"Wie Hund behandelt": DFB-Neuling berichtet von Wohnung mit Schimmel und Kakerlaken

Ihn hat Jürgen Klopp, der neue Bundestrainer, definitiv gefangen. In seiner Nebenrolle als Menschenfänger hat es Klick gemacht bei Younes Ebnoutalib, einem der insgesamt 15 Spieler, die ohne Länderspiel-Einsatz für den DFB ins Camp in Herzogenaurach gereist sind.
Treu über Klopp: "Für den willst du gefühlt durchs Feuer gehen"
Neben dem Frankfurter Angreifer Ebnoutalib dürfen sich die Neulinge Philipp Treu, Bambasé Conté, Yannik Engelhardt, Max Rosenfelder und Hennes Behrens im ersten der beiden Länderspiel-Doppelpacks vorstellen – und beweisen.
"Für den willst du gefühlt durchs Feuer gehen", sagte Philipp Treu (23) am Dienstagvormittag in Herzogenaurach über den neuen Bundestrainer. Für den Freiburger Rechtsverteidiger ist Klopp "ein Megatyp". Wenn er am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande (20.45 Uhr, RTL) oder am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland zum Einsatz komme, wolle er sein "Herz auf dem Platz lassen und immer Gas geben".

Ebnoutalib hat missratenes Engagement bei AC Perugia hinter sich
Der andere Freiburger, Innenverteidiger Rosenfelder (23), möchte in seinen ersten Tagen beim DFB "alles aufsaugen. Ich habe einfach Bock." Selbstverständlich. Dass Ebnoutalib, ebenfalls 23, in dieser Woche mit dem DFB-Adler auf der Brust seine ersten Trainingseinheiten absolviert, ist alles andere als selbstverständlich.
Eher aus der Kategorie Fußball-Märchen. Der Stürmer hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Vor zweieinhalb Jahren beendete er ein völlig missratenes Engagement bei der AC Perugia, in das er hineinmanövriert wurde, weil man es ihm dem Talent als letzte Chance im Profifußball suggerierte.
DFB-Neuling musste in Wohnung mit Schimmel und Kakerlaken leben
Entgegen den Versprechungen eines dubiosen Beraters wurde Ebnoutalib nach seinem Wechsel im Oktober 2022 bei Perugia in der U19 und nicht bei den Profis eingesetzt. Gemeinsam mit neun anderen Nachwuchsspielern musste er in einer von Schimmel und Kakerlaken befallenen Wohnung hausen. Der Verein habe ihn "wie einen Hund behandelt", erzählte er.
Nach einem Mittelhandbruch im Januar 2024 flüchtete er aus Italien, erhielt danach Morddrohungen von einem serbischen Berater. Hauptsache weg, zurück in die Heimat. Der gebürtige Frankfurter hatte keinen Verein, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, lebte von 800 Euro im Monat – davon gingen 450 Euro für die Miete in einer WG (eher eine Baracke) mit mehreren anderen Jugendlichen.

Frankfurt zahlte acht Millionen Euro für Ebnoutalib
Der viertklassige FC Gießen gab ihm eine Chance. Nach sechs Toren in 19 Regionalliga-Spielen verpflichtete ihn im Januar 2025 Zweitligist SV Elversberg – für nur 10.000 Euro Ablöse. Nun startete Ebnoutalib durch: 12 Tore in 17 Zweitliga-Partien. Für rund acht Millionen Euro Ablöse holte ihn die Eintracht zurück in seinen Jugendverein, in seine Geburtsstadt.
Nach nicht einmal einem Jahr Bundesliga und dem Rückschlag im Januar (Innenbandriss im Knie, wochenlange Reha) ist Ebnoutalib nun bei Klopp. Und kann es nicht fassen. Als ihn der Bundestrainer anrief, "habe ich mir gar nichts dabei gedacht. Vielleicht will er nur fragen, wie es mir geht".

Ebnoutalib: "Nach dem Telefonat kamen mir die Tränen"
Er gestand: "Nach dem Telefonat kamen mir die Tränen. Ich habe darüber nachgedacht, wo ich noch vor ein paar Jahren war und dass es krass ist, dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat."
Auch wegen des neuen Bundestrainers ("Wenn Klopp anruft, muss man hingehen. Er ist einer der besten Trainer der Welt") entschied sich Ebnoutalib für die deutsche Nationalelf. Er hätte auch für Marokko spielen können, das Land seines Vaters. Der frühere Taekwondo-Profi nahm 1997 die deutsche Staatsangehörigkeit an und gewann bei den Olympischen Spielen 2000 die Silbermedaille. Noch so ein Märchen.
DFB-Neuling hofft auf Spielzeit
"Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben", sagte Ebnoutalib, der für keine deutsche U-Nationalmannschaft berufen wurde, "und hoffe, dass ich dann viel Spielzeit bekomme."
