Schweiz verspielt möglichen Sieg gegen Wales

Das hatte sich die Schweiz anders vorgestellt. Gegen Wales reicht es im ersten EM-Gruppenspiel nur zu einem Remis. Nun wartet der überzeugende EM-Auftaktsieger Italien auf die Eidgenossen.
| Von Thomas Eßer und Eric Dobias, dpa
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Der Schweizer Kevin Mbabu (r) blockt eine Flanke des Walisers Aaron Ramse.
Der Schweizer Kevin Mbabu (r) blockt eine Flanke des Walisers Aaron Ramse. © Jean-Christophe Bott/Keystone/dpa
Baku

Die enttäuschten Schweizer waren mit hängenden Köpfen längst vom Platz gegangen, als sich die Waliser um ihren Star Gareth Bale in einem Jubelkreis mit einem lauten "Come on" auf die nächsten Turnieraufgaben einstimmten.

Das 1:1 (1:0) in Baku fühlte sich für die Eidgenossen wie eine Niederlage an. Trotz deutlicher Überlegenheit und klarer Chancenvorteile verspielte das Team von Trainer Vladimir Petkovic im Duell mit dem Halbfinalisten von 2016 einen Topstart in die Fußball-Europameisterschaft und steht im zweiten Gruppenspiel gegen Auftaktsieger Italien am kommenden Mittwoch bereits unter Druck. "Wir probieren, uns so schnell wie möglich zu erholen und konzentrieren uns auf das nächste Spiel", sagte Petkovic.

Kieffer Moore rettete den erst in der Schlussphase aufkommenden Walisern mit seinem Ausgleichstor in der 74. Minute einen glücklichen Punkt. "Ich denke, wir haben viel Charakter gezeigt und hart gearbeitet", sagte Bale. "Ich bin stolz auf die Jungs."

Schweiz weitgehend dominant

Zuvor hatte Breel Embolo (49.) die über weite Strecken der Partie dominierenden Schweizer in Führung geköpft. "Es ist hart für uns. Wir haben zwei Punkte verloren", resümierte der Stürmer vom Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und forderte mit Blick auf den weiteren Endrundenverlauf: "Wir müssen im letzten Teil des Spielfeldes konsequenter sein und uns in den kleinen Dingen verbessern."

Fünf Minuten vor Ultimo fühlten sich die Schweizer kurz als Sieger, als der eingewechselte Mario Gavranovic mit seiner ersten Ballberührung traf. Der Schütze stand beim Abschluss jedoch knapp im Abseits, weshalb der Treffer nach Videobeweis keine Anerkennung fand. In der 90. Minute scheiterte der stark agierende Embolo mit einem Kopfball am starken Wales-Keeper Danny Ward.

Bei sommerlichen Temperaturen bemühten sich beide Teams von Beginn an um offensive Akzente, scheuten dabei aber zunächst das große Risiko. Die erste Chance gehörte den Walisern, die bei ihrer EM-Premiere 2016 überraschend das Halbfinale erreicht hatten. Nach einer Flanke von Daniel James kam der bullige Moore vom englischen Zweitligisten Cardiff City frei zum Kopfball, scheiterte aber am glänzend reagierenden Yann Sommer im Schweizer Tor.

Wales steht defensiv gut

Die Eidgenossen hatten zwar etwas mehr Spielanteile, taten sich gegen die gut gestaffelte Defensive der Insel-Kicker aber schwer. Die erste Chance gab es fast zwangsläufig durch eine Standardsituation. Eine Ecke verlängerte Innenverteidiger Fabian Schär gekonnt mit der Hacke, doch Ward rettete mit einer starken Fußparade.

In der Folge wurden die Schweizer dominanter und verzeichneten durch den Ex-Frankfurter Haris Seferovic eine weitere Gelegenheit. Der Stürmer von Benfica Lissabon verfehlte mit seinem Schuss aber knapp das Ziel. Kurz vor der Pause tauchte Seferovic frei vor dem Tor auf, konnte die Vorarbeit von Embolo aber nicht verwerten.

Dazwischen gab es viel Leerlauf. Die tiefstehenden Waliser, bei denen Trainer Ryan Giggs wegen eines anstehenden Gerichtsprozesses die EM nur aus der Ferne verfolgen kann, boten kaum Räume und suchten selbst nur noch sporadisch den Weg nach vorne. Den Schweizern fehlte es an Ideen und der nötigen Präzision.

Embolo trifft per Kopf

Nach dem Wechsel legten die Schweizer einen furiosen Start hin. Zunächst scheiterte Embolo nach einem Klasse-Solo am erneut stark reagierenden Ward. Doch der 24-Jährige erhielt umgehend eine zweite Chance, die er nutzte, als er den anschließenden Eckball per Kopf im Netz versenkte. Die Führung verlieh dem überlegenen Team von Trainer Petkovic noch mehr Selbstvertrauen. Der Wolfsburger Kevin Mbabu hätte schnell den zweiten Treffer nachlegen können, verzog aber aus verheißungsvoller Position.

Erst nach einer Stunde meldet sich die Waliser in der Offensive zurück. Ein Schuss von Abwehrspieler Ben Davies wurde jedoch noch leicht abgefälscht und verfehlte dadurch knapp das Tor. Auf der Gegenseite verpasste Embolo mit einem Schlenzer um wenige Zentimeter seinen zweiten Treffer.

Insgesamt erlahmte der Schwung der Eidgenossen, die sich aus unerklärlichen Gründen weit zurückzogen und dem Gegner die Initiative überließen. Das sollte sich rächen. Im Anschluss an eine Ecke kam Moore frei zum Kopfball und ließ Sommer keine Chance. "Wir können stolz auf den Punkt sein. Darauf können wir aufbauen", sagte Mittelfeldspieler Aaron Ramsey mit Blick auf das zweite Gruppenspiel gegen die Türkei.

© dpa-infocom, dpa:210612-99-966126/4

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