Nach FIFA-Razzia: Das sind die beiden Festgenommenen

Zugriff im Morgengrauen: Die FIFA wird am Tag ihres vermeintlichen Neuanfangs erneut in ihren Grundfesten erschüttert. Zwei Funktionäre werden festgenommen.
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Lauter einer FIFA-Quelle sind das die beiden Festgenommenen: Alfredo Hawit (r.) und Juan Angel Napout.
dpa/AZ Lauter einer FIFA-Quelle sind das die beiden Festgenommenen: Alfredo Hawit (r.) und Juan Angel Napout.

Zürich - Am frühen Donnerstagmorgen nahmen die Schweizer Behörden in Zürich auf Antrag der US-Justiz zwei weitere "hochrangige" Funktionäre des Fußball-Weltverbandes fest - mutmaßlich zwei mächtige FIFA-Vizepräsidenten. Beide sitzen nun in Auslieferungshaft, es geht um organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Betrug.

"Die hochrangigen FIFA-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben", teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit: "Die Straftaten sind gemäß Verhaftsersuchen teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden."

Bei den Festgenommenen handelt es sich um Juan Angel Napout (Paraguay), Präsident des Kontinentalverbandes CONMEBOL (Südamerika), sowie um Alfredo Hawit (Honduras), Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), handeln. Beide sitzen als Vize im FIFA-Exekutivkomitee, das am Donnerstag eigentlich etliche Reformen für den Neuanfang beschließen wollte. Auf SID-Anfrage verweigerte das Bundesamt für Justiz eine Bestätigung der Namen "aus polizeitaktischen Gründen".

Lesen Sie hier: FIFA-Funktionäre in Zürich festgenommen

Die FIFA hielt zunächst auch an ihrer Agenda fest. "Wie geplant" begann die Sitzung um 9.00 Uhr, vor den Verhaftungen war für 14.30 Uhr eine Pressekonferenz angesetzt worden. Wegen der Exko-Sitzung waren erneut viele hochrangige Fußball-Funktionäre nach Zürich gereist.

"Das Bundesamt für Justiz wird im Verlauf des Tages eine weitere Medienmitteilung mit den Namen der festgenommenen Personen und den Ergebnissen der Anhörungen veröffentlichen", teilte die Behörde mit.

Die FIFA teilte zunächst nur mit, "Kenntnis von den heutigen Maßnahmen der US-Justizbehörden" genommen zu haben: "Die FIFA wird weiter in vollem Umfang mit den US-Ermittlern kooperieren sowie die von der Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft geleiteten Ermittlungen unterstützen. Die FIFA wird keine weitere Stellungnahme zu den heutigen Entwicklungen abgeben."

Laut New York Times sind die Einsatzkräfte um sechs Uhr am Luxus-Hotel Baur au Lac eingetroffen. Der suspendierte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (79), gegen den in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet worden war, gehöre nicht zu den Festgenommenen.

Lesen Sie hier: Fünf Jahre nach WM-Vergabe - Was geschah mit den Verantwortlichen?

Der Hotelmanager des Baur au Lac sprach laut NYT von einer "extremen Situation". Sowohl von der US- als auch von der Schweizer Justiz gab es am frühen Donnerstagmorgen zunächst keine Reaktion.

Bereits im Mai war der Weltverband auf ähnliche Weise erschüttert worden. Im Vorfeld des FIFA-Kongresses nahmen die Schweizer Behörden sieben teils hochrangige Funktionäre fest und stürzten die FIFA in die Krise. Auch damals war das Baur au Lac Ziel der Polizeiaktion. Die Bilder der unter Bettlaken abgeführten Funktionäre gingen um die Welt. Zu den Festgenommenen gehörte auch Jeffrey Webb (Kaimaninseln), der seiner Auslieferung in die USA zugestimmt hatte. Er war Hawits Vorgänger als CONCACAF-Boss.

Die US-Justiz ermittelt seit Monaten gegen Funktionäre der FIFA, es geht vor allem um Ungereimtheiten bei vergangenen Großereignissen. Über amerikanische Banken scheint im großen Stil Geld gewaschen worden zu sein, zudem geht es um Betrug beim Dealen mit Fernsehrechten. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt in einem weiteren Verfahren.

Die FIFA selbst griff zuletzt über ihre unabhängige Ethikkommission durch und sperrte etliche frühere Machthaber. Die Prominentesten: Blatter und Michel Platini (60), Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

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