VfB-Chaos! Die Fans entlassen Babbel

Randale, Blockade und „Tötungsgesten“ nach dem 1:1 gegen Bochum. Schweizer Christian Gross wird Nachfolger des Ex-Bayern-Stars.
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Nun ist er doch seinen Job beim VfB los: Markus Babbel.
dpa Nun ist er doch seinen Job beim VfB los: Markus Babbel.

STUTTGART - Randale, Blockade und „Tötungsgesten“ nach dem 1:1 gegen Bochum. Schweizer Christian Gross wird Nachfolger des Ex-Bayern-Stars.

Als der VfB Stuttgart am Sonntagnachmittag eine offizielle Einladung zu einer Pressekonferenz „gegen 18 Uhr“ verschickte, hatte sich die Nachricht längst herum gesprochen: Markus Babbel wurde nach dem 1:1 gegen den VfL Bochum als Teamchef der Schwaben beurlaubt. Wenn der VfB am Mittwoch in sein Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League gegen Unirea Urziceni geht (20.45 Uhr, Sat.1 live), wird bereits der Schweizer Christian Gross (55) auf der Stuttgarter Bank sitzen.

Der zuletzt vereinslose Gross – mit Grashopper Zürich und dem FC Basel erfolgreich, bei Tottenham Hotspur einst nach wenigen Monaten entlassen – übernimmt sein neues Amt gewissermaßen im zweiten Anlauf. Schon vor einer Woche hatte man sich in Stuttgart auf Babbels Ablösung vorbereitet und mit Gross Einigung erzielt. Damals hatte sich Aufsichtsratschef Dieter Hundt gegen das Votum des Präsidiums durchgesetzt und auf Babbels Verbleib bestanden.

Nun musste auch Hundt notgedrungen klein beigeben. Auch bei ihm hatten die Ereignisse des Samstags tiefen Eindruck hinterlassen. Es ging schließlich auch darum zu verhindern, „dass die Dinge weiter eskalieren" (Manager Horst Heldt). Das VfB-Chaos – die Fans entlassen Babbel. Tatsächlich war es am Samstagnachmittag zu Ausschreitungen gekommen, als VfB-Fans den Teambus auf dem Weg ins Stadion vor dem Spiel aufhielten und Rauchbomben zündeten.

„Ich habe Tötungsgesten gesehen“, berichtete der Schweizer Ludovic Magnin, „man kann mich als Spieler kritisieren, aber ich bin Familienvater. Ich habe es nicht verdient, dass mich jemand töten will.“ Während der Partie verweigerten die Fans der Elf jede Unterstützung und entrollten stattdessen ein Transparent: „Euer Kredit ist verspielt.“ Später kam es zu Krawallen mit der Polizei, die Schlagstöcke einsetzte. Rund 1500 Fans blockierten nach Abpfiff die Stadionabfahrt sowie den Zugang zum Business-Center auf dem Klubgelände.

Gegen Mittag des Sonntages erfuhren die Profis des VfB per Telefon von der Entlassung Babbels. Am Samstag gegen 20 Uhr hatte sie der Verein darüber informiert, dass das Vormittagstraining abgesagt ist. Trainiert wurde am Sonntag dann überhaupt nicht, dafür stellte sich Babbel-Nachfolger Christian Gross beim Team vor.

Babbel wurde am Abend nach dem ernüchternden Remis gegen Bochum zweimal zu Gesprächen in die Loge des Präsidenten Erwin Staudt gebeten, dort informierte man ihn über die Trennung. Zum turbulenten Sonntag in Stuttgart passte dann, dass sich Babbel abends auf einer Pressekonferenz im Klubzentrum verabschieden sollte, während die Gross-Präsentation im Stadion vorgesehen war.

Außerdem bitter für Babbel: Trotz des miserablen Tabellenstands – der VfB rangiert auf Relegationsplatz 16 – hatte ihm Boss Staudt noch vor fünf Tagen eine „Jobgarantie“ ausgestellt und gesagt, er haben die „Lizenz zum Gas geben" bis Weihnachten.

Die von Babbel ergriffenen Maßnahmen erwiesen sich jedoch als wirkungslos. Er setzte Thomas Hitzlsperger als Kapitän ab, er beförderte den zurückhaltenden Franzosen Matthieu Delpierre und sorgte mit der Missachtung von Vizekapitän und Nationalverteidiger Serdar Tasci für Unruhe in der Mannschaft.

Unruhe, die bis zur Befehlsverweigerung ging, hatte es schon bei Babbels Versuchen gegeben, die Rotation einzuführen. Mehrfach sprach sich die Mehrheit der Mannschaft dagegen aus. Schließlich knickte Babbel ein, gestand Fehler ein und kündigte an, auf die Rotation zu verzichten – um dann weiter das Personal durchzuwechseln.

Nun wurde er selbst ausgewechselt.

Oliver Trust

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