"So gut wie vorbei": Frankfurt-Einbruch auf Zielgerade

Die Champions League schien für Frankfurt zum Greifen nah. Doch auf der Zielgeraden gerät das Team ins Straucheln. Nach dem peinlichen 3:4 auf Schalke scheint der Traum ausgeträumt.
| Von Heinz Büse, dpa
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Gelsenkirchen

Sebastian Rode war mächtig bedient. Im ersten Frust über das bittere 3:4 (1:1) auf Schalke sprach der Frankfurter Routinier Klartext.

"Es ist so gut wie vorbei", klagte der Mittelfeldspieler über die wohl vertane Chance auf die europäische Königsklasse, "die ganze Mannschaft samt Trainer hat heute versagt". Mit versteinerter Miene legte er nach: "Wenn eine Mannschaft, die bereits abgestiegen ist, den Sieg mehr will als eine Mannschaft, die noch um die Champions League kämpft, ist das ernüchternd."

Nach zwischenzeitlich bereits sieben Punkten Vorsprung auf den Mitbewerber aus Dortmund ist die Eintracht im Kampf um Rang vier wohl vorentscheidend ins Hintertreffen geraten. Auch das Statement des scheidenden Sportvorstands Fredi Bobic klang nach Kapitulation: "Es war nicht eingeplant, dass wir hier ein Spiel verlieren. Am Ende des Tages wird es jetzt wahrscheinlich Platz fünf."

Seit der Ankündigung von Trainer Adi Hütter Mitte April, in der kommenden Saison zu Borussia Mönchengladbach zu wechseln, verbuchten die Frankfurter nur vier Zähler aus fünf Partien. Entgegen der bisherigen Sprachregelung stellte Rode einen Zusammenhang zwischen dem Leistungseinbruch des Teams und der Entscheidung des Fußball-Lehrers her: "Ich denke, das ist nicht von der Hand zu weisen. Es war ein Faktor, aber nicht der entscheidende."

Weil neben Hütter auch Bobic die Eintracht am Ende der Saison verlässt und zu Hertha BSC wechselt, gab es nach dem Schlusspfiff reichlich Fragen zum Einfluss dieser Personalien auf den Einbruch des Teams. "Das ist aus meiner Sicht sehr, sehr billig. Aber ich weiß, wie das Geschäft funktioniert", kommentierte Bobic genervt.

Ähnlich tief wie bei seinen Spielern saß der Frust bei Hütter: "Wir haben das alle zusammen vergeigt. An dieser Niederlage haben wir unglaublich zu knabbern." Gleichwohl erinnerte der Österreicher an die lange Zeit starke Saison seiner Mannschaft: "Wir hatten ein Traumziel. Aber wir sind immer noch Fünfter. Hätten wir die Ziele nicht so hoch gesteckt und hätten gesagt, dass wir vielleicht Europa League oder Conference League spielen wollen, dann wäre es super gewesen."

Bobic fand ähnliche Worte wie der Coach: "Dennoch war es eine Rekordsaison, in der wir souverän in die Europa League einziehen und bisher erst sechs Mal verloren haben."

Selbst die beiden Treffer von André Silva (29./72.) und die zwischenzeitliche 2:1-Führung durch Evan Ndicka (51.) bescherten auf Schalke kein Happy End. Gegentore durch Klaas-Jan Huntelaar (15.), Blendi Idrizi (53.), Florian Flick (60.) und Matthew Hoppe (64.) besiegelten die dritte Auswärtsniederlage in Serie.

Immerhin gab es für die im Schlussspurt schwächelnde Eintracht doch noch einen Lichtblick. Mit seinen Saisontoren 26 und 27 überbot der portugiesische Angreifer Silva den bisherigen Vereinsrekord von Bernd Hölzenbein. "Das ist außergewöhnlich. Schließlich ist Hölzenbein eine Legende in Frankfurt", kommentierte Hütter. Wirkliche Freude empfand der Fußball-Lehrer aber nicht: "Es ist ein schwacher Trost. André würde die beiden Tore gern tauschen für einen Sieg."

© dpa-infocom, dpa:210516-99-616805/3

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