Stehende Ovationen für historischen Sportler-Streik
Welche unflätigen Beschimpfungen US-Präsident Donald Trump angesichts der Proteste der Sportler in der NBA, der WNBA, der MLS und MLB gegen die ausufernde Polizeigewalt in den so gar nicht mehr vereinigten Staaten von Amerika auf der Zunge lagen und ihm im dauerwütenden Twitter-Finger gejuckt haben?
2017 hatte er schließlich die Football-Spieler um Colin Kaepernick, die als Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt vor den Partien beim Abspielen der USHymne aufs Knie gegangen waren, als "Hurensöhne" diffamiert. Trumps Spaltpilz-Politik, seine teils unverhohlen rassistische Rhetorik, haben dazu beigetragen, dass die tiefen sozialen und ethnischen Verwerfungen in dem ehemals als Schmelztiegel gepriesenen Land die Nation einer Zerreißprobe unterwerfen.
Während Trump weiter unfähig – oder unwillens – ist, dem Land eine Vision der Einigkeit, des Zuschüttens der Gräben zu geben, sondern sich lieber in Law-andOrder-Gestiken inszeniert, haben die Sportler, denen ja zu gerne nachgesagt wird, dass sie nur Millionarions in kurzen Hosen sind, deren einzige Lektüre die Kontoauszüge, deren einziges Interesse Protzkarren und BlingBling-Schmuck sind, ein öffentlichkeitswirksames Signal gesendet: Es reicht!
Die Polizeigewalt in den USA ist ein Alltagsproblem
Eine Nation, in der Rassismus und Intoleranz in der Mitte der Gesellschaft ihr Unwesen treiben, ist sicher keine auserwählte Nation, sondern eher eine dem Untergang geweihte. Gerne wird mit dem anklagenden Zeigefinger auf autokratische Länder gezeigt, wie sie mit Knüppelgewalt die Protestierenden zum Schweigen bringen. Doch die Polizeigewalt ist in den USA ein Alltagsproblem. Es ist kein Zufall, dass die Opfer dieser Exzesse sehr oft ethnischen Minderheiten angehören.
Der Fall von George Floyd löste die "Black lives matter"-Bewegung im Mai mit aus, jetzt wurde der Schwarze Jacob Blake vor den Augen seiner Kinder in Kenosha von einem Polizisten von hinten sieben Mal in den Rücken geschossen.
"Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern" hat der legendäre Anti-Apartheidskämpfer Nelson Mandela einst gesagt. Die Sportler, die jetzt protestieren, versuchen genau dies mit ihren Mitteln: diese Welt zu verändern. Dafür gehören sie nicht trump-mäßig diffamiert, sondern ihnen gebühren stehende Ovationen. Als Menschen, nicht als Sportler.