Wir "roquen" das schon! Keine Panik gegen Paraguay

Am Montag wartet Paraguay im Sechzehntelfinale auf die deutsche Nationalmannschaft. Sportdirektor Rudi Völler verspricht, "dass wir gegen Paraguay alles rausholen, absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen."
von  Patrick Strasser
DFB-Sportdirektor Rudi Völler.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler. © IMAGO/DeFodi.de

Auf Augenhöhe will das DFB-Team agieren bei dieser WM – so die Wunschvorstellung. Auge in Auge mit den Top-Favoriten wie etwa Frankreich, Weltmeister von 2018 und Vize-Weltmeister von 2022. Kleinmachen will man sich nicht, dann würde man ja aufschauen. In die Ferne schweifen auch nicht. Doch Frankreich und das mögliche Duell im Achtelfinale am 4. Juli schimmern bereits am Horizont.

Vor Olise & Co. kommt Paraguay. Im Visier scharfgestellt: Das Sechzehntelfinale am Montag (22.30 Uhr, ARD & MagentaTV) in Foxborough bei Boston. Ein Gegner auf Augenhöhe? Von "Brustwarzenhöhe" hatte Manuel Neuer nach dem 1:2 gegen Ecuador gesprochen, dabei sich und seine Torhüter-Zunft mit dem hübschen Satz verteidigt: "Wenn ich anfange, im Fünfmeterraum auf Bälle rumzupatschen, wäre es womöglich ein Eigentor gewesen." Will ja auch keiner.

Paraguay darf für Deutschland kein Stolperstein werden

Eine Niederlage, ein Aus in der ersten K.o.-Runde gegen Paraguay wäre ein großes Eigentor – die nächste historische Niederlage nach den Blamagen in Russland 2018 und Katar 2022, als jeweils in der Vorrunde Endstation war. Die Zukunft von Bundestrainer Julian Nagelsmann wäre trotz Vertrag bis 2028 offen. "Der Zug hat keine Bremse", lautet der deutsche WM-Song der Fans. Aufs falsche Gleis sollte man nicht geraten. Sonst fährt der Zug nach Nirgendwo. Und dann steigt der DFB-Tross um in den Flieger – am Dienstag gen Heimat.

Warnungen aussprechen vor dem 41. der Fifa-Weltrangliste? Ja, okay. Aber den Gegner, Sechster der Südamerika-Qualifikation mit nur einem Punkt weniger als Ecuador, größer als notwendig machen? Nein. Auch wenn die Stimmung nun gedämpft ist – wir roquen das schon! Paraguay, die Heimat von Ex-Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz ("Ich, Roque!"), darf kein Stolperstein sein.

Dass die Wahl für den Gesprächspartner der Medien am Samstag im DFB-Quartier von Winston-Salem auf Rudi Völler fiel, überraschte nicht. Keiner könnte Probleme und Sorgen besser wegmoderieren als der Sportdirektor. Uns Rudi als personifizierter Prellbock, als Mister Feelgood und Herr Wird-schon-alles-gut.

Und so sprach der 66-Jährige mit seiner tiefen, beruhigenden Erzählstimme über die Lage der Nationalelf und den Gegner Paraguay. "Ich bin völlig beruhigt und relaxt. Am Montag wird die Mannschaft alles reinhauen", versprach Völler in seiner Funktion als Absorber und Blitzableiter. Er versicherte, "dass wir gegen Paraguay alles rausholen, absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen".

Völler will noch nicht über Frankreich sprechen

Dafür müssen Tempo und Spielwitz wieder hochgefahren werden, am besten auf Augenhöhe. Die zuletzt vermisste Körperlichkeit und Härte im Spiel braucht es dagegen nicht nur auf Brustwarzenhöhe. Paraguay gilt als kompakte Einheit, defensiv stark, mit robusten Fightern in den Zweikämpfen. "Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich", sagte Nagelsmann, "Körperlichkeit ist schwer zu trainieren." Ach so?! Was im Grunde für den Einsatz von "The Body" Leon Goretzka spräche. "Wir müssen", fordert der Bundestrainer, "den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen". Oder, so der 38-Jährige, "im Kollektiv mehr Überzahlsituationen" schaffen.

Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Bundestrainer Julian Nagelsmann. © Federico Gambarini/dpa

Das DFB-Team sei "ein bisschen zaghaft" aufgetreten, sagte 2014er-Weltmeister Mats Hummels bei MagentaTV nach der Ecuador-Pleite. Während der von so vielen Fans als Wunsch-Bundestrainer auserkorene Jürgen Klopp erkannte: "Wir wurden in den Zweikämpfen aufgefressen." Ex-Nationalspieler Toni Kroos stellte fest: "Wir sind eben keine physische Mannschaft." Die einst weltweit gefürchteten deutschen Tugenden? Verkümmern seit der Abfahrt des WM-Zuges in der Bahnhofshalle.

Über den möglichen Achtelfinal-Gegner Frankreich wollte Völler nicht sprechen. Ganz generell sei für ihn "das DFB-Team eine Mannschaft, die an richtig guten Tagen am Limit gegen jede Mannschaft gewinnen kann". Doch siehe da – eine Warnung kam aus dem Munde des DFB-Sportdirektors: "Wenn ein paar Prozent weniger da sind, können wir gegen einige Mannschaften verlieren. Das ist bei ein, zwei, drei Nationen vielleicht anders." Bei den Franzosen etwa.

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