Wiesn-Preise bei WM: Die Fifa presst alles raus

Die DFB-Reporter Maximilian Koch und Patrick Strasser sind für die AZ beim DFB. In ihrem WM-Tagebuch erzählen sie von ihren Erlebnissen rund um das Turnier.
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Die AZ-Reporter Patrick Strasser und Maximilian Koch sind für die AZ in Nordamerika.
Die AZ-Reporter Patrick Strasser und Maximilian Koch sind für die AZ in Nordamerika. © AZ-Montage

Wiesn-Preise bei WM: Die Fifa presst alles raus

Im Flughafen George Bush International in Houston werden die Fans aus aller Welt sehr freundlich begrüßt. Große bunte Fußbälle sind auf die Fensterscheiben an den Gates geklebt worden, dazu Portraits von Spielern und der Schriftzug "We are 26 – Houston".

Die Stadt ist stolz, WM-Spielort zu sein. Das merkt man den Menschen hier in Gesprächen an – auch wenn nicht alle etwas mit "Soccer" anfangen können. Mein Taxifahrer Andy fand die Partien bislang ziemlich "langweilig" – mit Ausnahme des 7:1 der deutschen Elf gegen Curaçao: "Musiala ist ein Freak“, sagt er voller Bewunderung. Sonst geht er zum Basketball, zu den Rockets.

Wasser kostet für Reporter im Stadion

Auch die Fifa ist am Flughafen präsent. Einige Sponsoren haben ihre Stände aufgebaut, an Automaten mit Fifa-Schriftzug kann man sich Kappen, Trinkflaschen und Schlüsselanhänger kaufen – damit die Kasse von Gianni Infantino noch ein bisschen voller wird.

Der Weltverband und sein umstrittener Präsident nehmen es wirklich, wo sie es kriegen können. Im Medienbereich des NRG Stadiums sind die Kühlschränke leer geräumt, die Wasserspender zugedreht – trotz mehr als 30 Grad draußen und weiten Wegen rund um Stadion. Für drei Dollar bekommt man eine Flasche Wasser, ein Sandwich kostet fast zehn Dollar. Immerhin: Kaffee und Tee gibt es kostenlos.

Die Preise für Fans beim WM-Spiel in Houston.
Die Preise für Fans beim WM-Spiel in Houston. © Maximilian Koch

Wasser kostet für die Fans 6,35 Dollar

Das alles ist kein Vergleich zu dem, was die Fans zahlen müssen. Eine Flasche Wasser kostet 6,35 Dollar, ein Bier zwischen 14 und 18 Dollar, ein Hotdog 8,99, ein Stück Pizza 12,95. Wiesn-Preise bei der WM.

Vielleicht auch deshalb war das NRG Stadium beim Deutschland-Spiel gegen Curacao nicht ausverkauft. Neben den hohen Ticketpreisen sind die Kosten im Stadion schlicht übertrieben. Zum Vergleich: In Houston Downtown lag der Bierpreis für ein erstklassiges Modelo vom Fass bei sieben Dollar.
Die Fifa presst alles raus. Im Sinne des Fußballs und der Fans ist das nicht.

Ihr Maximilian Koch


Ein volle Hütte Reporter

Die WM-Stimmung bislang? Nun, ja. Sagen wir: ausbaufähig. Ein Bar-Besitzer lockte uns in Winston-Salem mit dem Versprechen, dass "die Hütte voll" sein würde: "Es kommen 500 Mexikaner, die brennen auf die WM!" Das klang sehr gut – am Ende waren beim Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika vielleicht 50 Menschen in der riesigen Halle mit mehreren Fernsehern und Leinwänden. Und davon 20 Reporter aus Deutschland.

Texaner sind laut und emotional 

Bei der ersten Partie der USA gegen Paraguay füllten sich die Pubs schon deutlich mehr, doch es war zu spüren: Viele Sportfans hierzulande fokussieren sich – genauso wie die TV-Sender übrigens – auf die spannenden Finalserien im Basketball (NBA) und Eishockey (NHL), die klassischen "US-Sportarten". Ob die Soccer-Euphorie noch kommt? Zum Glück geht’s jetzt nach Houston!

