DFB-Reservisten hoffen auf Spielzeit gegen Ecuador: Wer wird der neue Koch?

Die Wagenburg, sie steht beim DFB. Das wurde auf der letzten Pressekonferenz im Lager der deutschen Nationalmannschaft vor der Abreise zum dritten Gruppenspiel am Donnerstag in New Jersey gegen Ecuador (22 Uhr, ARD & MagentaTV) deutlich.
Als Jamie Leweling auf den polarisierenden und nach den ersten beiden Gruppenspielen teils scharf kritisierten Leroy Sané angesprochen wurde, meinte der Stuttgarter, auf der Position des Rechtsaußen der direkte Konkurrent und Herausforderer von Sané, angesäuert: "Das ist die schlechteste Frage von allen. Als würde ich jetzt was Schlechtes über ihn sagen."
Leweling über Sané: "Vor vier Jahren habe ich zu ihm hochgeschaut"
Einmal im Grummel-Modus, schickte der 25-Jährige, geboren in Nürnberg, hinterher: "Wir sollten in Deutschland nicht schlecht über Einzelne reden. Wir sollten nicht schlecht über Leroy reden, sondern froh sein, dass er Leistung bringt und da ist."
Einmal in Fahrt pries Leweling die Fähigkeiten seines direkten Konkurrenten auf der rechten Offensiv-Seite: "Vor vier Jahren habe ich zu ihm hochgeschaut. Man kann auch von ihm viel lernen. Ich schaue mir einige Sachen von ihm ab. Wir sind ein Team, da wird nicht schlecht übereinander geredet. Und das sollten wir als Deutschland auch nicht machen."
Leweling könnte Sané gegen Ecuador in der Startelf ersetzen
Was an den Appell ans Gemeinwohl von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024 erinnerte: "Wenn ich meinem Nachbar helfe, die Hecke zu schneiden, dann ist er schneller fertig, als wenn er es alleine macht."
Jamie Leweling konnte auch deshalb so keck und befreit aufsprechen in der Medien-Runde, weil er seinen persönlichen WM-Moment bereits hatte. Beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste half der Stuttgarter Flügelspieler nach seiner Einwechslung ab der 60. Minute mit Bravour, aus einem 0:1-Rückstand einen 2:1-Erfolg zu machen. Und das in seinem erst sechsten Länderspiel (zwei Startelf-Einsätze, ein Tor). Gut möglich, dass er und nicht Ex-Bayer Sané, der im Sommer 2025 ablösefrei zu Galatasaray Istanbul gewechselt ist, gegen Ecuador beginnen darf.
2024 war nur Robin Koch der einzige Feldspieler ohne Einsatz
Wie einige andere der Reservisten auch. Unter anderem die sechs Feldspieler (plus die Ersatztorhüter Oliver Baumann und Alexander Nübel) im DFB-Kader, die noch auf ihren ersten Einsatz bei dieser WM warten. Als da wären: Innenverteidiger Malick Thiaw, die Sechser Pascal Groß und Angelo Stiller, der für den kurzfristig verletzten Bayern-Profi Lennart Karl nachnominierte Mittelfeldmann Assan Ouédraogo, Flügelspieler Maximilian Beier und Mittelstürmer Nick Woltemade.
Bringt Nagelsmann alle gegen Ecuador? Ob von Beginn an oder von der Bank? Oder lassen es der Spielverlauf bzw. taktische Überlegungen oder Verletzungen nicht zu? Bei der EM 2024 erwischte es neben den Torhütern Marc-André ter Stegen und Baumann lediglich einen Feldspieler des 26er Kaders, der ständig nur zuschauen durfte: Innenverteidiger Robin Koch von Eintracht Frankfurt. Und so stellt sich die Frage: Wer wird 2026 der neue Koch der Nationalelf?

Trifft es dieses Mal Ouédraogo und Thiaw?
Der Leipziger Ouédraogo (20) hat mit bisher einem Länderspiel die wenigsten aller Feldspieler des Kaders und gilt als einer der Favoriten auf das unbeliebte Alleinstellungsmerkmal. Ebenso wie Thiaw (24) von Newcastle United, lediglich fünf Länderspiele, das letzte im November 2025. Trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von Nico Schlotterbeck für den Rest der WM ist der ehemalige Schalker hinter Waldemar Anton die Nummer vier im Innenverteidiger-Ranking.
Gesetzt sind nun Jonathan Tah und Antonio Rüdiger.
Durm, Ginter und Großkreutz wurden 2014 Weltmeister ohne Einsatz
Bei der letzten WM 2022 in Katar, als die Nationalelf bereits in der Vorrunde ausschied, blieben neben den Keepern ter Stegen und Kevin Trapp noch Armel Bella-Kotchap, Christian Günter, Julian Brandt und Karim Adeyemi ohne Einsatz. Beim WM-Triumph 2014 in Brasilien erhielten die Ersatztorhüter Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler sowie Eric Durm, Matthias Ginter und Kevin Großkreutz ihre Goldmedaillen, ohne eine einzige Sekunde gespielt zu haben.
Übrigens: Nach Ende der offiziellen Pressekonferenz entschuldigte sich Leweling beim Fragesteller, den er so angegangen war: "Tut mir leid, weil es ein bisschen zu hart war von mir."