"Gibt diejenigen, die die Sau rauslassen": Vollmer packt über die Super-Bowl-Parties aus

Der zweimalige Super-Bowl-Champion, Sebastian Vollmer, spricht in der AZ über das Rematch zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks, Quarterback Drake Maye und verrät, wie es auf Super-Bowl-Patries zur Sache geht.
Kilian Kreitmair
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Sebastian Vollmer gewann mit den New England Patriots gegen die Seattle Seahawks seinen ersten Super Bowl.
Sebastian Vollmer gewann mit den New England Patriots gegen die Seattle Seahawks seinen ersten Super Bowl. © IMAGO

AZ: Herr Vollmer, machen wir eine kleine Zeitreise ins Jahr 2015. Super Bowl, Arizona. Ihre Mannschaft, die New England Patriots, führten kurz vor dem Ende mit 28:24. Allerdings sind die Seattle Seahawks in Ballbesitz, kurz vor der Endzone. Was ging in Ihnen bei diesem Angriff vor?
SEBASTIAN VOLLMER: Ich stand mit dem Rücken zum Spielfeld an der Seitlinie. Zusammen mit den anderen Offensivspielern haben wir mit dem Trainer den nächsten Spielzug besprochen. Wir sind davon ausgegangen, dass die Seahawks punkten würden und wir noch ungefähr 30 Sekunden Zeit haben, um das Spiel zu drehen. Dann habe ich auf einmal das Geschrei der Fans gehört und mich umgedreht, um zu realisieren, was gerade passiert ist. Haben sie gepunktet? Gab es einen Fumble? Und auf einmal sehe ich Malcolm Butler, der mit dem Ball Richtung Seitenlinie läuft. Es war also eine Interception, wir waren wieder in Ballbesitz. Ich war mir sicher, dass ich jetzt den Super Bowl gewonnen habe, aber im gleichen Moment hat mich unser Cheftrainer, Bill Belichick, angeschrien: „Wir haben noch 30 Sekunden auf der Uhr!“ Am Ende war es einfach eine Achterbahnfahrt der Gefühle, weil die Wahrscheinlichkeit, dass wir diesen Super Bowl gewinnen, nahezu bei null war. 

Vollmer ist dankbar für die Höhen und Tiefen in seiner Karriere

Der Spielzug ging in die Geschichte des Super Bowls ein, Sie gewinnen die Vince Lombardi Trophy.
Ich hatte rückblickend das Glück, den Super Bowl 2012 verloren zu haben. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Höhen und Tiefen erlebt habe. Ich weiß es noch genau: Als wir 2015 gewonnen haben, kam meine Frau aufs Feld und hat mich umarmt. In diesem Moment merkst du, dass sich die ganze Anstrengung gelohnt hat. Es sind ja nicht nur die Spieler, sondern auch die Partnerinnen, die die ganze Saison leiden. Ich konnte mich um nichts außer den Football kümmern. Vieles musste meine Frau übernehmen. Deswegen gewinnt man den Super Bowl auch als Paar. Und das ist einfach etwas ganz Besonderes. 

Am 8. Februar heißt es in Santa Clara wieder: New England Patriots gegen Seattle Seahawks. Erwarten Sie ein ähnlich nervenaufreibendes Spiel?
Es sind zwei hervorragende Teams, die zurecht im Super Bowl stehen. Entsprechend gehe ich davon aus, dass es ein Super Bowl wird, der eng wird, weil beide Mannschaften super gecoacht werden. Am Ende gewinnt der, der weniger Fehler macht. 

Mein Bauchgefühl sagt allerdings, dass die Patriots es wieder machen. 

Drake Maye

Maye hat eine Schlusselposition im Super Bowl

Heißt: Ihrer Meinung nach gibt es keinen Favoriten in diesem Duell?
Nein. Mein Bauchgefühl sagt allerdings, dass die Patriots es wieder machen. Aber das kann auch mein Wunschtraum sein. Aber die Geschichte, dass Mike Vrabel als erster Cheftrainer mit dem Team den Super Bowl gewinnen kann, mit dem er es auch als Spieler geschafft hat, wäre schön.

Auf welche Spieler beider Mannschaften gilt es besonders zu achten?
Das entscheidende wird sein, wie viel Druck Patriots-Quarterback Drake Maye ausgesetzt ist. Es kommt also auf seine Bewacher in der Offensive an. Tackle Will Campbell hat durchwegs in der Saison sehr gut gespielt, hatte jetzt aber in den Playoffs gegen gute Abwehrreihen seine Probleme. Das wird auf jeden Fall ein Schlüsselduell.  

Auf ihn kommt es im Super Bowl an: Patriots-Quarterback Drake Maye.
Auf ihn kommt es im Super Bowl an: Patriots-Quarterback Drake Maye. © IMAGO

Maye ist mental sehr weit

Sie sprechen Drake Maye an. Er ist erst 23 Jahre alt. Was zeichnet ihn aus?
Er ist mit seinen 23 Jahren mental sehr weit und irgendwie gar nicht nervös. Er hat das zweite Spielsystem seitdem er in der Liga ist verinnerlicht, obwohl es sehr kompliziert ist. Er hat sich unter dem Offensivtrainer Josh McDaniels enorm gesteigert. Er ist der Leader der Patriots. Er ist clever, hat den Respekt in der Liga und ist nicht zu Unrecht ein MVP-Kandidat.

