Löws Internet-Knigge für die DFB-Elf

Der Bundestrainer hält wenig von Facebook und Twitter, erlaubt seinen Spielern aber die Nutzung sozialer Netzwerke.
| Filippo Cataldo
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Der Bundestrainer hält wenig von Facebook und Twitter, erlaubt seinen Spielern aber die Nutzung sozialer Netzwerke. Aber: „Kabine, Besprechungen, Taktik und Privatsphäre von Mitspielern sind tabu”

MÜNCHEN Verbote sind generell nicht die Sache von Joachim Löw. Der Bundestrainer möchte seine Spieler zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten erziehen, aber eine ernste Ermahnung, die muss auch Löw hin und wieder aussprechen. Der Badener macht sich Sorgen um das Kommunikationsverhalten seiner Kicker. Zu sorglos würden die nämlich mitunter in den sozialen Netzwerken im Internet, bei Facebook oder Twitter, Informationen preis geben. „Es ist für mich ganz und gar unverständlich, wie Menschen ihr Privatleben, bis hin zu wirklich vertraulichen, ja intimen Dingen, so wahllos mit Tausenden oder gar Millionen Menschen teilen”, sagte Löw dem „Zeit-Magazin”.

Doch natürlich ist auch Löw aufgefallen, dass ein Großteil seiner Spieler die sozialen Netzwerke nutzt, Mesut Özil etwa hat 5,2 Millionen Fans bei Facebook, Lars Bender, Sami Khedira, Per Mertesacker oder Andre Schürrle twittern regelmäßig. „Das ist eine andere Generation. Für sie ist es vollkommen normal, dass sie Bilder rausschicken, dass sie Dinge in die Öffentlichkeit geben, was sie empfinden oder was sie so tun”, sagte Löw. Es gefällt ihm nicht, aber er akzeptiert es – solange es in geregelten Bahnen abläuft.

Und so haben die Nationalspieler vor der EM in Polen und der Ukraine einen Facebook-und Twitter-Knigge erhalten von Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. „Die Kabine, der Inhalt der Teambesprechungen, Taktik, Verletzungen und so weiter sind tabu. Ebenso die Privatsphäre von Mitspielern und Betreuern”, so Löw. Bierhoff sprach von einem „Spagat”, der zu schaffen sei, zumal der Verband selbst via Facebook und Twitter mit dem Nationalteam aktiv ist: „Es geht nicht um eine Verneinung der Medien. Aber die Vertraulichkeit hat uns auch stark gemacht.” So war es bei Löw und Bierhoff gar nicht gut angekommen, als Andre Schürrle im November eigenmächtig seine Abreise aus dem DFB-Quartier vor dem Niederlande-Spiel öffentlich machte. „Kann heute Abend leider nicht spielen, wegen eines grippalen Infektes:(( sehr sehr schade, hatte mich schon richtig gefreut:( liebe grüße”, schrieb Schürrle bei Twitter. Löw hätte den Ausfall lieber bis abends geheim gehalten. Eine Strafe für Schürrle gab es damals nicht. Stattdessen stellten Löw und Bierhoff daraufhin einige Regeln auf.

Und damit sind sie in guter Gesellschaft. Vor allem Twitter, eine Art Nachrichtendienst im Internet, in dem jeder in so genannten Tweets – maximal 140 Zeichen langen Nachrichten – von seinem Leben erzählen kann, scheint den Verantwortlichen der Nationalmannschaften nicht ganz geheuer zu sein. Kaum ein Verband, der nicht strenge Twitter-Regeln aufgestellt hätte für seine Spieler. „Sie haben eine Pflicht zur Vertraulichkeit. Es ist eine Gefahr, sich über Twitter, Facebook oder Blogs zu verbreiten”, sagte etwa Frankreichs Nationalcoach Laurent Blanc dem „Journal du Dimanche”. Seine Spieler sollten „extrem Wachsam” sein. Aus der Équipe Tricolore twittert unter anderen Manchester Citys Samir Nasri, dem mehr als 820 000 Menschen folgen. Auch Englands Kapitän Steven Gerrard erzählte am Freitag, dass er und seine Mitspieler aufgefordert worden seien, beim Umgang mit sozialen Netzwerken vorsichtig zu sein.

Noch resoluter handhaben es die Dänen und die Spanier, die für die Dauer des Turniers ein absolutes Zwitscher-Verbot auferlegt bekommen haben. „Von heute an dürfen wir keine sozialen Netzwerke mehr nutzen. Ich hoffe, das nächste Bild, das ich euch schicke, wird eines mit dem EM-Pokal sein”, machte Spaniens Mittelfeldspieler Cesc Fabregas das Verbot publik – via Twitter. fil

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