"Nicht zur Gewohnheit werden lassen": Bundestrainer Klopp droht in München historischer Negativrekord
Was Jürgen Klopp gerne macht in seiner für ihn typischen Rhetorik: Einen Fakt wie die 0:1-Niederlage gegen Griechenland mit einem lockeren Spruch zu verbinden. "Wir haben ein Spiel verloren", sagte er in Augsburg und fügte zwei Plattitüden an. Erstens: "Das sollten wir nicht zur Gewohnheit werden lassen." Und zweitens: "Es ist nicht das erste, das ich verloren habe." Als Zuhörer nickt man und schmunzelt wenig später bei: "Es wäre extrem lässig, wenn es das letzte gewesen wäre. Da bin ich mir aber auch nicht so sicher."
Klopp droht historischer Negativrekord
Schon wirkt die Pleite gegen den 41. der Fifa-Weltrangliste, der nicht bei der XXL-WM dabei war, weniger dramatisch. Am Donnerstag geht es in München (20.45 Uhr, ZDF) gegen den 43. der Fifa-Weltrangliste – gegen Serbien. Auch nur ein Zuschauer des Turniers im Sommer und mit zwei Heim-Pleiten in die Nations-League-Gruppenphase gestartet, gegen Griechenland und die Niederlande.
Dabei droht Klopp ein historischer Negativrekord. Gelingt dem neu zusammengestellten DFB-Team in der Allianz Arena wieder kein Sieg, wäre der 59-Jährige der erste Nationaltrainer, der keine seiner ersten drei Partien in Amt und Würden gewinnt. Ob er dann noch solche Dinge sagt? Er sei in dieser Phase "komplett frei" von den Ergebnissen. Denn: "solange du die richtigen Schlüsse daraus ziehst, ist eine Niederlage am Ende auch nur eine Information wie ein Sieg." Ein deutlicher Stimmungsdämpfer war sie schon, die erste Pleite der Länderspielhistorie gegen Griechenland.

Klopp: "Es gab in der Woche nur positive Nachrichten"
Über Kader eins sagte der ehemalige Meistermacher von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool: "Es gab in der Woche nur positive Nachrichten. Das gerät natürlich nicht in Vergessenheit – um Himmels Willen!" Was er meint: Die Atmosphäre des Kennenlernens, das Annehmen der veränderten Trainingsinhalte und neuen taktischen Vorgaben. Und das Verarbeiten von Enttäuschungen wie in Augsburg. Klopp: "Zu einer Entwicklung gehört dazu, dass man Dinge, die nicht funktionieren - und das ist im Fußball das Ergebnis - dann auch spürt." Nicht nur in der Kabine.
Denn die beiden Niederlagen könnten für den DFB böse Auswirkungen haben. Nur der Gruppenerste oder -zweite (und hier ist Griechenland mit sechs Punkten in der Pole Position, die auf dem Papier stärkeren Niederlande haben bereits vier Zähler) zieht ins Viertelfinale der Nations League ein (Hin- und Rückspiel im März 2027). Die vier Gewinner qualifizieren sich für das Final Four im Juni.

Nagelsmann wollte in Nations League Ergebnisse sehen
Bei dieser Mini-Endrunde um ein Titelchen war das DFB-Team dank zweier aufregender wie unterhaltsamer Vergleiche mit Italien (2:1, 3:3) erstmals im Juni 2025 dabei und konnte sich mit Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) messen. Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann schätzte diesen Wettbewerb, wollte nicht nur Erlebnisse, sondern auch Ergebnisse sehen – um daraus Selbstvertrauen für große Turniere zu ziehen. Vorbild ist hier Spanien, das die Nations League 2023 gewann, danach Europameister (2024) und Weltmeister (2026) wurde.
Als Gruppendritter bzw. -vierter droht dem DFB-Team der direkte Abstieg aus der A-Liga (als einer der zwei schlechteren der vier Gruppenvierten) oder zumindest Relegationsspiele im März gegen einen Zweiten aus der Liga B (als einer der schlechteren beiden Gruppendritten sowie einer der besseren beiden Gruppenvierten). Kompliziert aber folgenreich: Unattraktivere Spiele gegen kleinere Nationen mit minderem Prestige, geringerem Wert für die Sponsoren sowie Learning-Effekt im Klopp'schen Neuaufbau.
Auslosung am 6. Dezember
Dazu kommt: Von den 16 Liga-A-Teams kommen nur die zwölf besten bei der EM-Quali-Auslosung am 6. Dezember in Topf eins. Dann droht eine schwierige Gruppe. Daher: Lieber lernen oder punkten? Als Vereinstrainer habe er die Nations League „nicht so dolle gefunden“, bestätigte Klopp frühere Aussagen und wandte folgenden Rhetorik-Kniff an: "Es gibt vieles in meinem Leben, was ich mal gesagt habe." Nun sei er "froh um diese Spiele". Im Idealfall sollte man sie sogar gewinnen.