Norwegen im Rausch: Haaland knipst und rudert

Stürmerstar Erling Haaland führt die Norweger ins Sechzehntelfinale. Gelingt nun noch der Gruppensieg? Die Skandinavier sind vor dem Duell mit Titelanwärter Frankreich in Jubelstimmung.
Christoph Lother und Florian Lütticke, dpa |
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Vorzeitig im Sechzehntelfinale: Erling Haaland (r.) und seine Norweger.
Vorzeitig im Sechzehntelfinale: Erling Haaland (r.) und seine Norweger. © Tom Weller/dpa

Erling Haaland ruderte und ruderte. Nach seiner nächsten Torgala bei der Fußball-WM genoss Norwegens Stürmerstar den Jubel mit den Fans. Ganz vorn saß er, als sich die Mannschaft vor den Anhängern auf den Rasen setzte - Trainer Stale Solbakken direkt hinter ihm. Und dann wurde gemeinsam gerudert: auf dem Platz und auf den Rängen.

Es sei "der perfekte Moment" dafür gewesen, meinte Haaland nach dem 3:2 (1:0) gegen Senegal. Vor dem Spiel habe er sich mit Kapitän Martin Ödegaard abgesprochen, verriet er: Wenn sie gewinnen sollten, würden sie das mit der Rudel-Ruderei durchziehen. Gesagt, getan. Die Norweger sind voll im Flow.

Haalands überraschende Prognose

Den Einzug in die K.-o.-Runde haben sie nach dem nächsten "unglaublichen Abend", wie Haaland es formulierte, bereits sicher. Auch dank des Torjägers, der wie schon beim 4:1 zum Auftakt gegen den Irak doppelt traf - und im zwölften Pflichtspiel mit der Nationalmannschaft in Serie. Was für Quoten.

Bezwingen die Norweger nun auch noch Frankreich, schließen sie die Vorrunde als Gruppenerster ab. In dem Duell am Freitag geht es auch um einen möglichen Achtelfinal-Gegner der deutschen Mannschaft. Gelingt Solbakkens Team, ohnehin ein Geheimfavorit bei dieser WM, der nächste Coup? 

Norwegens Fans zeigten erneut ihre Ruder-Choreografie.
Norwegens Fans zeigten erneut ihre Ruder-Choreografie. © Tom Weller/dpa

"Wahrscheinlich gewinnen sie gegen uns. Wahrscheinlich gewinnen sie das ganze Turnier", sagte Haaland etwas überraschend über die Franzosen. Einfach eine ehrliche Einschätzung? Oder Understatement? In dieser Form müssen sich die Norweger auch vor dem zweimaligen Weltmeister erst mal nicht verstecken.

Royaler Besuch und ein verliebter Trainer

Vor allem Haaland nicht. Bei 59 Toren in 52 Länderspielen steht der frühere Dortmunder nun schon. Gegen Senegal war er eine halbe Stunde lang kaum zu sehen, rückte dann aber wieder voll in den Fokus - und das mehrfach. Die erste Großchance setzte er aus kurzer Distanz - und recht spitzem Winkel - noch an den Pfosten. Später schlug er dann zweimal zu: erst nach feinem Zuspiel von Ödegaard, zehn Minuten später mit Hilfe der Unterkante der Latte.

Dortmunds Ryerson verletzt sich

Er sei "super stolz" auf diese Mannschaft, sagte der Stürmer von Manchester City. Norwegens Erbprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, die in East Rutherford auf der Tribüne mitfieberten, dürfte es nicht anders gehen.

Vier Tore in zwei WM-Spielen: Erling Haaland ist in Topform.
Vier Tore in zwei WM-Spielen: Erling Haaland ist in Topform. © Tom Weller/dpa

Und Trainer Solbakken schon gar nicht. Nach dem Abpfiff war der frühere Coach des 1. FC Köln direkt zu seiner Frau gestürmt, hatte sie in den Arm genommen und geküsst. "Pure Liebe" sei das, erklärte der 58-Jährige.

Senegal droht nach der zweiten Niederlage das frühe Aus 

Und die Fans? Die sind ohnehin stolz auf ihr Team. Bislang sammeln sie bei dieser WM genauso Sympathien wie ihre Mannschaft Punkte. "Fantastisch" seien diese Anhänger, sagte Solbakken. Dieses Rudern mache schon Spaß.

Getrübt wurde die Freude der Norweger lediglich durch den Ausfall von Julian Ryerson. Nur wenige Tage nach dem verletzungsbedingten WM-Aus seines deutschen Clubkollegen Nico Schlotterbeck musste auch Norwegens BVB-Profi angeschlagen raus. Der 28-Jährige verfolgte die Partie später mit einem dicken Eisbeutel auf dem Oberschenkel von der Seitenlinie aus. Ersetzt worden war er durch Marcus Pedersen, den Torschützen zum 1:0.

Senegal indes droht nach der zweiten Niederlage das frühe Aus. Ismaila Sarr traf doppelt für die Westafrikaner, die wie schon beim 1:3 gegen Frankreich am Ende ohne Zähler dastanden. Dass der Regen nach der Partie wieder deutlich stärker wurde, passte zu ihrer Stimmung. Und zur Ruderei der Norweger.

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