"Sehr angetan von der Mannschaft": Klopp versprüht nach DFB-Remis gegen Griechenland Euphorie

 Die DFB-Elf nimmt den Schwung aus München mit nach Griechenland – besonders die erste Hälfte überzeugt. Aber offensichtlich ist in Thessaloniki auch: Was Bundestrainer Jürgen Klopp jetzt noch fehlt, ist ein Torjäger.
von  Patrick Strasser
Schnappte sich Florian Wirtz nach dem 0:0 gegen Griechenland: Bundestrainer Jürgen Klopp.
Schnappte sich Florian Wirtz nach dem 0:0 gegen Griechenland: Bundestrainer Jürgen Klopp. © IMAGO

Viertes Länderspiel unter Euphorie-Versprüher Jürgen Klopp – ein 0:0 in Thessaloniki gegen Griechenland. Der Optimist sagt: Drei Mal nicht verloren, der Pessimist: Drei Mal nicht gewonnen. Nur beim 2:0 am Donnerstag in München gegen Serbien. Aber: Es kann eben nicht immer gegen überschaubar gute Serben gehen.

Mini-Euphorie folgte die Ernüchterung

Im vierten Nations-League-Spiel, dem Abschluss dieser neuen XXL-Länderspielpause, erkämpfte sich die deutsche Nationalelf ein Remis - mehr nicht. Gegen die Griechen, auf Rang 41 der Fifa-Weltrangliste, die Klopp vor einer Woche in Augsburg das Heimdebüt vermiest hatten (0:1), gelang in mehr als 180 Minuten kein Treffer. Der Mini-Euphorie folgte die Ernüchterung.

Nur nicht bei Klopp: "Die Jungs haben ein unglaubliches Fußballspiel gemacht, das in allen Bereichen top war", zeigte sich der Bundestrainer nach Abpfiff gewohnt positiv – und schob als Fazit der ersten vier gemeinsamen Auftritte hinterher: "Ich bin sehr angetan von der Mannschaft."

Klopp: "Das Talent der Jungs läuft ihnen aus Ohren raus"

Vor dem Anpfiff im Toumba-Stadion von PAOK Saloniki bilanzierte Kopp schon mal die knapp zwei Wochen mit seinen Auserwählten: "In diesem Camp war wirklich harte Arbeit angesagt, mit viel Information für die Spieler. Hat großen Spaß gemacht." Seine Erkenntnis: "Das Talent der Jungs läuft ihnen aus Ohren raus." Die Ergebnisse sprudeln noch nicht so.

Sein Glaube: "Wir haben eine klare Idee. Dementsprechend geht das alles in die richtige Richtung." In der Startelf mit Florian Wirtz als Kapitän und Spielmacher vier Bayern-Profis. Im Tor nach seinem Debüt gegen Serbien erneut Jonas Urbig, bei Bayern Neuers Stellvertreter und Kronprinz. "Normalerweise kriegen Nationalspieler Spielpraxis in ihren Vereinen", sagte Klopp, "bei uns ist das anders. Bei uns gibt es all inclusive."

Blieb im DFB-Tor: Jonas Urbig.
Blieb im DFB-Tor: Jonas Urbig. © IMAGO

Karl bleibt bei Premiere unter Klopp blass

Ein Hinweis auf die Frage der zukünftigen Nummer eins sei das jedoch nicht, betonte der 59-Jährige. Das Mittelfeld-Zentrum besetzten in Abwesenheit von Zwangsurlauber Joshua Kimmich, der eigentliche Kapitän, wieder "Bischovic", also Tom Bischof und Aleksandar Pavlovic. Auf der rechten Außenbahn durfte Lennart Karl (Klopp: "Die letzten zwei Tage hat er im Training toll ausgesehen") seine Premiere unter dem neuen Bundestrainer feiern, blieb aber blass.

Serge Gnabry durfte wegen Belastungssteuerung nach seiner Verletzung in München bleiben. Außerdem begannen Raum für Mittelstädt und Burkardt anstelle von Woltemade. Nach 60 Sekunden der erste Angriff der Griechen über Linksaußen. Flanke von Kostas Tsimikas in die Mitte, Kopfball Giorgos Masouras – und Manuel Neuer, nein – ist ja Jonas Urbig tauchte ab, wehrte ab, prächtig.

Gegen die Griechen erneut in der Startelf: Aleksandar Pavlovic.
Gegen die Griechen erneut in der Startelf: Aleksandar Pavlovic. © IMAGO

Scherhant machte über die linke Seite Dampf 

Die deutsche Mannschaft kontrollierte weitgehend Spiel und Spielgeschehen, suchte mutig die Lücken. Wirtz war sein Selbstvertrauen-Boost anzumerken, Derry Scherhant machte über links Dampf. Über einen Bischof-Pass auf links zu Scherhant und dessen Hereingabe zu Mittelstürmer Burkardt entstand die Führung (32.) – denkste! Beim VAR-Check wurde ein – unabsichtliches - Handspiel von Bischof im Mittelkreis geahndet. Und so hatte Klopp die gesamte DFB-Bank umsonst abgeklatscht.

In Halbzeit zwei wurde es intensiver, nickliger und die "Hel-las"-Rufe kraftvoller. In der Hafenstadt am Thermaischen Golf der Ägäis sind nachts gefühlt mehr Menschen unterwegs als tagsüber unter der noch immer heißen Oktobersonne. Nach feiner Passkombination verzog Scherhant mit links (65.). Vermisste eigentlich jemand Kimmich? Seinen Ehrgeiz, seine Chip-Bälle in die Spitze? Seine Führungsqualitäten hätte dem Spitz-auf-Knopf-Spiel wohl gutgetan. Ein wenig Rehabilitation für den Tribünengast vom Serbien-Spiel, der neben Schlagerbarde Heino verbracht hatte.

DFB-Team trifft sich Mitte November wieder

Ein Loblied auf das DFB-Team fiel in Halbzeit zwei, ab der 63. Minute mit Woltemade und El Mala, schwieriger. Diesmal kamen keine Debütanten rein. Baur und Conté durften erneut rein, brachte aber außer einer Chance von Treu (86./Direktabnahme drüber) nichts mehr ein. Mitte November trifft sich das DFB-Team wieder. Es geht zum Auswärtsspiel nach Serbien und in Berlin gegen die Niederlande. Wird spannend, welche Spieler des 43er-Kaders dieser Abstellungsperiode dann durchs Klopp-Sieb gefallen sind – und wer wiederkommen darf. 

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