Schalker Sinnkrise in Düsseldorf

Euphorische Düsseldorfer sorgen für Schalker Sinnkrise – Fortuna dreht scheinbar aussichtsloses Spiel noch in ein 2:2 – S04-Trainer Stevens „fassungslos“  
| dapd
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Euphorische Düsseldorfer sorgen für Schalker Sinnkrise – Fortuna dreht scheinbar aussichtsloses Spiel noch in ein 2:2 – S04-Trainer Stevens „fassungslos“

Düsseldorf - Nach 90 Minuten höchster Erregung und extremer Spannung sangen die Zuschauer im ausverkauften Stadion inbrünstig. „Tage wie diese“ von den Toten Hosen ertönte aus den Lautsprecherboxen. Mit dem 2:2 (0:2) zwischen Fortuna Düsseldorf und Schalke 04 war ein unerhört intensives Spiel mit faszinierender Dramaturgie zu Ende gegangen. Die Arena, die erstmals nach dem Bundesliga-Aufstieg mit 54.000 Zuschauern ausverkauft war, schien mit den Chor aus zehntausenden Kehlen förmlich zu erbeben. „Das ist unfassbar“, sagte Düsseldorfs Torwart Fabian Giefer und blickte die steilen Ränge hinauf, wo die rot-weißen Fortuna-Fahnen geschwenkt wurden.

„Die Leute peitschen einen nach vorne, das ist unglaublich. Im Moment ist uns das Glück hold“, sagte Mittelfeldspieler Oliver Fink. Die Fortuna hatte am sechsten Spieltag der Fußball-Bundesliga die ersten Gegentore kassiert, zur Halbzeit stand es 2:0 für die souverän auftrumpfenden Gelsenkirchener nach Treffern von Klaas-Jan Huntelaar (13.) und Joel Matip (20.). Aber dann, angetrieben von den Fans, geschah, nicht nur aus Sicht der Schalker, etwas Unerwartetes. Die Fortuna erzielte ihre erste Bundesliga-Tore in Düsseldorf seit 1997 und drehte eine verloren geglaubte Partie.

Dani Schahin, ein in der vorigen Saison in Fürth nur als Ersatzmann benötigter Profi, erzielte wie am ersten Spieltag zwei Tore (48., 77.). Diesmal aber nicht wie in Augsburg gegen einen Abstiegskandidaten, sondern gegen ein Team, das in der Champions League spielt. Das Stadion wurde „zum Hexenkessel“, wie Düsseldorfs Trainer Norbert Meier fand. „Das war ein Spiel mit Gänsehaut. Selbst nach dem 0:2 haben uns die Fans angefeuert, das war ein wunderschönes Gefühl“, sagte Andreas Lambertz, der in Düsseldorf nur „Lumpi“ genannt wird. Seit zehn Jahren spielt er in der Mannschaft und hat alles mitgemacht, inklusive des Abstiegs in die vierte Liga.

Fortuna-Fans mit südländischer Begeisterung als 13. Mann

Schahin, gezeichnet mit einem geschwollenen Auge von einem Zweikampf mit Matip, war noch etwas euphorischer als die anderen Spieler des Gastgebers: „Es ist ein Traum für mich, dass ich Bundesliga spiele und zu den besten Torschützen gehöre.“ Auch der Stürmer sprach die Atmosphäre an mit einem Publikum, das die Mannschaft mit fast südländischer Begeisterung zu Erfolgen trägt, wie es schon in der Relegation gegen Hertha BSC deutlich wurde. „Die Fans waren unser der 13. Mann. Dass das Stadion bebte, hat Schalke vielleicht eingeschüchtert“, sagte Schahin.

Die Punkteteilung zwischen dem spielerisch überlegenen Bundesliga-Dritten und dem Zweitliga-Dritten der Vorsaison hinterließ total kontroverse Reaktionen. „Das fühlt sich wie ein Sieg an“, jubelte Giefer. Das 2:2 sei noch schlimmer „als eine gefühlte Niederlage“, resümierte dagegen Schalke-Manager Horst Heldt. Trainer Huub Stevens zeigte sich so verärgert wie noch nie seit seiner Rückkehr zu den Königsblauen vor zwölf Monaten. „Ich bin fassungslos, wie wir nach der Pause aufgetreten sind“, sagte der Niederländer. Er wolle nicht viel sagen, die Spieler sollten ihren Leistungsabfall selbst erklären, ergänzte Stevens, aber diese fanden keine richtige Begründung. „Wir grübeln alle noch, was passiert ist“, sagte Jermaine Jones kleinlaut.

 

Die Fortuna löste bei den Schalkern eine Sinnkrise vor dem Champions-League-Gastspiel des französischen Meisters Montpellier am Mittwoch aus. Heldt wurde geheimnisvoll. Die fußballerischen Ursachen und die Spielanalyse seien unwichtig, sagte er. „Mir gehen andere Dinge durch den Kopf, die mich sprachlos machen.“ Alle Schalker, der Busfahrer und er selbst eingeschlossen, hätten in der zweiten Halbzeit „keinen guten Job“ gemacht. Schon vor einer Woche, nach dem 0:2 gegen die Bayern, trieb die Verantwortlichen die Frage um, wieso die talentierte Mannschaft plötzlich so fade, kraftlos, mutlos agieren kann. Fehlt den vielen jungen Spielern der abgewanderte Raul? Der Spanier wurde immer gelobt für seinen vorbildlichen Einsatz und seine Furchtlosigkeit.



 

 

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