"Wir hatten's einfacher"

Andreas Brehme, Siegtorschütze im WM-Finale 1990, traut dem deutschen Team zu, in Südafrika den vierten Stern zu holen. Allerdings kritisiert er Schweinsteigers Attacke gegen die Argentinier
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Grenzenloser Jubel nach dem 1:0: Andreas Brehme (v.l.), Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und Stefan Reuter freuen sich 1990 in Rom über den Titel.
GES/Augenklick Grenzenloser Jubel nach dem 1:0: Andreas Brehme (v.l.), Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und Stefan Reuter freuen sich 1990 in Rom über den Titel.

Andreas Brehme, Siegtorschütze im WM-Finale 1990, traut dem deutschen Team zu, in Südafrika den vierten Stern zu holen. Allerdings kritisiert er Schweinsteigers Attacke gegen die Argentinier

AZ: Herr Brehme, glauben Sie, dass am Samstag, wie 1990 im Finale von Rom, wieder ein Elfmeter das Duell gegen Argentinien entscheiden wird?

ANDREAS BREHME: Eher nicht. Dafür halte ich beide Mannschaften dieses Mal für zu spielstark. Beide wollen Tore schießen und beide haben ein paar Schwächen in der Abwehr. Ich glaube, es werden ein paar Tore aus dem Spiel heraus fallen.

Und welcher Mannschaft werden mehr Tore gelingen?

Von den Einzelspielern her sind die Argentinier wohl leicht stärker. Bei denen brennt Messi auf sein erstes WM-Tor, außerdem haben die mit Higuain und Tevez noch zwei Weltklasse-Stürmer und sind noch so großzügig, Diego Milito von Inter nur auf der Bank zu lassen. Aber unsere Jungs haben natürlich mehr als nur eine Chance auf den Sieg. Unschlagbar sind die Gauchos nicht. In einem Viertelfinale gewinnt nicht unbedingt, wer die besten Spieler in seiner Mannschaft hat. Es kommt auch auf den Glauben an. Grundsätzlich denke ich aber, dass wir es 1990 leichter hatten als unsere Jungs an diesem Samstag.

Wieso das? 1990 spielte ja sogar noch Maradona.

Trotzdem waren die Argentinier damals grottenschlecht. Die hatten das ganze Spiel über keine Ecke, keine Torchance. Klar, das Finale war insgesamt kein gutes Spiel und wurde nur durch meinen Elfmeter entschieden. Aber die Argentinier haben damals einfach nicht mitgespielt. Unser Sieg war – auch objektiv betrachtet – hochverdient.

Diego Maradona sprach damals trotzdem davon, dass die Mafia das Spiel entschieden hätte.

Ach, der Diego! Wenn die Mafia damals für irgendetwas verantwortlich war, dann dafür, dass diese Argentinier es überhaupt ins Finale geschafft haben. Aber im Ernst: Im Überschwang der Enttäuschung kann man schon mal solche Sachen sagen. Das ist okay und auf jeden Fall besser als das, was Bastian Schweinsteiger jetzt gemacht hat.

Schweinsteiger meinte, die Argentinier würden unfair spielen, das kenne man so von ihnen.

Damit ist er weit über das Ziel hinausgeschossen. Ich halte das für unklug! Ich weiß nicht, was ihn dabei geritten hat, so etwas zu sagen. Damit motiviert man den Gegner nur noch mehr, das war kontraproduktiv. Ich als Trainer hätte ihn mir hinterher zur Brust genommen.

Sie werben ja als Weltmeister zusammen mit Horst Eckel und Paul Breitner bei McDonald’s für den vierten Stern, den vierten Titel.

Ja, weil es endlich Zeit wird. Unser Sieg ist ja schon 20 Jahre her. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Jungs in Südafrika das schaffen.

Haben Sie keine Angst, ein wenig in Vergessenheit zu geraten, wenn es eine neue Weltmeister-Generation gibt?

Nein, wieso? Wir gelten ja heute noch als die beste Nationalmannschaft aller Zeiten. Fragen Sie doch mal den Franz Beckenbauer! Hat jemand die 54er-Weltmeister vergessen? Von den 74ern müssen wir nicht reden. Ich persönlich freue mich auf neue Helden.

Interview: Filippo Cataldo

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