Irmens Abschied: Ein Tränen-Feuerwerk

Letzter Gong! Kickbox-Queen Julia Irmen wird nach ihrem letzten Kampf frenetisch gefeiert. Sie sagt mit einer Liebeserklärung servus – und stellt fest: „Ich habe kein einziges trockenes Auge gesehen!“  
| Matthias Kerber
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Servus Julia: Kickbox-Ass Irmen beendet ihre Karriere.
Frank Bietau/ho Servus Julia: Kickbox-Ass Irmen beendet ihre Karriere.

Letzter Gong! Kickbox-Queen Julia Irmen wird nach ihrem letzten Kampf frenetisch gefeiert. Sie sagt mit einer Liebeserklärung servus – und stellt fest: „Ich habe kein einziges trockenes Auge gesehen!“

DEGGENDORF Julia Irmen stand in der Umkleide der Deggendorfer Stadthalle und schaute aus dem Fenster. So, wie sie es vor sechs Jahren gemacht hatte. An dem Tag, als sie an gleicher Stelle erstmals Profi-Weltmeisterin geworden war. „Ein absolutes Déjà-vu-Erlebnis“, sagte Irmen der AZ, „da kamen bei mir bereits die Tränen.“

Die ersten an einem tränenreichen, wehmütigen Abend. Denn an diesem 7. Mai 2015 schloss sich an gleicher Stelle der Kreis, Kickbox-Weltmeisterin Irmen bestritt in Deggendorf gegen die italienische Europameisterin Martine Michieletto ihren allerletzten Kampf, beendete nach dem klaren und einstimmigen Punktsieg ihre Karriere. „Es war der Wahnsinn, extrem emotional für mich, es fiel mir auch wirklich schwer, mich zu konzentrieren“, sagte Irmen, die bei ihrem Servus-Auf- und Abtritt auch selber gewaltig das Pathos-Töpfchen umgekickt hatte. Sie lief zu ihrem Hochzeitslied ein. „Das war eine Liebeserklärung an meinen Mann, der mich in all den Jahren so unglaublich unterstützt hat“, meinte Irmen am Tag danach, als sie mit ihrer Oma auf dem Liegestuhl der Terrasse in der Sonne lag. Mit Irmen verliert das Frauen-Kickboxen innerhalb von zwei Jahren das zweite Aushängeschild. Nach dem Rücktritt von Kickbox-Queen Christine Theiss Ende 2013 nun also der letzte Einmarsch von Irmen. „Ich wünsche ihr alles erdenklich Gute“, sagt ihr Trainer Mladen Steko, der auch Theiss betreut hat, „sie hat dem Kickboxen viel gegeben, war eine echte Championesse. Respekt.“
Noch im Ring verabschiedete Irmen sich von ihren Fans, Freunden, der Familie. Für ihren ersten Trainer, bei dem sie sich vor zwölf Jahren als Kickboxerin beworben hatte, hatte sie noch besonders warme Abschiedsworte parat. „Er hat mir damals gleich gesagt, dass ich zu alt und zu fett bin, danke du A***hgeige“, sagte sie und konnte bis zu diesem Moment noch die Tränen halbwegs zurückhalten. Doch sie hatte die Rechnung ohne ihre Familie gemacht. Die entführte die „gerade Sportrentnerin gewordene“ Polizistin direkt vom Ring aus nach draußen vor die Halle – da ging sie dann erst richtig los, die Julia-Irmen-Abschiedsshow! Mit Feuerwerk und allem drum und dran. „Da sind dann alle Dämme gebrochen. Tränen, Tränen. Tränen. Nicht nur bei mir, ich glaube, ich habe nicht ein einziges trockenes Auge gesehen“, sagt Irmen, „es war so ein unbeschreibliches Gefühl. Schon im Ring. Normalerweise bin ich immer froh, wenn der Kampf vorbei ist, dieses mal dachte ich: Es könnte ruhig noch länger gehen. Ein bisschen noch.“

Doch der letzte Gong kam. Für diesen WM-Kampf, für Irmens Karriere. „Es waren fantastische Jahre“, sagte sie. Auf das Tränen-Feuerwerk folgte die große, die fröhliche und vor allem sehr feuchte Sause. In der Bar eines Freundes. „Ja, ich habe definitiv den Flüssigkeitsverlust, den ich durch die vielen Tränen hatte, hochprozentig wieder ausgeglichen“, sagte Irmen. Bis sechs Uhr am Freitagmorgen wurde gefeiert, um 5.30 Uhr setzte es noch einmal eine gewaltige Tortenschlacht. „Ja, wir sahen danach alle sehr süß aus“, sagte das bekennende Schleckermäulchen. „Meine gesamte Familie ist sehr froh, dass ich diesen Schritt jetzt gegangen bin“, sagt Irmen, „ich warte jetzt nur darauf, dass mein Zwerg, der Max, aus dem Kindergarten nach Hause kommt und wir kuscheln können.“ Das neue Leben der Julia Irmen hat begonnen. 

 

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