Die FIFA-Skandale unter Präsident Blatter

Unzählige FIFA-Skandale kennzeichnen die 17-jährige Amtszeit von Präsident Joseph S. Blatter. Hier ein Überblick seit dem Amtsantritt des Schweizers 1998...
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Das Ende einer Ära? FIFA-Prsäident Joseph S. Blatter.
GES/Augenklick Das Ende einer Ära? FIFA-Prsäident Joseph S. Blatter.

1998
Schon bei der Präsidentenwahl in Paris gibt es Gerüchte über Bestechung von FIFA-Delegierten. Der bisherige Generalsekretär Joseph S. Blatter setzt sich gegen UEFA-Chef Lennart Johansson durch. Der Schwede wundert sich hinterher, dass auf einmal Delegierte, die ihm fest ihre Unterstützung zugesagt haben, für Blatter stimmten.

2002
Elf Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, darunter fünf Vize-Präsidenten, erstatten Anzeige gegen den FIFA-Boss wegen "Verdachts der Veruntreuung und der ungetreuen Geschäftsbesorgung" beim Ersten Staatsanwalt des Kantons Zürich. Die Anschuldigungen fußen auf einem 31-seitigen Dossier des damaligen Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen, der Blatter der Korruption zu überführen versucht. Beim Kongress in Seoul wird Blatter dennoch wiedergewählt, er setzt sich gegen Herausforderer Issa Haytou (Kamerun) durch.

2002
Die WM 2002 in Südkorea und Japan, die erste auf asiatischem Boden, wird von einem schweren Ticketskandal erschüttert. Viele Tausend Fans bleiben ohne Karte, es herrscht Chaos. Das Ticketing über einen langjährigen FIFA-Partner wird auf das Schärfste kritisiert. Auch bei folgenden WM-Turnieren gibt es immer wieder Skandale um den Ticketverkauf, teilweise werden Eintrittskarten von FIFA-Exekutiv-Mitgliedern auf dem Schwarzmarkt veräußert.

2010
Die WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) durch das FIFA-Exekutiv-Komitee bei der Sitzung im Dezember 2010 ruft von Beginn an viele Kritiker auf den Plan. Vor allem die Gastgeberrolle für das Emirat am Persischen Golf ist eine Sensation - angesichts der klimatisch bedenklichen Voraussetzungen für eine Sommer-WM. Später verlegt die FIFA die Endrunde in den Winter, das Finale soll jetzt kurz vor Heiligabend 2022 stattfinden. Korruptionsvorwürfe begleiten seit 2010 beide WM-Gastgeber. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen beide Gastgeber wegen "Unregelmäßigkeiten". Diese Untersuchung hat die FIFA mit einer am 18. November 2014 gestellten Strafanzeige selbst in Gang gesetzt, sie ist also die Geschädigte. Am 10. März 2015 wird ein Strafverfahren eröffnet.

2011
Bei der FIFA-Präsidentenwahl 2011 in Zürich will Mohammed Bin Hammam (Katar) Blatter stürzen. Nach heftigen Korruptionsvorwürfen zieht der langjährige enge Blatter-Vertraute seine Kandidatur jedoch kurzfristig zurück. Ausgerechnet Jack Warner (Trinidad/Tobago), ebenfalls lange Jahre ein zuverlässiger Stimmenbeschaffer für Blatter, schießt sich durch die Schmiergeldaffäre ebenfalls selbst ab und muss seine Ämter aufgeben.

2015
Zwei Tage vor dem FIFA-Kongress in Zürich werden aufgrund von US-Ermittlungen sieben FIFA-Funktionäre festgenommen, darunter zwei FIFA-Vize-Präsidenten. Die Anklageschrift des New Yorker Gerichts belastet 14 Personen, darunter neun aus dem direkten FIFA-Umfeld, schwer. Es geht um Korruption und die Bildung krimineller Vereinigungen. Auf dem Kongress wird Blatter trotzdem mit 133:73 Stimmen gegen Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien) in seine fünfte Amtszeit gewählt. Keine 100 Stunden später kündigt ein sichtlich angeschlagener Blatter am 2. Juni in Zürich seinen Rücktritt an und will diesen auf einem Außerordentlichen Kongress vollziehen.

2015
Mitte September wird Generalsekretär Jerome Valcke von allen Aufgaben entbunden. Dem 54 Jahre alten Franzosen wird vorgeworfen, sich beim Ticketverkauf für WM-Endrunden persönlich bereichert zu haben. Die Vorwürfe hatte die in Zürich ansässige Marketingagentur JB Sports Marketing bei einer Präsentation am Donnerstag erhoben. Valcke sei eine Gewinnbeteiligung versprochen worden. Der Fall werde von der FIFA-internen Ethikkommission untersucht.

2015
Nach der Exekutivkomitee-Sitzung am 25. September in Zürich geben die Schweizer Justiz-Behörden bekannt, dass auch gegen den FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter ermittelt wird. Zuvor hatte der Weltverband eine geplante Pressekonferenz mit dem 79-Jährigen kurzfristig abgesagt. Blatter wird im Strafverfahren unter anderem "eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Februar 2011 zu Lasten der FIFA" an UEFA-Präsident Michel Platini vorgeworfen. Laut Bundesanwaltschaft geht es um zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleistete Dienste.

2015
Am 29. September 2015 wird der ehemalige FIFA-Vize-Präsident Jack Warner (Trinidad und Tobago) von der FIFA-Ethik-Kommission lebenslang aufgrund seiner Rolle als Drahtzieher von Korruptionszahlungen gesperrt. Warner war jahrelang Stimmenbeschaffer für Blatter in der CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) und im Gegenzug Nutznießer von TV-Deals, die ihm viel Geld in die eigene Kasse spülten, mit der FIFA.

2015
Am 8. Oktober wird FIFA-Präsident Blatter von der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission wie auch Generalsekretär Valcke für 90 Tage gesperrt. Auch UEFA-Chef Platini wird für drei Monate aus dem Verkehr gezogen. Der ehemalige südkoreanische FIFA-Vize Chung Mong-Joon wurde dagegen für sechs Jahre gesperrt.

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