Legende oder erster Abstiegs-Trainer? Slomka soll den HSV retten

Mirko Slomka soll den Hamburger SV vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahren – eine fast unlösbare Aufgabe.
| Ludwig Vaitl / Onlineredaktion
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Hamburg - 400 PS stark, rund 300 km/h schnell, von 0 auf 100 in unter fünf Sekunden – Mirko Slomka kann es mit seinem Porsche gar nicht rasant genug gehen. Und auch bei den Vertragsverhandlungen mit dem taumelnden Hamburger SV drückte der Trainer ordentlich aufs Tempo.

Am Samstagabend wurde Bert van Marwijk nach sieben Bundesliga-Pleiten entlassen, am Sonntagnachmittag war es nach Informationen der Bild-Zeitung perfekt: Slomka soll den HSV vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit retten – eine fast unlösbare Aufgabe. Zeit hat er nicht zu verschenken.

"Wir werden alles daransetzen, sehr zeitnah eine Lösung zu finden und werden diese dann auch zeitnah präsentieren", hatte Klub-Chef Carl Jarchow direkt nach der Entlassung von van Marwijk gesagt. Und Wort gehalten.

Namen wollte er zwar zunächst nicht kommentieren, aber Slomka galt schon zu diesem Zeitpunkt als Favorit für die undankbare Aufgabe. Der 46-Jährige soll schon am Montag um 15.00 Uhr in seine Mission "Klassenerhalt" starten und sein erstes Training in Hamburg leiten.

Auf Slomka wartet jede Menge Arbeit. Das hat die Mannschaft um Kapitän Rafael van der Vaart beim 2:4-Debakel beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig auf erschreckende Art bewiesen. Der Bundesliga-Dino präsentierte sich hilflos, mutlos und harmlos.

Nach nur 143 Tagen im Amt war van Marwijk an der Elbe krachend gescheitert. "Wir sahen uns zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, diese Entscheidung zu treffen, obwohl wir sie gleichwohl bedauern", sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Slomka ist nach van Marwijk und Thorsten Fink bereits der dritte HSV-Trainer der laufenden Saison. Auch das gab es, genau wie die historische Grusel-Serie, noch nicht in der einst ruhmreichen Vereinsgeschichte.

Slomka geht mit der Übernahme des Himmelfahrtskommando beim Tabellenvorletzten ein großes Risiko ein. Sein Name würde im schlimmsten Fall für immer mit dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte des HSV in Verbindung gebracht werden. Van Marwijk soll der Abschied aus Hamburg mit einer Abfindung von rund drei Millionen Euro versüßt werden.

Im Falle des Klassenerhalts würde dem Retter aber im Gegenzug wohl ein Denkmal gebaut und die Ehrenbürgerwürde angetragen. Dann stünde sein Name in einer Reihe mit Otto von Bismarck, Helmut Schmidt oder Uwe Seeler. Die kommenden Aufgaben haben es für Slomka und seine bisher nicht bundesligataugliche Mannschaft jedenfalls in sich: Nächste Woche kommt Borussia Dortmund nach Hamburg, danach geht es für den HSV zum Nordderby bei Werder Bremen.

Slomka hatte zuletzt Hannover 96 trainiert und den Klub 2011 in äußerst schwieriger Lage nach der Tragödie um den Selbstmord von Robert Enke vor dem Abstieg gerettet. Anschließend führte er die Niedersachsen zweimal in Serie in die Europa League. Nach einer enttäuschenden Vorrunde war der Familienvater kurz nach Weihnachten bei 96 entlassen worden.

Wie Slomka die Mammutaufgabe bewältigen will, ist noch unklar. Nach seinem Aus bei Schalke 04 im Jahr 2008 hatte der studierte Mathematik- und Sportlehrer Hannover mit einer unverwechselbaren Handschrift auf Erfolg getrimmt und das Image der Grauen Maus aufpoliert. Slomka ließ die Niedersachsen bedingungsloses Pressing spielen und setzte auf ein schnelles Konterspiel. Doch dafür fehlen ihm in Hamburg die Spieler. Der HSV steht mehr denn je vor dem Abgrund, aber Slomka könnte sich an der Elbe ganz schnell unsterblich machen.

 

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