EM-Quali: Deshalb feilte Jogi Löw sich die Fingernägel

Es war der zweithöchste DFB-Sieg in der Ära Löw: Trotz einer peinlichen ersten und einer spielfreudigen zweiten Halbzeit ist nicht die Leistung sondern die zwischenzeitliche Maniküre des Bundestrainers das große Thema.
| az/dpa
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Keine abschätzige Geste: Joachim Löw verarztete auf der Bank lediglich einen eingerissenen Fingernagel.
dpa Keine abschätzige Geste: Joachim Löw verarztete auf der Bank lediglich einen eingerissenen Fingernagel.

Es war der zweithöchste DFB-Sieg in der Ära Löw: Trotz einer peinlichen ersten und einer spielfreudigen zweiten Halbzeit ist nicht die Leistung sondern die zwischenzeitliche Maniküre des Bundestrainers das große Thema.

Faro – Bundestrainer Joachim Löw stellte klar: Sein Beauty-Eingriff beim 7:0 gegen Gruppengegner Gibraltar in der EM-Quali sollte nicht als Respektlosigkeit gegenüber dem Gegner interpretiert werden. Nach dem 4:0 durch Bellarabi in der 57. Minute war der Sack endgültig zu, wenig später sah man Löw auf der Trainerbank seine Fingernägel feilen. "Das sollte nicht despektierlich sein. Aber der Nagel war eingerissen", sagte Löw.

Ein Notfall-Eingriff also. Dabei hatte vor allem das Spiel seiner Jungs in der ersten Halbzeit einen Notfall-Eingriff des Weltmeister-Trainers erfordert. Nur ein Tor gelang der DFB-Elf in den ersten 45 Minuten gegen den mehr als unterklassigen Gegner.

"Was wir an Chancen ausgelassen haben, war schon ein bisschen an der Grenze zur Arroganz. Wir haben vier, fünf, sechs Chancen einfach vertändelt und den Torwart angeschossen. Ich habe gesagt: Ich will auf jeden Fall noch einige Tore sehen", berichtete der DFB-Chefcoach von seiner Kabinenansprache. Der finale Saisonwunsch wurde ihm erfüllt. Nach den Treffern von André Schürrle (28./65./71. Minute), Max Kruse (47./80.), Ilkay Gündogan (51.) und Karim Bellarabi (57.) stand am Ende eines merkwürdig gestarteten Fußball-Abends der zweithöchste Sieg der Ära Löw.

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Auch der Bundestrainer freut sich nun auf eine Auszeit und will nach einem Auftritt als Hobbyspieler bei der Benefizpartie von Sami Khedira am Sonntag in Stuttgart und einer Stippvisite zur U21-EM in Tschechien Ende Juli seinen Stab wieder zusammentrommeln. Dann soll der viel beschworene heiße Herbst vorbereitet werden. "Wir hatten nicht die Souveränität wie in den Jahren zuvor. Wir kennen unsere Probleme und werden sie nach der Pause angehen. Die Mannschaft wird in die Spur kommen, weil sie ein großes Potenzial hat. Das werden wir wieder abrufen", versprach Löw.

Die Ausgangslage in der Qualifikationsgruppe D ist so schlecht nicht für den Weltmeister. Durch den klaren Sieg gegen den tapferen und teilweise frechen Außenseiter vom Affenfelsen ist der Sprung auf Platz zwei geglückt, der schon zur direkten Qualifikation für Frankreich reicht. Spitzenreiter Polen ist trotz des 4:0-Sieges durch einen Blitz-Hattrick von Robert Lewandowski bei nur einem Zähler Vorsprung in Schlagdistanz. Mit einem Sieg gegen den Nachbarn am 4. September in Frankfurt wäre die Tabellenführung erobert. Deutlich entspannter könnten dann die Reisen nach Schottland (7.9.) und Irland (8.10.) angegangen werden. Die Verfolger nahmen sich durch ihr 1:1 am Samstag wie erhofft gegenseitig Punkte weg.

Zwei Sponsoren-Plastiktüten geschultert eilte auch Kapitän Bastian Schweinsteiger schnellen Schrittes zum Mannschaftsbus. Sein zu lasch geschossener Elfmeter (10.) - der erste Fehlversuch im 111. Länderspiel - war Symbol für eine erste Halbzeit, die das momentane Hauptproblem aufzeigte. "Ich musste schon mal etwas deutlich werden. Es gab nur ein einziges Thema: Chancenverwertung", sagte Löw. "Der war wirklich nicht gut geschossen", gab Schweinsteiger zu und verschwand in die portugiesische Nacht.

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