Üble Presse für Südafrikas Präsident Zuma

Kapstadt (dpa) - Südafrikas großer Moment ist gekommen. Aber kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft verhageln dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma hässliche Schlagzeilen über sein Privatleben die Vorfreude auf «den größten Moment seit Beginn unserer Demokratie».
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Jacob Zuma (r) und Joseph Blatter reichen sich die hand.
dpa Jacob Zuma (r) und Joseph Blatter reichen sich die hand.

Kapstadt (dpa) - Südafrikas großer Moment ist gekommen. Aber kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft verhageln dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma hässliche Schlagzeilen über sein Privatleben die Vorfreude auf «den größten Moment seit Beginn unserer Demokratie».

Jetzt, wo die Welt auf Südafrika schaut, wollte Zuma alles richtig machen. Staatsmännisch und selbstkritisch waren seine Reden. Er pries die einigende Kraft der WM, forderte seine Landsleute auf, großartige Gastgeber zu sein, friedliche Spiele zu sichern. Er sprach aber auch über die großen Probleme Südafrikas, über die Kultur der Gewalt, «die Menschen zu Tieren macht», über soziale Probleme, die «nicht alle der Apartheid-Zeit anzulasten sind», über den langen Weg zur Versöhnung der noch immer zerrissenen «Regenbogen»-Nation. Wie einst die Ikone Südafrikas, Ex-Präsident Nelson Mandela, nutzte Zuma ein Spitzenspiel im Rugby, um seine Verbundenheit mit der weißen Minderheit zu demonstrieren - denn Rugby ist traditionell ihr Sport.

Aber nun steht der 68-Jährige wieder mal wegen angeblicher Skandale am Pranger der Presse. Seine zweite Frau, Nompumelelo Ntuli (35), soll das Personal übel behandelt, Rechnungen nicht bezahlt und eine Affäre mit Leibwächter Phinda Thomo gehabt haben. Der hat sich inzwischen selbst getötet. Ntuli, die Zuma letzte Woche nach Frankreich und Indien begleitete, ist - mit ihrem dritten Kind - schwanger. Die Blätter spekulieren nun, von wem das Kind ist. Eine Bestätigung für großen Familienknatsch sei, dass Ntuli im April bei einer traditionellen Zulu-Zeremonie eine Ziege geopfert hatte, um sich bei ihrem Gatten zu entschuldigen. Inzwischen gestand der südafrikanische Starschauspieler Joe Mafela öffentlich ein, vor Jahren eine Affäre mit der Präsidentengattin gehabt zu haben.

Das Präsidentenamt spricht von «bösartigen Schmierenkampagne». Was die Medien Südafrikas nicht bremst. «Zuma hat sich immer das Recht genommen, mehrere Frauen zu haben», meinte ein Radiohörer im nationalen Sender. Jetzt erlebe der Polygamist, «wie das ist, wenn der Partner mit anderen Sex hat». Feministinnen spendeten Ntuli Beifall für ihre «emanzipatorische Tat».

Zuma, Vater von offiziell 20 Kindern, musste sich schon öfters wegen Sexgeschichten rechtfertigen. Erst im Februar hatte er sich wegen eines unehelichen Kindes bei der Öffentlichkeit entschuldigt - die Mutter des Kindes, Sonono Khoza, war pikanterweise Tochter eines Freundes der Familie, des schwerreichen und mächtigen Irvin Khoza.

Im Januar hatte Zuma zum fünften Mal geheiratet, die 37-jährige Thobeka Madiba. Er hat nun drei Ehefrauen. Eine seiner Frauen beging im Jahr 2000 Selbstmord, eine Ehe wurde geschieden. Die «Sunday Times» berichtete von neuen Heiratsplänen. Im Juli soll er erneut heiraten, Gloria Bongekile Ngema (45), mit der Zuma bereits einen Sohn hat. Und der Präsident erwäge auch, Sonono Khoza zu ehelichen. Dabei scheint die Vielweiberei Zumas nicht ohne Tücken zu sein: Der «Star» und die «Times» berichteten, dass es zwischen den Ehefrauen immer wieder zu heftigem Streit und Eifersuchtsszenen komme.

Zumas Eskapaden gefährden aus Sicht von ANC-Politikern die Zukunft des Präsidenten. Er habe die Spitzenkandidatur seiner Partei für 2014 keineswegs sicher, so die seriöse Wochenzeitung «Mail&Guardian». Ernst muss Zuma auch die Vorwürfe nehmen, er und seine Familie bereicherten sich, indem er Amtsgeschäfte mit privaten Interessen verquicke. In den vergangenen Jahren gründeten Angehörige Zumas laut des «Business Day» insgesamt 134 Firmen. Nicht nur der Kommentator mutmaßt, dass das sicher auch mit dem Möglichkeiten des Präsidentenamtes in der Hand Zumas zu tun habe.

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