Knapp vier Jahre vor der WM 2022: Wie fit ist Katar?

2022 findet in Katar das größte Fußballturnier der Welt statt. Die AZ hat sich vier Jahre vor Beginn vor Ort umgesehen – und erklärt, wie WM-fit der umstrittene Wüstenstaat jetzt schon ist.
| Maximilian Koch
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Kühlt ab: Die Klimaanlage am Rande des Spielfelds.
Peter Kneffel/dpa 2 Kühlt ab: Die Klimaanlage am Rande des Spielfelds.
Nasser Al Khater, Vize-Chef des WM-OK.
Peter Kneffel/dpa 2 Nasser Al Khater, Vize-Chef des WM-OK.

Noch weniger als vier Jahre – dann beginnt eine der umstrittensten Weltmeisterschaften der Historie. Die WM 2022 in Katar, im Wüstenstaat, der gerade so groß ist wie Hessen. Und dann auch noch im Winter (21. November bis 18. Dezember), weil das Thermometer in Sommermonaten gerne mal auf bis zu 50 Grad klettert: Die Entscheidung der Fifa hat für Kopfschütteln gesorgt. Doch mittlerweile ist ja bekannt, dass der Weltverband nach ganz eigenen Regeln funktioniert.

Am Rande des Bayern-Trainingslagers in Doha hat sich die AZ vor Ort umgesehen – und umgehört: Am Mittwoch gab Nasser Al Khater, der Vize-Chef des WM-Organisationskomitees, Auskunft über den Stand der Vorbereitungen. Ob Stadien, Infrastruktur oder Menschenrechte: So weit ist Katar schon mit Blick auf die WM.

WM 2022: Die Stadien

Die mitgereisten Journalisten konnten in Doha das Nationalstadion Khalifa besichtigen, die einzige von acht Arenen, die nicht neu für die WM gebaut wird. 40.000 Zuschauer passen rein, Vorrunden- und K.o.-Spiele werden hier stattfinden. Das Besondere ist die Klimaanlage, die über große Öffnungen am Rande des Spielfelds und auf den Tribünen die Temperatur auf 16 Grad herunterkühlen kann. Dabei ist es im Winter ohnehin nicht heiß, sondern angenehm warm. "Ende 2019 werden bereits vier von acht Stadien fertig sein", sagte Al Khater. Die größte Distanz zwischen zwei Spielorten liege bei 50 Kilometern.

Kühlt ab: Die Klimaanlage am Rande des Spielfelds.
Kühlt ab: Die Klimaanlage am Rande des Spielfelds. © Peter Kneffel/dpa
Nasser Al Khater, Vize-Chef des WM-OK.
Nasser Al Khater, Vize-Chef des WM-OK. © Peter Kneffel/dpa

Nach dem WM-Turnier sollen vier Arenen dann an Klubs der heimischen Liga übergehen, eines an die Universität, in einem weiteren sollen Bürogebäude und eine Klinik entstehen, das Khalifa Stadium wird Nationalstadion bleiben, und eine Arena wird abgerissen. Der Rasen ist schon jetzt in WM-reifem Zustand.

Die Infrastruktur in Katar

Gerade entsteht ein Metro-Netz, um die Fans während der WM von Stadion zu Stadion zu bringen. "Die erste Linie wird 2019 fertig sein, die beiden anderen bis 2022", sagte Al Khater. Aktuell ist Doha noch eine riesige Baustelle, überall wird gewerkelt. Teilweise sieht man Krater, die 50 Meter in die Tiefe reichen. Unten wird gebohrt und geschraubt. Fünf-Sterne-Hotels gibt es schon reichlich in der Stadt.

Situation der Arbeiter vor Ort

"In diesem Punkt mussten wir uns verbessern, und die Regierung hat auch für Verbesserungen gesorgt", meinte Al Khater. Menschenrechtsorganisationen bestätigen diese Entwicklung, doch natürlich schuften die Arbeiter in Doha weiter unter extrem schweren klimatischen Bedingungen und hohem Druck. Immerhin wurde das Kafala-System weitgehend abgeschafft, das die vielen Gastarbeiter komplett abhängig von ihrem Arbeitgeber gemacht hatte.

Al Khater und sein Team sind stolz auf die neuen blauen Anzüge, die die Körpertemperatur der Arbeiter herunterkühlt. Und er behauptet, dass bislang "nur drei Arbeiter bei Arbeitsunfällen gestorben" seien. Gesundheitsbehörden gehen hingegen von Todesfällen im drei- oder vierstelligen Bereich aus. Die Menschenrechtslage ruft insgesamt weiter Kritik hervor. Es gibt etwa noch immer Strafgesetze gegen Homosexuelle.

Das Thema Alkohol

Wegen der neuen "Sündensteuer" sind Bier, Wein und Zigaretten noch teurer geworden. "Alkohol ist kein Teil unserer Kultur", stellte Al-Khater klar. Doch während der WM soll es Zonen geben, in denen Fans Alkohol kaufen können. Auch im Stadion? "Da sind wir gerade in Diskussionen mit der Fifa", sagte Al-Khater auf Nachfrage der AZ. Vieles ist unklar und ungewiss – knapp vier Jahre vor dem Turnier. WM-reif wirkt Katar noch nicht.
 

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