Hat er das Zeug, um in den nächsten Jahren auf ein Level mit einem Patrick Mahomes, dem Dominator der letzten Jahre, zu kommen?
Am Ende geht es um Trophäen, um Super-Bowl-Siege und MVP-Auszeichnungen. Kommt er in seinem zweiten Jahr mit dem Super Bowl davon, werden die Diskussionen groß. Aber ich persönlich finde es schwer, Spieler miteinander zu vergleichen. Jeder Spieler ist anders, jeder Trainer ist anders und die Zeiten sind anders. 

Sebastian Vollmer

Spieler bekommen von der Halftimeshow kaum etwas mit

Beim Super Bowl geht es nicht nur um den Sport an sich. Es wird ein riesiges Brimborium gemacht. Vor dem Spiel tritt in diesem Jahr Green Day auf, die Hymne wird zelebriert, für die Halbzeitshow ist Bad Bunny zuständig. Bekommt man davon als Spieler viel mit?
Man ist da komplett raus. Man ist in der Umkleidekabine und bekommt da nichts mit. Das willst du auch nicht. Man ist in diesen vier Stunden so fokussiert. Man denkt da nicht dran, einfach mal rauszugehen, und wie bei uns zum Beispiel die Show von Katy Perry anzuschauen. 

Werden Sie es dann jetzt in der Rolle als TV-Experte mehr genießen?
Ich habe da wahrscheinlich auch ordentlich zu tun. Ich stehe am Spielfeldrand und möchte den Leuten Insides geben. Aber klar, wenn ich dastehe und die Möglichkeit habe, schaue ich mir natürlich auch die Show an.  

Superstar Katy Perry sorgte einst beim Super Bowl für eine irre Show.
Superstar Katy Perry sorgte einst beim Super Bowl für eine irre Show. © IMAGO

Franchises veranstalten nach dem Super Bowl noch Feiern

Es werden am Super-Bowl-Wochenende in den USA unter anderem rund 1,5 Milliarden Chicken Wings, 12,5 Millionen Pizzen und Tausende Tonnen Guacamole verdrückt. Haben Sie ein Gericht, das am Super Bowl nicht fehlen darf?
Nicht wirklich. Ich bin da den ganzen Tag im Stadion und esse wahrscheinlich nichts. Erst bei der NFL-Party nach dem Spiel wird es für mich wieder etwas geben. Da wird immer ziemlich gutes Essen aufgefahren. Was es aber genau gibt, kann ich leider noch nicht sagen. 

Wenn wir schon beim Thema Party sind: Wie sehen so Super-Bowl-Partys von den Teams aus? 
Das kommt immer ein bisschen auf den Eigentümer der Franchises an. Bei uns war es im Prinzip ein großes Zelt, in dem viele bekannte Musiker aufgetreten sind. Je mehr Fans da sind, je mehr man in der offiziellen Rolle dort auftritt, desto mehr muss man sich benehmen. Wobei es auch danach Spieler gibt, die die Zeit einfach nur mit ihren Familien und Kindern verbringen. Andere trinken ein Bier und gehen dann ins Bett. Es gibt aber auch diejenigen, die die Sau raulassen. Man kann bis zum Abflug am nächsten Morgen feiern. 

Man kann bis zum Abflug am nächsten Morgen feiern. 

Sebastian Vollmer

Vollmer gehörte auch mal zur Gattung der Feierbiester

Zu welcher Gattung Feiermensch gehörten Sie? 
Bei meinen Feiern war es dreimal anders. (lacht) Aber ich muss dazu sagen, und das klingt vielleicht Banane, auch die Verliererparty war schön. Pitbull ist damals aufgetreten und ich habe viel mit denjenigen gesprochen, die die Franchise verlassen. Man weiß: Dieses Team wird es so in dieser Zusammenstellung nie wieder geben. 

Also ist selbst die Verliererparty in gewisser Weise ein schöner Abschluss der Saison? 
Nach dem Abpfiff ist man erstmal in einem kompletten Loch. Aber bis zur Party sind es noch bis zu sieben Stunden. Man muss sich umziehen, Interviews geben und steht dann noch mit dem Bus im Stau. Das dauert ewig. In dieser Zeit kannst du die Niederlage zwar nicht verarbeiten, aber in Relation setzen. Du bist dann nicht mehr so enttäuscht und feierst einfach den Abschluss einer Saison. 

Glücklicher Super-Bowl-Champion: Sebastian Vollmer.
Glücklicher Super-Bowl-Champion: Sebastian Vollmer. © IMAGO

Vollmer bringt Super-Bowl-Ringe wohl mit zum Super Bowl

Die Gewinner bekommen Ringe mit reichlich Diamanten. Zieht ein Sebastian Vollmer die Ringe auch auf Familienfeiern an oder werden die im Tresor verstaut? 
Zu Familienfeiern trage ich sie definitiv nicht. (lacht) Ich bringe sie vielleicht zum Super Bowl mit. Und ansonsten trägst du sie mal zu Partnerevents oder zeigst sie deinen Kindern. Aber ich gehe mit den Ringen an der Hand zum Beispiel auch nicht zum Bäcker und zeiget damit auf mein Croissant. (lacht)

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