DFB schiebt den Riegel vor: Nationalspieler bekommen keinen WM-freien Tag in New York

Natürlich war es eine Verlockung. Drei Spiele an der Ostküste hintereinander. Erst Boston, dann – im Erfolgsfall – Philadelphia und – sollte es noch weitergehen – wieder Boston. Der Ostküsten-Hattrick vom Sechzehntelfinale bis zum möglichen Viertelfinale. Im Lager der deutschen Nationalmannschaft wurde nach dem vorzeitigen Gruppensieg diskutiert, ob man nach dem dritten Gruppenspiel in New Jersey am Donnerstag gegen Ecuador (22 Uhr, ARD und MagentaTV) diesmal nicht ins Teamquartier nach Winston-Salem zurückkehrt, sondern vor Ort bleibt, um von dort den kurzen Weg nach Boston (knapp 500 km) per rund eineinhalbstündigem Charterflug anzutreten.
DFB-Spieler hatten immer zweiten Tag nach WM-Spiel frei
Ein freier Tag in New York? Tatsächlich eine Verlockung für viele Spieler des Kaders - gerade die Junggesellen oder kinderlosen Profis. Bislang hat Bundestrainer Julian Nagelsmann stets den zweiten Tag nach einem WM-Spiel freigegeben. Am ersten Tag danach war Spielersatztraining für die Reservisten sowie Pflege bzw. Regeneration für die Startelf-Kicker. Am Montag kommunizierte der DFB, dass man sowohl nach dem letzten Gruppenspieltag als auch nach dem ersten K.o.-Runden-Spiel am selben Abend wieder nach North Carolina zurückkehrt.
Das Problem diesmal: Es liegen nur vier Tage zwischen dem Vorrunden-Abschluss gegen Ecuador und dem Sechzehntelfinale am 29. Juni (22.30 Uhr) in Foxborough bei Boston. Nach dem 7:1 zum Auftakt der WM gegen Curaçao hatte man sechs Tage, nach dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste fünf bis zur nächsten Partie. Nun noch einen weniger. Deshalb überlegten die DFB-Verantwortlichen, ob sie nicht - wie üblich - am Tag vor dem Spiel nach Newark fliegen, sondern bereits am Samstag.

DFB-Team trifft im Sechzehntelfinale auf Dritten der Gruppe A, B, C, D oder F
Der Grund: Die Gruppenphase endet am Samstag, dann finden die letzten sechs Spiele statt. Erst kurz vor Mitternacht steht somit fest, wer in den drei Gruppen J, K und L welche Platzierung erreicht. Und somit auch der komplette Turnierbaum für die K.o.-Runde, die bereits am nächsten (!) Tag, am Sonntag, startet. Was mit dem auf 48 Nationen vergrößerten Teilnehmerfeld zu tun hat.
Bis zur WM 2022 in Katar waren es nur 32, es gab mehr Ruhetage ohne WM-Spiele. Damit das Analyseteam des DFB den kommenden Gegner in Ruhe und bis ins kleinste Detail sezieren könne, wollte man am Samstag nicht auch noch reisen. Der Plan wurde jedoch verworfen. Das DFB-Team trifft als Gewinner der Gruppe E im Sechzehntelfinale auf einen Dritten aus Gruppe A, B, C, D oder F – beim neuen Modus kommen acht von zwölf Gruppendritten weiter.
Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen.
Nagelsmann: "Früher oder später kommen starke Mannschaften auf uns zu"
Es gibt sage und schreibe 495 Konstellationen, wie sich diese besten acht auf das Sechzehntelfinale verteilen lassen. Nach aktuellem Stand lauten die wahrscheinlichsten Gegner: Schottland vor Paraguay. Schon vor dem Spiel gegen die Elfenbeinküste sagte Julian Nagelsmann: "Die anderen Gruppen können wir nicht beeinflussen."
Der Bundestrainer: "Taktieren ist im Fußball generell super schwer. Früher oder später kommen starke Mannschaften auf uns zu." Im Achtelfinale wartet wohl Frankreich, der Vizeweltmeister, einer der Top-Favoriten. Den Franzosen reicht im abschließenden Gruppenspiel gegen Norwegen ein Remis, um Platz eins zu sichern. Oder wollen sie dem DFB-Team aus dem (Turnierbaum-)Weg gehen und lieber Zweiter werden? Ein Vabanquespiel.

Horror-Szenario für den Dritten der Gruppe F
Als Gruppensieger hat das DFB-Team ohnehin einen immensen Vorteil: Sie kennen ihren Spieltag, den Spielort – können Training und Logistik danach ausrichten. Der Gegner nicht. Der erfährt lediglich rund eineinhalb Tage, gegen wen und wo die K.o.-Runde für ihn startet. Das krasseste Beispiel: der Dritte der Gruppe F. Nach den letzten Vorrundenspielen Schweden gegen Japan und Niederlande gegen Tunesien (beide zeitgleich in den USA am 25. Juni) muss der Dritte noch zwei Tage warten, bevor sie erfahren, wie es wo weitergeht. Infrage kommen fünf Szenarien für das Sechzehntelfinale. In fünf Städten, in allen drei Gastgeberländern.
Ein möglicher Gegner, für – aktuell – Schweden: die deutsche Mannschaft. Zu kurz für eine sinnvolle Vorbereitung inklusive Anreise und Logistik? Für deren Fans ist es eine Zumutung. Unterm Strich: Ein dicker Vorteil für das DFB-Team.