Transferbilanz: Götze ohne Verein, Ausgabenkönige in England

Nach dem Ende der Transferperiode ist die Wechselbörse für Fußball-Bundesligisten und Spieler nicht komplett geschlossen. Ein bisschen Bewegung kann noch in die Personalplanungen kommen.
| Von Morten Ritter, dpa
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Der frühere Dortmunder Mario Götze wird offenbar in die Niederlande zu PSV Eindhoven gehen.
Der frühere Dortmunder Mario Götze wird offenbar in die Niederlande zu PSV Eindhoven gehen. © David Inderlied/dpa
Düsseldorf

Kommt Mario Götze doch, können Vereine ihre Kader noch reduzieren und wie lassen sich Profis reintegrieren, die schon fast weg waren? Auch nach dem Deadline-Day bleibt die Fußball-Wechselbörse interessant und in Bewegung.

Transfers nach Portugal, Russland oder in die USA sind noch möglich, auch vertragslose Spieler wie Götze können noch unterkommen.

KOMMT GÖTZE NOCH: Die spannendste Frage derzeit: Hertha BSC hat zumindest Interesse bekundet und steht mit dem 28-Jährigen auch in Verbindung. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen beim Hauptstadtclub sind gegeben, aber passt der Weltmeister von 2014 auch in die Pläne von Trainer Bruno Labbadia? Mit der Leihe von Mattéo Guendouzi (FC Arsenal) hat sich Hertha bereits einen Mittelfeldspieler gesichert, der laut Manager Michael Preetz eine "ganz wichtige Option für das zentrale Mittelfeld" ist. Zudem war sich Labbadia nicht sicher, ob die Hertha schon "stark genug ist, so einen Spieler aufzufangen". Für Götze könnten sich auch durchaus andere Optionen bieten: Es soll Interesse von spanischen Clubs gegeben haben, auch die AS Monaco war im Gespräch.

BUNDESLIGA-BILANZ: Der FC Bayern war zwar am Ende sehr aktiv und hat am Dienstag auch noch das portugiesische Talent Tiago Dantas verpflichtet, doch ein aufsehenerregender Transfer war außer Leroy Sané (50 Millionen Euro) bislang nicht dabei. Nicht alle Clubs haben ihre Wunschspieler bekommen: Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea) hätten die Bayern gerne verpflichtet, Leverkusen hatte mit Milot Rashica gerechnet. "Das waren nicht alles nachhaltige 1a-Lösungen", sagte der langjährige Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick dem TV-Sender Sky.

In Corona-Zeiten floss weniger Geld, Champions-League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach leistete sich nur zwei Leihspieler, verwies aber darauf, keinen Stammspieler abgegeben zu haben. Clubs wie Werder Bremen hatten wenig Möglichkeiten: "Im Gesamtzusammenhang Pandemie und wirtschaftlicher Situation aus dem vergangenen Jahr war es aber nicht möglich, einen Spieler zu finden, der uns besser macht", sagte Geschäftsführer Sport Frank Baumann.

WER IST NOCH AUF DEM MARKT: Vertragslose Spieler können bis zum 31. Januar 2021 verpflichtet werden. Dabei sind einige gestandene Bundesligaspieler wie Kevin Stöger (27 Jahre), Mario Mandzukic (34), Fabian Johnson (32), Philipp Bargfrede (31) oder Jonathan de Guzman (33). Bei Personalproblemen werden sich Clubs auf diesem Markt noch umsehen.

Aber viele Spieler dürften in der Corona-Krise Probleme haben, einen neuen Club zu finden. Transfers in einige andere Länder sind noch eine Zeit lang möglich: Russland (bis 17. Oktober), Portugal (bis 25. Oktober) und die USA (bis 29. Oktober).

WER MUSS/DARF BLEIBEN: Prominentestes Wechsel-Opfer ist der Bremer Rashica. Der 24 Jahre alte Offensivspieler war schon in Leverkusen, ehe der Wechsel-Deal an den Finanzen scheiterte. Werder wollte sofort verkaufen, Bayer erst mal ausleihen. Nun ist der Stürmer wieder in Bremen - und hat erst einmal frei bekommen. "Die letzten Tage waren für Milot nicht einfach, es ging viel hin und her. Daher haben wir uns dazu entschieden, ihm die Woche frei zu geben, um auf andere Gedanken zu kommen und dann den Fokus wieder voll auf Werder legen zu können", sagte Trainer Florian Kohfeldt. Baumann betonte: "Für uns war immer klar: Wenn der Preis stimmt, werden wir Milot abgeben. Wenn der Preis nicht stimmt, wird Milot weiter Spieler von Werder sein."

Einige Clubs konnten auch deshalb nicht aktiv werden, weil sich nicht alle Spieler, die man abgeben wollte, an den Mann bringen ließen. So verzichtet Leverkusen auf einen weiteren Linksverteidiger, weil sich für Wendell kein Abnehmer fand. Auch die Gladbacher hätten gerne noch drei Profis abgegeben. Doch Max Eberl setzt auf die Transferperiode II: "Gut möglich, dass sich dann im Winter etwas mehr tut", sagte Borussias Sportdirektor der "Bild"-Zeitung.

WIE IST DER INTERNATIONALE MARKT: Die Premier League ist der Ausgaben-König. Auch in der Corona-Zeit übersteigt das Volumen für Ablösesummen die 1,3-Milliarden-Euro-Marke auf der Insel. Deutsche Nationalspieler wie Kai Havertz (Leverkusen) und Timo Werner (Leipzig), deren Transfers mehr als 150 Millionen Euro kosteten, kann sich ein Club wie der FC Chelsea locker leisten. Zum Vergleich: Die ganze Bundesliga gab etwa 265 Millionen aus. Nach Angaben der BBC hat die Investmentgesellschaft Carteret Analytics allerdings errechnet, dass die Investitionen in allen fünf europäischen Top-Ligen gegenüber dem Fünfjahresdurchschnitt deutlich gesunken sind: Von minus sieben Prozent in der Premier League bis zu minus 46 Prozent in der spanischen La Liga.

© dpa-infocom, dpa:201006-99-844786/2

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