"Keine Chance mehr": Nagelsmann-Schicksal wohl besiegelt – Nachfolger steht bereit

Geht jetzt alles ganz schnell? Nach einem Krisengipfel steht Julian Nagelsmann vor dem Aus.
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Julian Nagelsmann.
Julian Nagelsmann. © IMAGO/UWE KRAFT (www.imago-images.de)

Als sich Julian Nagelsmann um 13.23 Uhr am Donnerstagmittag von der DFB-Zentrale zurück zum Flughafen fahren ließ, hatte der Noch-Bundestrainer die Pistole der Bosse auf der Brust. In einem dreistündigen Krisengespräch zur neuerlichen WM-Blamage hatten ihm Verbandspräsident Bernd Neuendorf und Co. unmissverständlich einen Rücktritt nahegelegt – die hohen Herren haben den vermeintlichen Heilsbringer Jürgen Klopp längst als Nachfolger auserkoren.

Selbst Nagelsmanns "Bodyguard" Rudi Völler, berichtete "Bild" nach dem Beben in Frankfurt, sei von seinem Schützling abgerückt. Als der Sportchef kurze Zeit später mit Geschäftsführer Andreas Rettig vom Hofe fuhr, hob er den Daumen – der über Nagelsmann war da anscheinend bereits gesenkt. Neuendorf, Völler, Rettig und Bundesligachef Hans-Joachim Watzke hörten sich Nagelsmanns Version des Scheiterns zwar noch an, ihr Urteil aber ist klar. Nagelsmann bekam, hieß es bei Bild, immerhin noch eine Bedenkzeit eingeräumt, ehe der Fall "spätestens Ende der Woche" abgeräumt werde.

"Keine Chance mehr": Nagelsmann-Schicksal wohl besiegelt

Wenige Stunden zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung eine namentlich nicht genannte DFB-Quelle mit den Worten zitiert: Nagelsmann habe "keine Chance mehr". Diese Ansicht deckt sich mit SID-Informationen. Ein Funktionär bekräftigte: "Die Stimmung und der Druck sind schon da", die Ära Nagelsmann nach dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay (3:4 i.E.) zu beenden. Das "niederländische Beispiel" von Ronald Koeman und dessen stilvollem Abgang nach dem Ausscheiden ebenfalls in der ersten K.o.-Runde gilt als Vorbild – dazu passt es, dass Neuendorf seinem leitenden Angestellten eine Brücke zum Rücktritt gebaut haben soll.

Eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehalts soll Nagelsmann, der noch bis zur EM 2028 gebunden ist, den Ausstieg schmackhaft machen. Zu halten ist er nicht mehr, es gibt scharfe Kritik an Nagelsmanns Außendarstellung in den vergangenen Monaten. Das Wort "selbstverliebt" fiel.

"Alles", schrieb die SZ, deute jetzt auf Klopp als Nachfolger hin. Dass der frühere Dortmunder und Liverpooler Meistermacher übernehmen werde, sei "so sicher wie das Amen in der Kirche", zitierte der Spiegel einen "einflussreichen Topmanager eines Spitzenklubs" der Bundesliga.

Nagelsmann hatte sich vor der Rückkehr aus den USA noch Illusionen hingegeben, sein Job sei zu retten. Er werde den Bossen schon "Argumente liefern" für seine Weiterbeschäftigung, sagte er gewohnt selbstsicher. Der Verband wisse, was er an ihm habe. "Jeder weiß, wie ich als Trainer ticke." Doch das passt nicht mehr zum neuen DFB-Takt.

Klopp soll kommen

Klopp soll im September in der Nations League gegen die Niederlande einen Neustart moderieren. Wie der aussehen könnte, hatte der MagentaTV-Experte schon bei der WM angedeutet. Runter vom hohen Vier-Sterne-Ross! Keine flapsigen Titel-Ansagen mehr wie von Nagelsmann nach dem unglücklichen, aber zu frühen EM-Scheitern 2024.

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Das Mäandern bei Personal und Taktik, das ewige Hin und Her bei der Position für Joshua Kimmich, die unglücklichen öffentlichen Auftritte, vorpreschende Interviews, die teils patzig-eingeschnappte, ja unsouveräne Art, die missglückte Rückholaktion von Manuel Neuer und, und, und – die Mängelliste des 38-Jährigen war sogar noch länger als die der inzwischen zahlreichen deutschen WM-Blamagen. Beim DFB gab es eine deutliche Absetzbewegung, am Ende selbst von Völler, seinem letzten Verbündeten und treuen Freund.

Viel versucht, wenig geklappt

Was bleibt von Nagelsmann? Er hat vieles versucht, recht wenig hat funktioniert. Er riss den deutschen Fußball erst einmal aus der lähmenden Hansi-Flick-Lethargie (Stichwort hier: Graugänse-Motivationsvideo). Seine erste USA-Reise war im Oktober 2023 ein schöner Erfolg, dass die zweite sein Ende bedeuten würde, war nicht abzusehen.

Mit Volldampf raste Nagelsmann zu Beginn in eine Richtung, war es ein Irrweg, wendete er mit qualmenden Reifen um 180 Grad. Das führte zu Kuriositäten: Im November 2023 stand Kai Havertz gegen die Türkei in Berlin plötzlich links in der Viererkette, als "Schienenspieler". Er wollte zaubern lassen, weil die Mannschaft ohnehin nicht verteidigen könne, dann war die Abwehr ("Worker") doch wieder das Wichtigste.

Aber: Auch nach dem Aus gegen Spanien bei der Heim-EM stimmte die Stimmung. Es gab ja einen Sündenbock, nämlich den Handspieler Marc Cucurella. Deutschland sang ansonsten losgelöst "Major Tom", Nagelsmann würde es schon richten. Von wegen.

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