Kritik am WM-Plan: Eberl sieht "kompletten Schwachsinn"

Die WM im Zweijahresrhythmus - kann das gutgehen? FIFA-Direktor Arsene Wenger und etliche Ex-Stars preisen die Idee und betonen die Vorteile. In der Bundesliga mehren sich die Kritiker.
| dpa
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Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hält eine WM alle zwei Jahre für "Schwachsinn".
Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hält eine WM alle zwei Jahre für "Schwachsinn". © Marius Becker/dpa
Berlin

Die Bundesliga ist dagegen. Nach der Ankündigung der FIFA-Berater, die Fußball-Weltmeisterschaften künftig alle zwei Jahre ausrichten zu wollen, reagieren Trainer und Club-Verantwortliche mit Kritik und Galgenhumor.

"Willst du gelten, mach dich selten", sagte Bayern-Chefcoach Julian Nagelsmann, verwies auf die ohnehin schon extreme Belastung der Nationalspieler und sprach zudem von "einer Abwertung der WM", wenn sie häufiger als alle vier Jahre stattfinden würde.

FIFA-Direktor Arsene Wenger hatte sich alle Mühe gegeben, das Belastungsargument zu entkräften. Nach der Vorstellung der Technischen Beratungsgruppe sollen für den zwei- statt vierjährigen WM-Rhythmus mindestens drei der bislang fünf Länderspielperioden im Jahr abgeschafft werden. Nach den Turnieren - in ungeraden Jahren würde unter anderem die EM gespielt - sollen zudem feste Ruhephasen von 25 Tagen eingepreist werden.

Steigende Belastung

Es bleibt mindestens die steigende Belastung durch mehr Highend-Spiele - für die Profis steht die Teilnahme an einer WM über allem. "Die Spieler sind schon belastet", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. "Es wird immer schwieriger, jeden Sommer ein Turnier, das ist nicht gut für die Körper." Zudem glaubt der Ungar nicht an altruistische Motive der FIFA, mehr Ländern öfter die Chance auf eine WM-Teilnahme einzuräumen. "Zum Schluss ist es immer das Geld. Wer will wie Geld machen?", sagte der 45-Jährige.

Beschließen kann die Änderung des Spielkalenders nach jetzigem Stand das FIFA-Council, jenes 37-köpfiges und von FIFA-Präsident Gianni Infantino angeführte Ratsgremium. Vertreten sind auch neun Mitglieder der massiv opponierenden Europäischen Fußball-Union UEFA, darunter DFB-Interimspräsident Peter Peters. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat in einem "Times"-Interview schon mit Boykott gedroht, der Deutsche Fußball-Bund möchte das Thema gerne in einer Präsidiumssitzung nochmals erörtert.

Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl erachtet die Idee als "kompletten Schwachsinn". Er halte "überhaupt nichts davon, in einer solchen Zeit solche Themen in dieser Form zu diskutieren", sagte Eberl. "Der Fußball ist schon sehr präsent, noch mehr Präsenz führt nicht zu noch mehr Interesse."

WM 2026 mit 48 Teams

Der aktuelle Terminkalender im internationalen Fußball gilt noch bis 2024, in Deutschland wird in jenem Jahr die EM gespielt. Nach der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit erstmals 48 statt 32 Teilnehmern sollen dem Plan zufolge bereits 2027 die nächsten Kontinentalturniere folgen, ehe 2028 wieder eine WM ansteht. Der Gastgeber wird vom FIFA-Kongress bestimmt, der auch die Durchführung der Machbarkeitsstudie für die Männer- und Frauen-Turniere durchgewinkt hatte.

"Ich halte nichts davon. Ich bin groß geworden mit der WM alle vier Jahre. Im Eishockey hat man sie jedes Jahr, da geht mir das Besondere verloren. Wir haben schon zu viel Fußball. Alles ist aufgebläht", sagte Berlins Sportdirektor Arne Friedrich, lange selbst verlässlicher Abwehrspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Gladbachs Trainer Adi Hütter zweifelt an der Umsetzbarkeit: "Das ist fast nicht mehr machbar. Es geht auch um die Belastung der Spieler, die oft mit Verletzungen von den Länderspielen zurückkommen."

Nagelsmann sagte, es gebe jetzt "eine Flut an Terminen, die teilweise schwer zu stemmen sind". Vereine wie der FC Bayern müssten sich auch in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bewegen, sagte er: "Wenn wir immer mehr Spiele haben, muss der Kader größer werden und du hast explodierende Kosten. Das muss alles gedeckelt sein", argumentierte der Coach: "Der Fußballspieler ist natürlich auch dafür da, die Massen zu begeistern und zu entertainen, aber die Flut der Spiele trägt nicht dazu bei, dass der Fußball besser wird."

© dpa-infocom, dpa:210910-99-167389/3

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