Ex-Bundestrainer Klinsmann wirbt für Undav: "Ich bin Fan von einer Nummer 9, Fan von Deniz"

Beim Blick auf die Gästeliste im "German House of Soccer" in New York City stach am Dienstagnachmittag der Buchstabe K ins Auge. Jürgen Klinsmann war geladen als Botschafter und Gesprächspartner auf der Bühne, das wusste man vorher schon. Doch da stand auch noch ein weiteres berühmtes K auf der Liste: Kimmich. Lina, die Frau des DFB-Kapitäns, war mit ihren Kindern in den deutschen Treffpunkt unweit des Hudson River gekommen, der Nachwuchs schoss ein paar Bälle auf die kleinen Tore im hinteren Teil des Gebäudes. Ein entspannter Familienausflug – während sich Papa Joshua mit seinen Kollegen im Teamquartier in Winston-Salem auf das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag (22 Uhr MESZ/ARD und Magenta TV) vorbereitete.
Ecuador – das war auch ein gutes Stichwort für Klinsmann. 2006 bei der Heim-WM hatte der damalige Bundestrainer mit seinem Team ebenfalls zum Ende der Vorrunde gegen Ecuador gespielt – und 3:0 gewonnen. Die Südamerikaner, die erst einen Punkt geholt haben, hätten sich bislang "unter Wert verkauft", sagte Klinsmann. Daher werde Ecuador "um jeden Preis gewinnen wollen". Bei der Partie im Finalstadion von East Rutherford müsse das DFB-Team deshalb "schon auf der Hut sein".

Klinsmann über das Nationalteam: "Diese Mannschaft wird ihre eigene Geschichte schreiben"
Nach dem letzten Gruppenspiel beginnt aus Klinsmanns Sicht in der K.o.-Phase "ein neues Turnier", wie er sagte. Die deutsche Mannschaft, die den Gruppensieg schon sicher hat, könne "auf jeden Fall mit allen mithalten. Diese Mannschaft wird ihre eigene Geschichte schreiben in den nächsten paar Wochen. Und wir hoffen, dass sie bis ganz zum Schluss geht."
Sollte sich das DFB-Team "die Lust" aus den ersten Spielen gegen Curaçao und die Elfenbeinküste beibehalten, könne es "weit kommen. Ich traue es der Mannschaft auf jeden Fall zu", sagte Klinsmann. Es brauche "natürlich auch ein bisschen Glück", da sicherlich "hier und da ein Elfmeterschießen auf uns zukommen wird, aber ich bin guten Mutes, dass wir weit kommen". Neben Deutschland zählte Klinsmann Frankreich, Argentinien, Spanien, England und Brasilien zu den Turnierfavoriten. "Wir müssen auf sie aufpassen", sagte Klinsmann über die Seleção: "Sie haben mit einen der Top-3-Trainer auf der Welt. Sie werden nach und nach ins Turnier kommen."

Deniz sei "natürlich hungrig, von Anfang an zu spielen"
Die deutsche Mannschaft ist schon mittendrin – nicht zuletzt dank Deniz Undav, der in zwei Spielen bereits drei Tore erzielt und zwei weitere Treffer vorbereitet hat. "Ich mag den Deniz ungemein, weil er bei einem guten Klub spielt", sagte der frühere VfB-Stürmer Klinsmann mit einem Grinsen. "Die Diskussion ist ja immer da gewesen: Spielt Julian Nagelsmann lieber mit einer falschen 9 wie Kai Havertz oder einer richtigen 9 wie Nick Woltemade oder Undav. Ich bin natürlich Fan von einer Nummer 9, Fan von Deniz. Wie er jetzt da reinkam und seinen Job gemacht hat, ist toll." Undav sei "bereit, reinzukommen als Ersatzspieler", so Klinsmann, "aber natürlich auch hungrig, von Anfang an zu spielen."

Das "Allerwichtigste" sei, ergänzte Klinsmann, "dass wir Leute von der Bank bringen können, die das Spiel drehen, wenn es nicht so läuft. Und dieses Spiel gegen die Elfenbeinküste hat Deniz gedreht. Es ist ein gutes Gefühl, dass wir ein Extra-Level reinbringen können, einen Schub." Damit die DFB-Elf noch möglichst lange im Turnier bleibt. Das würde auch Familie Kimmich freuen.