Messis bittere Tränen: Das Ende scheint nahe
Vor der gewaltigen hellblau-weißen Wand konnte der entthronte Lionel Messi seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Argentiniens Superstar weinte nach dem verlorenen WM-Endspiel bitterlich - während die Fans ihn feierten. Es waren bewegende Szenen. Die eines Abschieds?
Ging hier eine der größten Nationalmannschaftskarrieren des Weltfußballs zu Ende? Vieles spricht dafür. Messi selbst verließ das Final-Stadion von East Rutherford nach der verdienten 0:1-Niederlage nach Verlängerung gegen den neuen Weltmeister Spanien wortlos. Um ihn herum begann aber schon der Abgesang auf den 39-Jährigen. Argentiniens Verband und dessen Präsident, Messis ältester Sohn Thiago - alle huldigten sie ihm. Auch Coach Lionel Scaloni.
Trainer bricht Pressekonferenz unter Tränen ab
"Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat", sagte der Trainer der Südamerikaner über den achtmaligen Weltfußballer. Alle seien stolz auf ihn. Er habe mit Messi aber nicht über dessen Zukunft gesprochen, erklärte der 48-Jährige. Wenig später brach er die Pressekonferenz selbst unter Tränen ab. Auf seinem Weg zum vor dem Stadion geparkten Mannschaftsbus hielt Scaloni noch mehrfach an - und wischte sich immer wieder über die glasigen Augen.

Der geplatzte Titel-Traum hat die Argentinier schwer getroffen. Besonders Messi, der sie überhaupt erst ins Finale geführt hatte. Es war vor allem das Verdienst des Ausnahmekönners, dass die Südamerikaner ihren Triumph von Katar vor vier Jahren fast wiederholt hätten. Nur ein Sieg fehlte ihnen, nachdem sie dem vorzeitigen Aus in der K.o.-Phase mehrfach knapp entgangen waren.
Das Finale zeigte aber auch, wie abhängig die Albiceleste von ihrem Topspieler ist. Es war geradezu erschreckend. Messi, der zuvor im Turnier acht Tore erzielt und vier weitere vorbereitet hatte, war gegen Spanien quasi kein Faktor - und Argentinien entsprechend chancenlos. "Der Gegner hat sehr gut gespielt", sagte Scaloni anerkennend über den klar dominierenden Europameister.
Zeitenwende? Yamals innige Umarmung mit Messi
Messis 207. Länderspiel war gerade beendet, da kam Spaniens Youngster Lamine Yamal auf den völlig desillusioniert auf dem Rasen sitzenden Kapitän der Argentinier zu. Messi erhob sich, es folgte eine lange Umarmung. Es wirkte, als überlasse der eine Weltstar die Bühne hiermit nun dem anderen.

Vor knapp 19 Jahren war ein legendäres Foto von Messi und Yamal entstanden - der eine schon Profi, der andere noch ein Baby. Gemeinsam an einer kleinen Badewanne. Nun, nach dem Duell im WM-Finale, also neue einprägsame Bilder. War das die Zeitenwende? Ist Messis Ära im Nationaltrikot vorbei? Während die von Yamal, der jetzt schon Welt- und Europameister ist, erst richtig losgeht?
Verbandspräsident Tapia: "Du bist ein Gigant"
"Es gibt keine Worte im Wörterbuch, die ausreichen würden, um dir für alles zu danken, was du uns gegeben hast, Kapitän", teilte Argentiniens Verbandschef Claudio Tapia an Messi gewandt über die sozialen Medien mit. "Danke für jede Freude, die du uns in die Seele geschrieben hast, für jede Träne des Stolzes und dafür, dass du unsere Flagge bis an die Spitze der Welt getragen hast. Du bist unsterblich, Leo. Du bist ein Gigant. Du hast unser Land zum glücklichsten der Welt gemacht. Danke für alles. Für immer einer von uns."
Auch Argentiniens Fußballverband dankte Messi noch mal gesondert für seinen Einsatz, für die "Magie" und "dafür, dass du bis zur allerletzten Sekunde alles gegeben hast". Thiago, der älteste von Messis drei Söhnen, schrieb seinem Vater via Instagram: "Wir lieben dich, Leo." Er sei der beste Spieler aller Zeiten.
Messi trat schon mal zurück - nach Pleite im Final-Stadion
In der Tat prägte Messi die vergangenen zwei Jahrzehnte wie kein anderer Fußballer - von seinem portugiesischen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo mal abgesehen. Der kleine Junge aus Rosario wurde zu einem der Allergrößten. Viele sagen: mit seinem WM-Triumph vor vier Jahren sogar größer als die 2020 gestorbene argentinische Fußball-Legende Diego Maradona.
Die Erfolge bei der Copa América 2021 und 2024 kommen auch noch dazu, von all den Titeln auf Clubebene - vor allem in den vielen Jahren beim FC Barcelona - mal ganz zu schweigen. Messi bestritt sechs Weltmeisterschaften und erzielte für die Nationalmannschaft 125 Tore. Waren die beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko seine letzten für die Albiceleste? Während der nächsten WM 2030 würde der Ballzauberer immerhin schon 43 Jahre alt.
2016 war Messi schon einmal aus dem Nationalteam zurückgetreten. Nach der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen im Finale der Copa América gegen Chile. In East Rutherford. Im Final-Stadion dieser WM. Damals war er nach wenigen Wochen schon wieder dabei. Diesmal könnte das anders sein. Messis Tränen sprachen Bände. Argentiniens Held überwältigt von der Liebe einer ganzen Nation. Vor der hellblau-weißen Wand. Das Ende scheint nahe.
