Internet-Liebesgrüße: "Fußball. Marcel Reif. Warum?"

Mit Kritik umzugehen, ist nicht einfach, vor allem wenn sie unter der Gürtellinie ist. Der manchen Fußballfans als Feindbild dienende Fußball-Kommentator Marcel Reif hat eine eigene Antwort darauf gefunden. Ganz „selbstironisch“.
| az/dpa
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TV-Kommentator Marcel Reif zeigt sich ganz selbstironisch, indem er Tweets vorliest, in denen er beleidigt wird.
dpa TV-Kommentator Marcel Reif zeigt sich ganz selbstironisch, indem er Tweets vorliest, in denen er beleidigt wird.

Hannover - Die Szene wirkt etwas skurril. Marcel Reif sitzt im karierten Jackett auf einem braunen Ledersofa und sagt Dinge, die nicht jugendfrei und grammatikalisch korrekt sind. Der Fußball-Kommentator schaut auf seinen Tablet-Computer und liest vor: „Reif ... Alter direkt TV ankotzen.“

 

"Der Stephen Hawking unter den Fußballkommentatoren"

 

Reif ist einer der populärsten, aber auch einer der umstrittensten deutschen Sport-Journalisten. Auf die teilweise geschmacklose Kritik reagiert der 66-Jährige neuerdings mit Clips, in denen er Tweets, Mitteilungen aus dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter, vorliest. Die Video-Schnipsel werden vom Pay-TV-Sender Sky, für den er seit mehr als 15 Jahren arbeitet, über Facebook, Twitter und Youtube verbreitet. Sie tragen den Namen „Liebeserklärung an Marcel Reif“. Oder, in der englischen Version: „Love Tweets“.

Manche Schmähung, die Reif erreicht, ist vergleichsweise harmlos oder sogar humorvoll. Etwa: „Fußball. Marcel Reif. Warum?“ Andere sind selbstentlarvend, sagen mehr über den anonymen Kritiker im Netz als über den Fernsehmann: „Marcel Reif ist der Stephen Hawking unter den Fußballkommentatoren. Nur ohne das mit der Intelligenz“, schrieb einer.

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Vom Sohn zur Aktion überredet

 

Der Kommentator musste zu der Aktion überredet werden. „Ich habe erst gesagt, ich will das nicht“, erzählt er. Sein Sohn, der in der Marketing-Abteilung von Sky arbeitet, habe ihn dazu überredet: „Er hat mich bequatscht“.

Reif ist öffentliche Kritik gewohnt. Für Schlagzeilen sorgte in der vergangenen Saison sein Disput mit BVB-Trainer Jürgen Klopp, der über Reif gesagt hatte: „Der findet in seinem Leben sowieso nichts mehr witzig.“ Der Kommentator wurde daraufhin vor dem Dortmunder Stadion in seinem Auto attackiert, in Dresden wurde er von BVB-Fans mit Bier bespritzt.

Nun wehrt sich Reif auf seine Art gegen die anonyme Kritik im Internet, in den sozialen Medien werden nach Reifs Ansicht „Grenzen überschritten.“ Ironie ist für ihn die einzig passende Form, um darauf zu reagieren: „Entweder macht man es so oder gar nicht.“

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Mit den Clips wurde "zudem manchen Usern explizit geantwortet", erklärte Sebastian Zind, bei Sky Projektleiter für Social Media und Marketing. Die Videos sollen "authentisch und selbstironisch sein". Daher werden "echte Tweets" vorgelesen.

 

Jimmy Kimmel als Vorbild

 

Vorbild ist der US-Showmaster Jimmy Kimmel, der seit einigen Jahren Stars die an sie gerichteten Beschimpfungen vorlesen lässt. Sky hat die Idee aufgegriffen und zunächst Clips mit Reif produziert. Auch dessen Kollege Fritz von Thurn und Taxis hat schon auf dem braunen Ledersofa gesessen. Die nächste Liebeserklärung ist für Sky-Moderatorin Jessica Kastrop geplant.

 

Hier gibt's zwei der insgesamt fünf Reif-Videos

 

Alle weiteren "Love Tweet"-Videos für Marcel Reif gibt's hier zu sehen.

 

Tweets zum umstrittenen Fußball-Kommentator

 

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