotene Dopingmittel – insbesondere auch nicht Epo – konsumiert, gespritzt oder auf andere Art und Weise zu mir genommen."

Ex-Masseur Jef D'hont hatte am 19. April vor dem Hamburger Landgericht ausgesagt, ab 1993 habe das frühere Team Telekom begonnen, Epo zu nehmen. Er habe dem deutschen Radstar 1996, ein bis zwei Monate vor der Tour de France, 10.000 Einheiten Epo gespritzt. Ullrich habe auch Wachstumshormone genommen.

Nach Zabels Geständis prüft die Staatsanwaltschaft Freiburg laut Badischer Zeitung, ob sie die Ermittlungen über Verwicklungen der ehemaligen Freiburger Sportmediziner Andreas Schmid und Lothar Heinrich in das systematische Doping beim früheren Team Telekom/T-Mobile noch einmal aufnimmt. Oberstaatsanwalt Christoph Frank als Leiter der Schwerpunkt-Abteilung Doping in Freiburg sagt: "Wir müssen jetzt überprüfen, ob sich in nicht verjährter Zeit noch einmal Verdachtsmomente ergeben haben. Dabei interessieren uns allerdings nur Ärzte und Helfer. Der Sportler, der verbotene Mittel zur Leistungssteigerung genommen hat, hat sich wegen Dopings ja nicht strafbar gemacht."

Zur Entwicklung "Fall Zabel" sagt Frank Bertling, Gegschäftsführer von Upsolut Event, zuständig für die Planung der Hamburg Cyclassics und des ProRace Berlin: "Wir haben uns in einem ausführlichen Gespräch mit Erik Zabel über dessen Zukunft als Sportdirektor unserer beider Veranstaltungen ausgetauscht. Darin hat er angeboten, seinen Posten niederzulegen. Wir sind diesem Angebot nachgekommen."

Der Koblenzer Radhersteller Canyon, für den ausgerechnet Zabel als Gesicht der Initiative "Young Heroes" Nachwuchsfahrer unterstützt und motivieren soll, prüft, ob eine weitere Zusammenarbeit noch beabsichtigt ist. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärte unterdessen dem Sportinformationsdienst (SID): "Die ARD hatte damals auch eine Vereinbarung mit Erik Zabel. Diese prüfen wir ebenso wie die damalige Vereinbarung mit Jan Ullrich derzeit juristisch." Es geht um die Frage, ob Sponsorengelder zurückverlangt werden können.

 

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