José Mourinho: Mehr Wahnsinn als Genie

José Mourinho, Trainer von Real Madrid, steigert sich nach der Niederlage gegen Barcelona in Hasstiraden und wirre Verschwörungstheorien
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José Mourinho, Trainer von Real Madrid, steigert sich nach der Niederlage gegen Barcelona in Hasstiraden und wirre Verschwörungstheorien

MADRID Wäre José Mourinho kein so exzellenter Fußballtrainer, man könnte ihn für einen Verrückten halten. Was der Real-Trainer im Hinspiel Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona aufführte, war selbst für die Verhältnisse des Portugiesen ein starkes Stück. „Bei großen Persönlichkeiten wie Mourinho liegen Genie und Wahnsinn oft dicht beisammen”, sagte Matthias Sammer in „Sky”.

Da schwieg Mourinho längst. Nicht, weil er wollte, er musste. Nach dem 0:2 (0:0) nach späten zwei Toren von Lionel Messi hatte die Uefa Spielern und Verantwortlichen zunächst verboten, Interviews zu geben. Wohl, um weitere Ausraster zu vermeiden.

Vor allem in Richtung des deutschen Schiedsrichters Wolfgang Stark hätte „The Special One” gerne noch etwas in die Kameras gesagt. Doch das holte er einfach bei der Pressekonferenz nach. „Wenn ich dem Schiedsrichter und der Uefa sagen würde, was ich denke, wäre meine Karriere sofort beendet”, erzürnte er sich. „Manchmal ekelt es mich an, in dieser Welt zu leben.”

Dabei wäre Mourinhos Defensiv-Taktik fast aufgegangen: Real ließ Barca spielen – und haute, wenn es sein musste, ordentlich dazwischen. Das ging auch nach dem Pausenpfiff so weiter, als noch auf dem Spielfeld Spieler von Real und Barca aufeinander losgingen und Stark Barcelonas Ersatzkeeper Jose Pinto (45.) wegen eines „Wischers” gegen Alvaro Arbeloa Rot zeigte. In der 61. Minute schickte Stark Reals Pepe nach einem harten Foul vom Platz und Mourinho zwei Minuten später auf die Tribüne. Der hatte die Rote Karte mit höhnischem Beifall beklatscht. „Warum hat er das getan? Das Spiel war doch ausgeglichen. Es ist absolut unfassbar”, kommentierte Mourinho. Damit ist er auch für das Rückspiel am kommenden Dienstag gesperrt. Die Uefa erwägt sogar eine längere Strafe, will dafür aber erst den Bericht von Schiedsrichter Stark abwarten. Denn nach diversen Eklats und Ausrastern gilt Mourinho mittlerweile als Wiederholungstäter.

Doch auch der FC Barcelona bereitet eine Klage gegen Mourinho vor. Der Real-Trainer hatte angedeutet, der FC Barcelona sei in der Lage, Spiele zu seinen Gunsten manipulieren zu lassen. „Sie haben diese Macht”, sagte er. Dies könne daran liegen, dass die Katalanen das UN-Kinderhilfswerk Unicef unterstützten, einen guten Draht zum spanischen Uefa-Vize Angel María Villar hätten „oder einfach sympathischer” seien. Mourinho fuhr auch Barça-Trainer Josep Guardiola an: „Ich würde mich schämen, so zu gewinnen.” Schon dessen Champions-League-Titel 2009 sei bloß auf Begünstigungen durch die Schiedsrichter zurückzuführen gewesen. Große Hoffnungen auf das Finale in London macht er sich nicht: „Wir sind schon ausgeschieden.”

Selbst in der Madrid-freundlichen Hauptstadtpresse erntete Mourinho für seine Verschwörungstheorie jedoch Kritik. „Er kann nicht anders, als Gott oder Märtyrer zu sein. Dabei ist er nur ein Trainer”, befand „El Mundo”. Dass Real im dritten „Clásico” gegen den Erzrivalen hintereinander so schwach wie selten spielte, ließ Mourinho unerwähnt. Selbst Cristiano Ronaldo klagte über die unansehnliche Defensivtaktik: „Ich mag diesen Stil nicht, aber so ist es eben.” Wie der Portugiese war auch Nationalspieler Mesut Özil in den ersten 45 Minuten blass geblieben, bis ihn Mourinho zur Halbzeit auswechselte.
Mourinhos Kontrahent, Barca-Trainer Pep Guardiola, sagte zu den Hass-Tiraden seines Kollegen nichts. „Ich behalte meine Meinung für mich und sage lieber gar nichts”, meinte er. Das war schlau.

Für Mourinho aber galt zumindenst an diesem Abend: mehr Wahnsinn als Genie.

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