Die Texaner sind traditionell sehr laut und emotional, wenn Sportevents anstehen. Ich freue mich schon auf die Barbecue-Partys vor dem NRG Stadium, wo sonst die Footballer der Houston Texans spielen. Bereits vier, fünf Stunden vor Spielbeginn wird hier vor den Autos und Pickups beim klassischen Tailgaiting gegrillt und gefeiert, das soll bei der Begegnung zwischen Deutschland und Curaçao nicht anders sein. Mal sehen, ob es dann auch so kommt.

Es wird Zeit für WM-Stimmung

Es wird jetzt auch mal Zeit für feurige WM-Stimmung in den USA. Jetzt, da das XXL-Soccer-Turnier so richtig Fahrt aufnimmt.

Ihr Maximilian Koch


"Dancing Kenny" und der Brief von Obama

Der Film-Klassiker Dirty Dancing von 1987 ist weltberühmt. Patrick Swayze und Jennifer Grey schrieben mit ihrer Hebefigur Filmgeschichte. Obwohl der Film in den Catskill Mountains in New York spielt, wurden viele der ikonischen Szenen hier in North Carolina gedreht – in der aktuellen Wahlheimat der deutschen Nationalmannschaft während dieser WM. Die Hauptdrehorte für Dirty Dancing befanden sich in Lake Lure und der umliegenden Region im Rutherford County.

Kenny erkennt man an der Warnweste

Ob ich die Originalschauplätze mal besuche? Je nach Verkehr auf den Highways sind es von Winston-Salem, dem Ort des DFB-Basecamp, zwischen zwei und zweieinhalb Stunden Fahrt. Für hiesige Verhältnisse und Entfernungen ein Katzensprung. Dancing Kenny war noch nicht vor Ort. Sollte er aber mal. Denn Kenny gilt in Winston-Salem als lokale Berühmtheit, obwohl er aus dem Nachbarort Kernersville stammt.

Es ist ein Privileg, den Mann auf einem Nachmittagsspaziergang durch Downtown zu treffen – das wird einem im Gespräch schnell klar. Kenny wirkt zunächst unheimlich happy, Reporter aus Deutschland zu treffen, da er "excited" ist, dass die Nationalelf in seiner Heimat North Carolina untergekommen ist. Sein Job? Auf Highways oder in der Stadt versucht er in einer neon-gelben Warnweste mit Werbeschildern, Vorbeifahrende oder Passanten in bestimmte Shops zu lotsen.

Ein Star in Winston-Salem: Dancing Kenny.
Ein Star in Winston-Salem: Dancing Kenny. © Patrick Strasser

Kenny hofft auf Ruhm durch deutsche Medien

Weil er – was einen im Rückblick verwundert – zunächst schüchtern wirkt, muss er sich von einer Bekannten überreden lassen, über sein Talent zu sprechen. Kenny ist Tänzer, nicht irgendeiner. Er ist "Dancing Kenny". Voller Stolz zeigt er auf seinem Handy einen TV-Beitrag von vor ein paar Jahren, der über ihn gedreht wurde. Angeblich habe er einst, so erzählt er, einen Brief voller Anerkennung aus dem Weißen Haus bekommen – von Barack Obama, kein Wunder.

Und jetzt kommt der Fame, der Ruhm, dazu, den ihm deutsche Medien geben. Hofft Kenny. Und dann lässt er sich am helllichten Tag in der Fourth Street nicht zweimal bitten. Schnelle Drehungen, die Füße steppen, die Arme fliegen. Gute Moves, guter Vibe. Fast schon Moonwalk-mäßig. Michael Jackson wäre sicher stolz auf ihn. Patrick Swayze sowieso.

Ihr Patrick Strasser

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