Labbadia: "Das bringt einen enorm weiter"

Wie Cheftrainer Bruno Labbadia, einst Stürmer beim FC Bayern, seinen VfB Stuttgart vor dem Abstieg bewahrt hat. Das Südderby am Samstag sieht er als Charaktertest für seine Mannschaft
| Interview: Oliver Trust
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Wie Cheftrainer Bruno Labbadia, einst Stürmer beim FC Bayern, seinen VfB Stuttgart vor dem Abstieg bewahrt hat. Das Südderby am Samstag sieht er als Charaktertest für seine Mannschaft.

AZ: Welche Wünsche hat ein Trainer, der in zwei Spielen gegen den FC Bayern mit elf Gegentoren ordentlich die Bude voll gekriegt hat, denn diesmal, Herr Labbadia?
Das können Sie sich doch denken!

Helfen Sie uns bitte.
Weniger Gegentore und dass wir selbst wieder so viele schießen.

Das würde vor allem Bayer Leverkusen freuen. Können Sie denen versprechen, sich voll reinzuhängen? Es geht um die Champions-League-Qualifikation...
Ich verspreche nie jemandem etwas.

Das heißt, der VfB nimmt die Partie in München nicht mehr ganz so ernst?
Ihre Schlussfolgerungen entsprechen nicht meinen, das kann ich Ihnen versichern.

Und wie sehen Ihre aus?

Fest steht, von uns ist ein enormer Druck abgefallen. Uns ist nach der Rettung noch einmal bewusst geworden, wie dicht wir am Abgrund standen. Wir haben zwei, drei Tage durchgeatmet und es genossen, dass wir die enorme Nervenbelastung des Abstiegskampfes los sind. Und jetzt steht uns etwas Neues bevor.

Da sind wir jetzt gespannt...
Ich auch.

Und das bedeutet?
Bisher habe ich gesehen, wie gut die Mannschaft mit Druck umgeht. Ich habe noch nicht gesehen, wie sie mit Situationen umgeht, wo kein oder weniger Druck da ist.

Noch mal die Frage: Sie werden dagegenhalten?

Was denken Sie denn? Wir wissen, die Bayern wittern die Chance, doch noch Platz zwei zu erreichen. Und wir wissen, dass sie top motiviert sein werden. Aber auch wir wollen einen guten Abschluss der Saison. Wir sind derzeit die drittbeste Mannschaft der Rückrunde und haben Enormes geleistet. Da entsteht auch Selbstbewusstsein.

Das schien den Bayern lange zu fehlen. Mancher behauptet heute, man habe dort auf den falschen Trainer gesetzt.

Ich kann Ihnen sagen, dass der FC Bayern letztes Jahr sehr attraktiven Fußball gespielt hat und immer noch der mit Abstand beste Klub der Liga ist. Der Trainer – egal, wer es ist – steht dort extrem im Fokus.


Sie haben als Profi 82 Spiele für die Bayern gemacht. Was ist Ihnen denn in Erinnerung geblieben?
Ich fand es immer extrem motivierend, fast immer und überall diese besondere Konstellation zu haben: überall ausverkauft, jeder wollte uns schlagen und 50 Prozent waren extrem gegen uns und 50 Prozent extrem für uns. Daraus entsteht eine besondere Atmosphäre. Damals war der FC Bayern der einzige Verein, der immer damit umzugehen wusste.

Als Ex-Stürmer fällt Ihnen sicher auch etwas zu Mario Gomez ein?
Wie gut der ist, hat er jetzt auch in München allen gezeigt. Ich mag Spieler, die nicht aufgeben und sich durchbeißen. Er hat das eindrucksvoll vorgeführt. Seine Torquote ist überragend, aber sie hat mich nicht überrascht.

Als Sie den VfB im Winter übernommen haben, gab es wenig Hoffnung auf Rettung. Das war für Sie als Trainer, der mit Klubs wie Leverkusen und Hamburg in der Spitze mitgespielt hat, ein Risiko?
Das kann man so sehen. Es war aus einem bestimmten Grund eine der schwierigsten Aufgaben für mich als Trainer.

Der wäre?
Es war spannend, Dinge ganz anders machen zu müssen als vorher, als ich mit Leverkusen im Pokalfinale stand oder mit dem HSV im Halbfinale der Europa League
. Ich will diese Situation, wie ich sie beim VfB hatte, zwar nicht nochmal erleben, aber sie auch nicht missen. Ich kann Ihnen sagen, das bringt einen enorm weiter. Um die vorderen Plätze mitzuspielen, ist wie Kindergeburtstag dagegen. Aber wir hatten gute Voraussetzungen.

Gute Voraussetzungen? Auf einem Abstiegsrang?
Der Verein und allen voran Fredi Bobic
als Manager haben die Ruhe bewahrt. Das war neben allem anderem, was wir auf dem Trainingsplatz getan haben, sicher der Schlüssel zum Erfolg. Man denkt in manchen Momenten schon darüber nach, was löst das hier aus, wenn ein VfB Stuttgart sein neues schönes Stadion in der zweiten Liga einweihen muss – konzentriert sich dann aber voll und ganz darauf, dies zu verhindern.

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