Günstiger als eine Fischsuppe: So grenzt sich die Formel E von der Formel 1 ab
Am vergangenen Wochenende drehte die Formel E gleich zu zwei WM-Läufen ihre Runden durch die Straßenschluchten von Monaco. Das "Le Quai des Artistes" liegt dort unmittelbar neben dem Fahrerlager. Weiß eingedeckte Tische. Edel. Eine Bouillabaisse, die klassische Fischsuppe der Region, kostet hier 76 Euro. Eine Portion für eine Person wohlgemerkt.
Der Preis passt damit immerhin zu den millionenschweren Yachten im Hafenbecken direkt gegenüber. Am 7. Juni gastiert die Formel 1 in Monaco. Dann bleibt der aberwitzige Preis für die Fischsuppe gleich. Aber: Ein Formel-E-Ticket in Monaco kostete für beide Renntage zusammen weniger als die Fischsuppe. Nämlich 45 Euro. Günstigster Preis für ein Ticket beim monegassischen Formel-1-Sonntag: 650 Euro.
Formel E hat eine Kantine – das Gegenteil von Luxus
Denn auch in Monaco – dem Zentrum von Dekadenz, Luxus und Überfluss – grenzt sich die Formel E stark ab von der Formel 1. In der Formel E gibt es im Gegensatz zur Formel 1 keine Hospitality-Tempel, in denen jedes Team mit eigenen Top-Köchen Leckereien zaubert und so selbst in Sachen Kulinarik um die Pole-Position kämpft. Die Formel E hat eine Kantine. In einem Zelt.
Alle Teams zusammen, auf Bierbänken sitzend. Pasta, Fleisch, Fisch und Salat vom Buffet. Lecker, aber das Gegenteil von Luxus. "Nachhaltigkeit und Kostenkontrolle sind zentrale Elemente unserer Rennserie", sagt Formel-E-Boss Jeff Dodds dazu.
Formel-1-Weltmeister Lando Norris plant Formel E zu fahren
Monaco ist ein guter Ort, um die Formel E mit der Formel 1 zu vergleichen. Das machten die Formel-1-Stars am vergangenen Wochenende höchstselbst.
Formel-1-Weltmeister Lando Norris (McLaren) ließ sich den Wagen der neuen Formel-E-Saison zeigen und schwärmte: "Ich plane irgendwann selbst ein paar Runden in einem Formel-E-Auto zu drehen." Ein Formel-1-Weltstar im Formel-E-Cockpit. Genau das braucht die neue Serie, um mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.
Auch Nico Hülkenberg schlenderte durch die Boxengasse
Ex-Red-Bull-Boss Christian Horner ließ sich die E-Boliden ebenso erklären wie Audis Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg, der mit Ehefrau Egle an der Hand und Töchterchen Noemi Sky (4) auf der Schulter durch die Boxengasse schlenderte.
Sportlich holt die Formel E (Porsches Pascal Wehrlein verlor in Monaco die WM-Führung an Mitch Evans im Jaguar) mächtig auf, aber der Rahmen ist völlig anders. Noch liegen die Zeiten beim Qualifying bei gleichen Bedingungen etwa 20 Sekunden auseinander. Aber ab der kommenden Saison – mit den neuen Autos der sogenannten GEN4 – wird die Formel E deutlich näher heranrücken.

Ab nächster Saison ist auch Opel dabei mit Sophia Flörsch
Dann ist auch Opel mit der Münchenerin Sophia Flörsch als Test- und Entwicklungsfahrerin dabei.
Schneller sind die E-Boliden schon: 1,82 Sekunden von 0 auf 100 km /h. Die Formel 1 liegt bei über zwei Sekunden. Der ehemalige Formel-1-Top-Star David Coulthard testete den neuen Formel-E-Boliden in Monaco und war geradezu fassungslos beeindruckt: "Eine solche Beschleunigung habe ich noch nie erlebt."
Kurzum: die Formel E arbeitet an dem Spagat, spektakulären Rennsport zu bieten – und dabei dennoch nachhaltiger, bescheidener und sparsamer als die Formel 1 zu sein.
Topteams der Formel 1 mit bis zu 120 Mitarbeitenden – bei der Formel E maximal bis zu 45 Personen
Die Formel 1 plant pro Renn-Wochenende mit 20 Reifensätzen von je vier Reifen pro Fahrzeug, also mit 80 Reifen. Der Formel E reichen acht Reifen.
Wenn die Formel 1 um die Welt reist, dann fliegt Ausrüstung von 40 Tonnen mit ihr. Da sind die als Status-Symbole so wichtigen Hospitality-Bereiche nicht mal mit eingerechnet. Die Netto-Fracht der Formel E liegt bei 6,5 Tonnen.
Die Top-Teams der Formel 1 haben eine Personalstärke von bis zu 120 Mitarbeitenden an den Strecken. In der Formel E sind an Renn-Wochenenden maximal 45 Personen pro Team dabei.
Zwischen deren Kantine und der Fischsuppe lagen in Monaco nur etwa 80 Meter. Und doch Welten. Wie zwischen Formel E und Formel 1.
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