HSV entlässt Trainer Markus Gisdol nach Peinlich-Pleite gegen 1. FC Köln

Nach der Hinrunde galt Köln schon als sicherer Absteiger, doch spätestens mit dem Sieg gegen den HSV ziehen die Rheinländer nicht nur die Hanseaten mit in den Abwärtsstrudel, sondern schöpfen wieder Hoffnung. Hamburg reagiert mit der achten Trainer-entlassung in vier Jahren.
| az/cel, Franko Koitzsch und Thomas Prüfer, dpa
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Daumen runter, statt Daumen rauf: Die HSV-Bosse haben über das Schicksal von Markus Gisdol entschieden.
dpa Daumen runter, statt Daumen rauf: Die HSV-Bosse haben über das Schicksal von Markus Gisdol entschieden.

Hamburg - Der Hamburger SV ist reif, reif für die 2. Liga. Das hat der dienstälteste Bundesliga-Verein, das einzige nie abgestiegene Gründungsmitglied der deutschen Eliteliga mit Nachdruck bewiesen. Das 0:2 gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln am Samstagabend war nicht irgendein Spiel, es war der Krisengipfel schlechthin. Wer gegen das Schlusslicht vor heimischem Publikum nach einer Serie von fünf sieglosen Partien nicht gewinnt, hat kaum noch Argumente, warum er weiterhin zum erlauchten Kreis des deutschen Vereinsfußballs gehören sollte.

Dementsprechend vermied Sportchef Jens Todt nach dem Spiel ein Bekenntnis zu Trainer Markus Gisdol, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen wollte nach dem Spiel lieber gar nichts sagen.  "Die Situation hat sich deutlich verschlimmert. Wir wollen erst mal drüber schlafen und das Spiel sacken lassen. Es war ein schlimmer Abend für uns", formulierte Todt nach einer kurzen Vorstandsberatung unmittelbar nach der Partie.

Am Sonntagmorgen dann die beinahe unvermeidliche Meldung: Der Hamburger Sportverein hat Trainer Gisdol mit sofortiger Wirkung freigestellt. Er ist damit nach Thorsten Fink, Rodolfo Cardoso, Bert van Marwijk, Mirko Slomka, Josef Zinnbauer, Peter Knäbel und Bruno Labbadia bereits der achte Trainer, der in den letzten vier Jahren beim HSV scheiterte.

Plötzlich schöpft der FC wieder Hoffnung, beim HSV schwindet sie

Mit Neid blickt die HSV-Führung unterdessen nach Köln und zum dortigen Sportchef Armin Veh. Was dem FC mit der Verpflichtung von Torjäger Simon Terodde gelang, hat der HSV bislang versäumt. In den Jahren von Abstiegskampf und Niveauverfall seit 2013 wurden mehr als 120 Millionen Euro für zumeist falsche Transfers verheizt. Sechs Fußball-Lehrer mit unterschiedlichem Spielverständnis mühten sich mehr schlecht als recht, vier Sportchefs bastelten ziellos am Mannschaftsgefüge. Zwei echte und eine gefühlte Relegation waren die Folge. Der einstige Europacupsieger der Landesmeister mit einzigartiger Strahlkraft verkam durch Misswirtschaft, Dilettantismus, Indiskretionen, Eitelkeiten und Selbstüberschätzung zu einem Dauer-Krisenclub.

Paradox: Köln steht in der Tabelle noch schlechter da als der HSV, wird aber nach drei Siegen in Serie von einer positiven Stimmung getragen, als sei er auf Champions-League-Kurs."Wir hatten gegen den HSV ein Endspiel ausgerufen", berichtete Trainer Stefan Ruthenbeck. "Wir haben in Augsburg das nächste Endspiel." Der Coach lobt Leidenschaft und Zweikampfqualität seines Teams. Ruthenbeck bleibt aber Realist: "Trotzdem hat der Gegner drei Punkte mehr als wir."

Torhüter Timo Horn sieht sein Team als verschworene Einheit. "Der Wille ist da und trägt diese Mannschaft. Das hat alles viel mit dem Kopf zu tun. Die Mannschaft glaubt daran, und das sieht man auch im Spiel." Die Kölner wollen weiter mit größter Leidenschaft am Wunder Rettung arbeiten. Torjäger Terodde: "Wir sind noch immer Letzter, aber Köln lebt wieder."

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