Nagelsmann und seine Undav-Entscheidung: "Wir werden beides diskutieren, auch mit Deniz"

Deniz Undav glänzt erneut als Joker für die DFB-Elf und ist mit zwei Treffern beim 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste der Spieler des Spiels. Steht er nun gegen Ecuador in der Startelf?
von  Patrick Strasser
Julian Nagelsmann und Deniz Undav.
Julian Nagelsmann und Deniz Undav. © IMAGO/Bahho Kara

Da stand er, der Mann des Tages, in seinem grünen Retro-Trainingsanzug. Am linken Handgelenk eine golden-blitzende Uhr, in der rechten Hand die silberne Trophäe für den "Player of the Match". Deniz Undav war auf das Podium mit dem Mikrofon der Interview-Zone im Bauch des Toronto Stadiums gebeten worden und versuchte, möglichst lässig mit seinen überbordenden Emotionen umzugehen.

Zwei Tore als Joker zum 2:1 gegen die Elfenbeinküste. Spiel gedreht, Matchwinner. "Ich freue mich übertrieben. Wir haben gewonnen, drei Punkte gemacht. Ich habe zwei Tore gemacht", fasste der 29-Jährige in seiner typischen Art zusammen. Kurze Drehungen, kurze Sätze. Dabei hatte der VfB-Stürmer erstmal gelitten nach dem Siegtreffer in der Nachspielzeit. "Ich hatte Schmerzen am Zeh. Die haben beim Jubeln auf meinen Zeh getreten", meinte Undav schmunzelnd und sagte: "Ich musste erst kurz klarkommen und was trinken." Eine Trinkpause - mal anders.

Undav: Neun Tore in elf Länderspielen

Deniz Undav, das Phänomen, hat wieder zugeschlagen. Zweites WM-Spiel, drittes (Joker-)Tor. Neun Tore in elf Länderspielen insgesamt. Ein Märchen. "Heute wurden die Räume ein bisschen größer, da hat er einfach ein super Gen", meinte Julian Nagelsmann glücklich – über seinen Riecher, sprich die Einwechslung und die Ausbeute des Super-Jokers. Der Bundestrainer weiter: "Er ist einfach ein Vollblut-Stürmer. Ein Stürmertyp, der einfach weiß, wo das Tor steht. Gerade beim zweiten Tor, wie er sich im Rücken vom Verteidiger wegschleicht. Dann ist es auch eine Top-Flanke von Nadiem (Amiri, d.Red), die ist schon außergewöhnlich." Auch der Mainzer Mittelfeldspieler war – wie Jamie Leweling und eben Undav – in der 60. Minute eingewechselt worden. Nagelsmanns Näschen funktionierte.

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Obwohl: Der 38-Jährige hatte die erneute Einwechslung seines 12. Mannes (Undav ist von allen Ersatzspielern am nächsten dran an der Startelf) bereits vor dem Anpfiff in Toronto angekündigt. Auf diesen so unorthodoxen wie unberechenbaren Stürmer, der in der Mannschaft als Spaßvogel und Dauerplauderer unheimlich beliebt ist, kann der Bundestrainer nicht verzichten. Er haut die Dinger schnörkellos rein wie seine Antworten am Mikrofon raus. "Für mich war klar: Den ersten Ball, den ich bekomme, muss ich direkt nutzen. Das habe ich getan", sagte Undav bei MagentaTV. Im ZDF-Interview gab er die Parole für sich und seine Mannschaft aus: "Jetzt einfach den Flow mitnehmen." Aber wie? Anfangen oder nicht, in der Startelf sein oder nicht? Das ist hier die Frage.

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Darf Undav gegen Ecuador endlich starten?

Nagelsmann wirkte direkt nach dem Spiel in der Causa Undav noch unentschieden: "Man kann immer alles diskutieren. Es gibt verschiedene Ansätze", begann der Bundestrainer und dachte laut nach: "Warum sollte ich seinen Flow jetzt brechen? Er ist superschlau in der Bewegung. Vor dem zweiten Tor hatte er einen Sensationskontakt. Viel besser kann er seine Rolle nicht ausfüllen." Also: Drittes Spiel, drittes Mal Joker? "Man kann aber auch sagen, er soll von Beginn an spielen. Wir werden beides diskutieren, auch mit Deniz. Tief im Herzen ist er zufrieden, wie es gerade läuft." Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft im Leben, in der Mitte: Einerseits ja, andererseits nein.

Jedoch könnte Undav mit einem Einsatz von Beginn an im dritten WM-Gruppenspiel am Donnerstag gegen Ecuador – vor allem, wenn dieser dann torlos bleibt – der Schwung genommen werden. Alles andere als ein Startelfeinsatz mit Tor wäre ein Rückschritt.

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Undav hat in Stuttgart noch einen Vertrag bis 2029: Lukrative Angebote werden dennoch reinflattern

Daher sollte der Toptorjäger weiter der Top-Joker bleiben. Die Statistik spricht auch deutlich dafür: Fünf direkte Torbeteiligungen bei seinen ersten beiden WM-Einsätzen von der Bank aus – das haben vor ihm lediglich vier andere Spieler geschafft: Ungarns Laszlo Kiss im Jahr 1982, DFB-Weltmeister André Schürrle 2014 (jeweils drei Tore als Einwechselspieler) und Kameruns Legende Roger Milla 1990 mit vier Treffern.

Wohin denn diese Trophäe des besten Spielers der Partie nun kommen werde, wurde Undav beim Verlassen des Podiums noch gefragt. Während er den dunklen Vorhang zur Seite zog, murmelte schlagfertig Undav: "Zur Frau." Undav zieht schneller (ab) als sein Schatten. Beim VfB werden sie glücklich sein, dass man den Vertrag mit dem Publikumsliebling noch kurz vor der WM bis 2029 verlängert hat. Das würde jetzt teurer werden. Lukrative Angebote werden dennoch reinflattern.

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