Thorsten Fink einfach "ein guter Typ!"

Das 1:1 hat einen Gewinner: Thorsten Fink. Der neue HSV-Trainer lässt sich nach dem Remis gegen Wolfsburg feiern. Ein „kleines Küsschen” vom Sportchef, ein großes Lob vom Spezl
| Frank Hellmann
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HAMBURG Sie steht ihm gut, diese kleine, doch sehr markante HSV-Raute, die am linken Kragen des dunkelblauen Sakkos steckt. Bei der Erscheinung von Thorsten Fink neigt der Betrachter ja zuerst dazu, wahlweise über den stylisch gestutzten Bart oder das sorgsam frisierte Haupthaar zu sinnieren, aber die Dienstkleidung, die sich der 43-Jährige für seinen ersten Arbeitstag im Scheinwerferlicht der Bundesliga ausgesucht hatte, erschien akkurat.

Auffällig auch sein süffisantes Lächeln nach dem ersten Genickschlag nach 64 Sekunden oder sein aufgeregter Sprung in den Rücken seines Sportdirektors Frank Arnesen nach 56 Minuten. „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, welche Schnute ich gezogen habe", versicherte der neue HSV-Coach zur Mimik nach dem 0:1. Und die knuffigen Gesten nach dem 1:1? „Frank und ich harmonieren sehr gut.”

Fink sagt zwar, er sei aus seiner aktiven Zeit als Spieler beim FC Bayern einiges gewohnt („Da war immer viel los”), aber als Trainer nun mit jeder Bewegung im Brennglas zu stehen, daran muss auch er sich gewöhnen. Immerhin: Mit dem durchaus unterhaltsamen 1:1 gegen den VfL Wolfsburg ist der Anfang gemacht. „Jeder konnte erkennen, dass da ein Plan hintersteckt”, erklärte Nationalspieler Dennis Aogo.

Am Ende hatte der teils sogar hyperaktive HSV 59 Prozent Ballbesitz, 20:7 Torschüsse und eine 82-Prozent-Passquote auf sein Konto geschaufelt. Und Arnesen hatte sogleich „unser bestes Saisonspiel” gesehen. So nahm der Däne auch die Liebkosung lustig hin: „Thorsten sieht ja gut aus, da ist ein kleines Küsschen nicht schlecht.” Fink lächelt ja selbst die tabellarische Wirklichkeit mit der Selbstüberzeugung eines Serientäters weg. „Ich habe keine Angst. Wenn wir so weiterspielen, werden wir da unten schon rauskommen.”

Seine Konzeption basiert auf Lust und Leidenschaft, Lauf- und Kampfbereitschaft, und das soll nun bitteschön sowohl am Dienstag im DFB-Pokal beim Viertligisten Eintracht Trier als auch am Sonntag gegen den 1. FC Kaiserslautern zu besichtigen sein. „Beide Spiele unbedingt gewinnen”, empfahl Fink in forderndem Tonfall. Er wird eben als „Gewinner-Typ” gepriesen und das wiederum hat viel mit seiner Vergangenheit beim FC Bayern zu tun. „Da wollten wir jedes Spiel gewinnen”, sagt Fink, „egal, ob wir in Barcelona oder Madrid gespielt haben.” Gerade diese Eigenschaft hat auch Arnesen überzeugt: „Fink hat als Spieler mit Bayern alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Er war zehn Jahre bei Bayern, das schaffst du nur, wenn du dieses Sieger-Gen in dir trägst.” Komplimente, die Fink gerne hört.

Schwerer fiel dem derzeit als smarten Strohwitwer in einer chicen Hotelsuite lebenden Coach am Samstagabend da schon, seine spürbare Aufregung zur Premiere in wohlfeile Worte zu verpacken. Aber dafür gab es ja alte Weggefährten wie seinen ehemaligen Zimmerkollegen Hasan Salihamizic. Die innige Umarmung zwischen den früheren Münchner Frontkämpfern vermittelte irgendwie den Eindruck, als lebe im Trainer Fink der Spieler Fink ein bisschen fort. „Ich habe ihm gesagt, dass er eine gute Figur macht an der Seitenlinie! Das weiß er auch”, sagte Salihamidzic und setzte sein Brazzo-Bürschchen-Lächeln auf. „Er ist ein guter Typ, er kommt gut an!”

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