Start der "Taskforce Zukunft Profifußball": Wer will was?

Nutzt der Profifußball die Chance, in der Corona-Krise überfällige Reformen einzuleiten? Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht die Notwendigkeit und hat eine Taskforce installiert, die nun die Arbeit aufnimmt. Auf schnelle Ergebnisse darf man allerdings nicht hoffen.
| dpa
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Die "Taskforce Zukunft Profifußball" soll für einen Wertewandel im überhitzten Profigeschäft sorgen sollen.
Die "Taskforce Zukunft Profifußball" soll für einen Wertewandel im überhitzten Profigeschäft sorgen sollen. © Sebastian Widmann/Getty-Pool/dpa
Frankfurt/Main

Die "Taskforce Zukunft Profifußball" der Deutschen Fußball Liga startet am heutigen Dienstag mit ihrer ersten Arbeitsgruppe.

Mehr gesellschaftliche Verantwortung, besseres Wirtschaften der Clubs, mehr Chancengleichheit in der Bundesliga, größere Einbindung der Fans - das sind zentrale Forderungen, die für einen Wertewandel im überhitzten Profigeschäft sorgen sollen.

Mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppen beschäftigt sich danach die DFL-Mitgliederversammlung. Die Bundesliga ist in Corona-Zeiten zum Handeln gezwungen, da die wirtschaftlichen Folgen massiv sind und der Fußball mit seinen Millionen-Gehältern und wahnwitzigen Ablösesummen an gesellschaftlichem Ansehen verliert. Die Deutsche Presse-Agentur listet die wichtigsten Ansichten auf:

DAS WILL DER FUSSBALL: Derzeit wird in der DFL über die Verteilung der Fernsehgelder diskutiert, vor allem die kleineren Clubs rechnen sich mehr aus. Eine Gleichverteilung der Milliarden-Erlöse wird es aber nicht geben. Die Differenz der nationalen Medien ist allerdings weniger das Problem als die Schere, die sich zwischen den Champions-League-Teilnehmern und dem Rest der Liga auftut.

So kassierte der FC Bayern München nach seinem Triumph in der Königsklasse eine Rekordsumme in Höhe von 115,69 Millionen Euro an Prämienzahlungen der UEFA. Dazu kommen noch ein knapp zweistelliger Millionenbetrag aus dem sogenannten Marktpool sowie die Zuschauereinnahmen aus drei Heimspielen in der Gruppenphase.

Zu Beginn der Corona-Krise hatten die Champions-Legaue-Teilnehmer Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen 20 Millionen Euro in einer Solidaritätsaktion den Vereinen der 1. und 2. Liga bereitgestellt. Grundsätzlich aber sind sie nach eigenen Angaben auf die UEFA-Gelder angewiesen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Einer Gehaltsobergrenze und Einschränkungen bei den Beraterhonoraren stehen manche Clubs aufgeschlossen gegenüber, dies muss aber mit EU-Recht vereinbar sein - und dann auch für andere große Ligen gelten.

DAS WILL DIE POLITIK: Nicht nur dem Grünen-Politiker Cem Özdemir sind vor allem die hohen Spielergehälter ein Dorn im Auge. "Bei solch astronomischen Summen wie im Moment stellt sich einfach die Gerechtigkeitsfrage. Mittlerweile ist da vieles außer Rand und Band. Das tut dem Fußball auf Dauer nicht gut." Der 54-Jährige gehört der Taskforce an und sieht einen großen Reformbedarf. Es gehe darum, der "Entfremdung von Teilen der Fans durch fortschreitende Kommerzialisierung" entgegen zu wirken. Özdemir schlägt auch vor, die Lizenzvergabe an Rücklagen zu binden, die die Clubs vorweisen müssen.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil will sich als Teilnehmer für strengere Regeln bei Beraterverträgen einsetzen. "Das ufert total aus und muss reguliert werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Fußball entwickele sich derzeit in eine Richtung, die er problematisch finde: "Die zunehmende Kommerzialisierung, die wachsende Distanz zwischen Fans und Vereinen, aber auch zwischen Profifußball und Amateuren führen dazu, dass der Blick auf den Fußball von vielen kritischer geworden ist." Klingbeil hofft auch auf Vorschläge, wie der Frauenfußball stärker gefördert werde kann.

DAS WOLLEN DIE FANS: Die organisierte Szene hat sich bereits detailliert mit verschiedenen Themenkomplexen auseinandergesetzt und Analysen und Vorschlägen öffentlich gemacht. Die Arbeitsgruppen ihres Projekts "Zukunft Profifußball" bemängeln unter anderem, dass der Fußball seiner vielzitierten Verantwortung viel zu selten gerecht wird. "Menschenrechte spielen bei neuen Kooperationen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Einen vielfältigen und inklusiven Fußball gibt es häufig nur auf dem Papier", kritisieren die Vertreter. Auch die Initiative "Unser Fußball", der sich nach eigenen Angaben inzwischen rund eine halbe Million Personen angeschlossen haben, fordert Vereine und Verbände auf, die Zukunft des Fußballs grundlegend neu zu gestalten - "basisnah, nachhaltig und zeitgemäß".

© dpa-infocom, dpa:201012-99-920269/2

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