Endlich Stimmung! So erleben Spieler und Zuschauer die WM in Amerika

Tausende Fans in New York und Toronto feiern lautstark die deutsche Nationalmannschaft – ein Heimspiel-Feeling, das Spieler wie Nadiem Amiri ins Schwärmen bringt.
von  Maximilian Koch
Norwegische Fans feiern den Sieg gegen den Senegal mit Ruderbewegungen. Fußballstar Erling Haaland steigt mit seinem Team auf dem Feld ein.
Norwegische Fans feiern den Sieg gegen den Senegal mit Ruderbewegungen. Fußballstar Erling Haaland steigt mit seinem Team auf dem Feld ein. © IMAGO/Peter Dovgan (www.imago-images.de)

Irgendwann hatte Sami Khedira einfach keine Lust mehr, in den viel zu kalten und stimmungslosen VIP-Shuttles in die WM-Stadien gefahren zu werden. Er wollte echte Fan-Atmosphäre spüren, er wollte: rudern. Daher stieg Khedira vor dem Gruppenspiel zwischen Norwegen und Senegal (3:2) Anfang der Woche in den öffentlichen Zug nach New Jersey. "Ich habe die 98 Dollar gezahlt", erzählte der Weltmeister von 2014 bei einem Adidas-Termin in Brooklyn: "Und in der Bahn habe ich mich von den Norwegern anstecken lassen, ich bin mit ihnen gerudert. Das war großartig."

Die norwegischen Fans, die gemeinsam rudern: Es ist schon jetzt eines der Bilder dieser WM. Nach der Partie gegen Senegal im Finalstadion in East Rutherford machte die Mannschaft um Superstar Erling Haaland mit, alle Spieler und Trainer saßen zusammen vor der Kurve und führten den "Viking Row" auf. Auch dank dieser engen Bindung zu den Fans hat es Norwegen vorzeitig ins Sechzehntelfinale geschafft.

Deutsche Fanpower in New York: Wie lautstarke Unterstützung die Spieler beflügelt

Man sollte den Fan-Faktor bei dieser WM nicht unterschätzen. Darauf machte auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann aufmerksam. "Ich denke, es ist bislang eine wirklich tolle WM. Die Stimmung ist super, die WM ist hier im Land wirklich eine große Sache. Jeder schaut die Spiele." Es sei zudem "klasse, dass die Gastgeberländer sehr gut drauf sind, also Kanada, Mexiko und die USA. Das hilft dem Turnier ungemein. Ich hoffe, dass sie lange im Turnier bleiben."

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Daher wäre es schade, wenn die Schotten, die erst in Boston die Biervorräte leer tranken und dann in Miami mit Dudelsack im Pool feierten, ausscheiden würden nach dem 0:3 gegen Brasilien. Die WM braucht die "Tartan Army", die wie schon bei der EM in Deutschland vor zwei Jahren für Begeisterung sorgt. Und sonst? Da sind die heißblütigen Mexikaner, die US-Fans, die vom starken Auftreten ihrer "Soccer"-Mannschaft verzückt sind. Und auch die deutschen Fans sind zahlreich und lautstark vertreten. Am Tag vor dem dritten Gruppenspiel gegen Ecuador feierten sie ausgelassen am Times Square in New York, zuvor hatten bereits Tausende beim Fanmarsch in Toronto mitgemacht.

Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann.
Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann. © IMAGO/R4924_italyphotopress (www.imago-images.de)

Nadiem Amiri: "Ich bin wirklich sehr, sehr überrascht"

"Ich bin wirklich sehr, sehr überrascht, wie viele hier waren. Das ganze Stadion war ja eigentlich für Deutschland", schwärmte Nadiem Amiri nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste: "Die Fans wissen gar nicht, wie viel uns das bedeutet und wie viel Kraft uns das gibt. Es war wie ein Heimspiel und wir sind einfach nur glücklich, dass wir den Fans den Sieg schenken konnten."

Nadiem Amiri im Spiel gegen die Elfenbeinküste.
Nadiem Amiri im Spiel gegen die Elfenbeinküste. © IMAGO/Bahho Kara (www.imago-images.de)

Am Mittwoch feierten die Brasilianer gemeinsam mit den Schotten stimmungsvoll und friedlich, zusammen sangen sie in den randvollen Bars von Manhattan: "No Scotland - no Party!" Es herrscht inzwischen echte WM-Stimmung in der US-Metropole, in allen Sportsbars laufen die Spiele auf mehreren Bildschirmen. Überall hängen Wimpel und Fahnen der Teilnehmer.

Klopp: "Es ist schön zu sehen, wie viel Fußball in dem jeweiligen Land bedeutet"

"Es ist schön zu sehen, wie viel Fußball in dem jeweiligen Land bedeutet", sagte Magenta-Experte Jürgen Klopp: "Das übt Druck aus auf eine Mannschaft, das haben wir bei der Türkei gesehen. Das sorgt aber auch für Begeisterung." In den Stadien habe er "es außergewöhnlich gut" gefunden, ergänzte Klopp: "Mexiko-City beim Eröffnungsspiel war brutal. Da sind wir sechs Stunden vor dem Spiel hingefahren. Da war die Schlange von Stadtmitte bis zum Stadion. Dallas, Houston - großartig. Mein WM-Fieber ist voll da."

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Und damit ist er nicht alleine. Es wird spannend zu sehen sein, welche Fans ihr Team bis ins Finale in New Jersey am 19. Juli tragen. Die Party in den USA, Kanada und Mexiko geht noch mehr als drei Wochen weiter. 

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