Interview

Paraguay-Legende Santa Cruz: "Wir haben einige Sorgen und Probleme"

Vor dem Sechzehntelfinale gegen Deutschland spricht Paraguays Stürmer-Legende Roque Santa Cruz im AZ-Interview über die stärken der Nationalmannschaft, den Faktor Physis und die Chancen aufs Weiterkommen.
von  Patrick Strasser
Stürmer-Legende von Paraguay und auch beim FC Bayern noch immer gern gesehen: Roque Santa Cruz
Stürmer-Legende von Paraguay und auch beim FC Bayern noch immer gern gesehen: Roque Santa Cruz © IMAGO/Moritz Mueller

Auf welche Spieler Paraguays muss Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Mannschaft ganz besonders einstellen?
ROQUE SANTA CRUZ: Unsere Besten sind Diego Gómez, ein zentraler Mittelfeldspieler, der in der Premier League bei Brighton spielt, und im offensiven Mittelfeld Julio Enciso von Racing Straßburg - früher auch in Brighton. Sie haben bei europäischen Vereinen Erfahrungen gesammelt. Enciso ist unser gefährlichster Mann im Spiel nach vorne und der Einzige, der gerne in Eins-gegen-Eins-Duelle geht. Wir setzen auf Enciso, dass er möglichst viele gefährliche Situationen kreiert. Als Rechtsaußen macht Miguel Almirón viel Dampf nach vorne. Unser Prunkstück aber ist die Abwehr, unsere Stärken liegen eindeutig in der Defensive.

Zu sehen in den letzten beiden Gruppenspielen. Erst das überraschende 1:0 gegen die Türkei, danach das 0:0 gegen Australien, das das Weiterkommen gesichert hat.
Einige Defensivspieler spielen schon lange für unsere Nationalmannschaft, haben viel Erfahrung – etwa die Innenverteidiger Júnior Alonso und Gustavo Gómez, unser Kapitän – beide sind aber auch schon 33. Unser Abwehrchef heißt Omar Alderete, er ist wohl der bekannteste Paraguayer in Europa. Er war schon bei Hertha BSC, nur ein halbes Jahr, es lief nicht so gut. In der vergangenen Saison hat er zum Erfolg des AFC Sunderland (man qualifizierte sich für die Europa League, d.Red.) beigetragen. Alderete hat eine gute Ausstrahlung, ist sehr stabil.

Paraguays Abwehrchef Omar Alderete.
Paraguays Abwehrchef Omar Alderete. © IMAGO/Kai River Kanzer

Santa Cruz hebt Paraguays Zweikampfstärke hervor

Wenn man Ecuador, das die deutsche Mannschaft im dritten Vorrundenspiel mit 2:1 besiegen konnte, und Paraguay vergleicht – wer ist stärker?
Man kann nicht behaupten, dass wir momentan auf demselben Level wie Ecuador sind. Obwohl Ecuador in den ersten beiden Partien auch nur defensiv gespielt hat. Paraguay spielt aktuell nicht den besten Fußball, wir haben einige Sorgen und Probleme. Allerdings sind wir besonders stark, was die Physis unserer Spieler betrifft, vor allem in den Zweikämpfen.

Und gerade in Sachen Körperlichkeit hatte das DFB-Team gegen die Elfenbeinküste und Ecuador Probleme.
Unsere Aufgabe wird es sein, die Deutschen vor allem im Zentrum unter Druck zu setzen und aggressiv gegen den Ball zu arbeiten.

Welche sind die Schwächen des Teams von Trainer Gustavo Alfaro?
Wir haben bei dieser WM bisher viel zu defensiv agiert. Und wenn wir dann – wie beim 1:4 gegen die USA in unserem Auftaktspiel - ein frühes Tor kassieren, geraten wir zu sehr unter Druck und haben nicht die richtigen Antworten. Dann lassen wir zu viele Chancen des Gegners zu. Wir sollten uns offensiv mehr zutrauen, diese deutsche Mannschaft ist verwundbar in der Defensive.

Wagen Sie eine Prognose?
Das Spiel könnte ähnlich laufen für die deutsche Mannschaft wie gegen Ecuador. Natürlich sind sie nun in der K.o.-Runde fokussierter und konzentrierter, lassen es sicher nicht locker angehen. Die zwei Spiele zwischen Deutschland und Paraguay, ich durfte beide bestreiten (ein 1:0 bei der WM 2002 und ein 3:3 in einem Testspiel 2013, d.Red.), waren sehr eng. Aber es ist ein Spiel, ein K.o.-Spiel. Da kann alles passieren. Natürlich hat Deutschland die bessere Mannschaft, die besseren Einzelspieler. Aber wir haben Hoffnung und viel Leidenschaft.

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