Marco Reus: Vom Pechvogel zum Türöffner

Marco Reus glänzt beim 2:0-Sieg der DFB-Elf gegen Georgien und ist nach der verpassten WM wichtig wie nie. „Er macht uns variabler und gefährlicher“
| me, kby
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Erzielte in den letzten beiden Spielen zwei Tore für die Nationalelf: BVB-Star Marco Reus.
dpa Erzielte in den letzten beiden Spielen zwei Tore für die Nationalelf: BVB-Star Marco Reus.

Tiflis - Der 13. Juli 2014, der Tag, an dem ganz Fußball-Deutschland nach dem 1:0 im Finale gänsehautisiert den WM-Triumph von Rio feiert. Die Spieler jubeln, schreien mit Freudentränen in den Augen. In diesem Moment des Endorphin-Rauschs hat einer den Fernseher schon ausgeschaltet. Einer, der nicht dabei sein kann, weil er sich im letzten Testspiel vor der WM verletzt hat, so schon vor Turnierbeginn zum WM-Pechvogel wurde, der dazu verdammt ist, den größten deutschen Fußball-Moment seit 1990 als Zuschauer daheim vor dem Fernseher zu verbringen: Marco Reus.

Dass Weltmeister-Torschütze Götze für das Siegerfoto im Maracanã-Stadion das Trikot seines Ex-BVB-Kollegen Reus mitgebracht hatte, sah Reus nicht mehr, das „habe ich erst am nächsten Morgen mitbekommen. Ich bin schlafen gegangen“, sagte er später. Reus war dank Götzes Aktion trotzdem irgendwie mit dabei. Gegen Georgien war er gar wieder mittendrin. Ein Tor, zwei Lattentreffer und jederzeit brandgefährlich – Reus tut dem Weltmeister gut. Auch Joachim Löw ist erleichtert, dass der Pechvogel des WM-Jahres im Nationaltrikot einen grandiosen Neustart feiern konnte. „Wir alle sind froh, dass Reus wieder zurück ist. Unser Spiel ist mit ihm variabler und gefährlicher“, sagte der Bundestrainer nach dem 2:0 in Tiflis bei den Georgiern.

Der 25-Jährige war der beste Mann auf dem Platz. Der verhinderte WM-Champion demonstrierte seine außergewöhnlichen Qualitäten und hätte sich mit noch mehr Toren belohnen müssen. „Wir haben unheimlich viele Torchancen herausgespielt, schon vor dem 1:0. Auch an meine Person denke ich da. Da kann man schon früher das 1:0 machen“, sagte Reus. Erst in der 39. Spielminute verwertete er seine dritte große Chance zum 1:0.

Reus bestätigte in dem EM-Qualifikationsspiel seinen Status als Mann für wichtige Treffer. Es war im 25. Länderspiel sein neuntes Tor, das siebte in einem Pflichtspiel und schon zum fünften Mal das richtungsweisende 1:0. Das Türöffner-Tor. Für das Spiel, aber auch die EM 2016 in Frankreich. „Wir hätten mehr Tore machen müssen, das ist das Einzige, was man negativ sehen kann“, resümierte Reus vor dem Heimflug.

„In der Offensive sind wir mit ihm noch mal schwieriger auszurechnen, weil er verschiedene Positionen spielen kann“, beschrieb Löw den Wert seines Stürmer-Stars. „Marco ist ein Spieler, der gerne in den Zwischenräumen agiert, der eine sehr gute offene Ballkontrolle hat und im Abschluss sehr gefährlich ist“, sagte Löw über den lange vom FC Bayern umworbenen Spieler. Im Januar hatte Trainer Pep Guardiola aber Abstand von Reus’ Verpflichtung genommen, weil dieser zu verletzungsanfällig sei.

Drei schwere Verletzungen am linken Fuß hatten bei Reus das Jahr 2014 negativ geprägt. Besonders bitter war die erste, einen Tag vor der Abreise zur WM nach Brasilien – Riss des Syndesmosebands im linken Sprunggelenk. Löw: „Marco hatte in den letzten Monaten wahnsinnig viel Pech. Er hat viel Kraft und Energie aufgewendet, um wieder fit zu werden.“ Das ist er jetzt wieder: Tor gegen Australien, Tor in Georgien – 2015 begann für ihn top. „Wir waren immer flexibel vorne, das hat ganz gut geklappt“, urteilte Reus.

Auffällig gut harmonierte er dabei mit Götze, seinem Kumpel aus gemeinsamen BVB-Zeiten. Der spielte ihn beim 1:0 frei. „durch die Mitte mit ein bisschen Glück. Da waren fünf, sechs Beine dazwischen, bis der Ball zu Marco gekommen ist“, schilderte Götze. Im Jubel waren Reus und Götze anschließend vereint. Nach dem Spiel trennten sich ihre Wege. Schon am Samstag werden sich die guten Freunde auf dem Platz wiedersehen – als Gegner beim Bundesliga-Hit Dortmund gegen Bayern.

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