Deutschland zurück in East Rutherford: An einem Ort, der denkwürdigsten DFB-Blamagen

East Rutherford ist etwa zwölf Kilometer von Manhattan, dem so intensiv pochenden Herzen von New York City entfernt. Der Ort im Bergen County, Bundesstaat New Jersey, hat laut der Volkszählung von 2020 nur etwas mehr als 10.000 Einwohner. Wofür ist East Rutherford bekannt? Für den New Jersey Turnpike, eine der meistbefahrenen Autobahnen der USA.
In der deutschen Fußball-Historie steht East Rutherford in einer Reihe mit Cordoba, Kasan und Al-Khor. Allesamt Orte denkwürdiger Blamagen der Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. 1978 verlor man im argentinischen Córdoba mit 2:3 gegen Österreich und war als Titelverteidiger raus. 2018 bei der WM in Russland verlor das DFB-Team in Kasan gegen Südkorea (0:2) und schied bereits nach der Vorrunde aus. Ebenso 2022 in Katar, im Stadion von Al-Khor, außerhalb von Doha, als man trotz des 4:2 gegen Costa Rica die Gruppenphase nicht überstehen konnte.
East Rutherford: Ort einer der größten Fußball-Debakel Deutschlands bei der WM
Und da war East Rutherford, 1994. Im damaligen Giants Stadium der Football-Teams New York Giants und New York Jets scheiterte Deutschland, damals Titelverteidiger und seit elf WM-Spielen ungeschlagen, sensationell im Viertelfinale an Bulgarien. Nach der Führung durch das Elfmetertor von Lothar Matthäus sorgten ein Freistoß von Hristo Stoichkov und der legendäre Treffer per Flugkopfball von Jordan Letchkov für den 2:1-Erfolg des krassen Außenseiters.
32 Jahre später kann die deutsche Mannschaft an Ort und Stelle nicht ausscheiden. Schließlich steht man schon vor dem dritten Gruppenspiel gegen Ecuador als Gruppensieger fest. "Ich bin froh, dass wir gegen Ecuador nicht ausscheiden können", sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann am Vorabend der Partie im Stadion New York New Jersey darauf angesprochen. So heißt das "MetLife Stadium" während der WM. 2010 wurde das neue Stadion im Meadowlands Sports Complex errichtet, auf dem Hauptparkplatz der alten Arena. Danach wurde die Giants-Arena abgerissen. Ein Stück Fußball-Geschichte.

Julian Nagelsmann: "Das wird eine Nachtschicht"
Durch die letzten Ergebnisse in den Gruppen A bis C war dem DFB-Team schon vor Anpfiff ihrer Partie gegen die Südamerikaner klar: Als Sieger der Gruppe E trifft man Montag (22.30 Uhr) in Foxborough bei Boston in der ersten K.o.-Runde auf einen Dritten aus den Gruppen A, B, C, D oder F. Insgesamt ziehen die acht besten Gruppendritten in die K.o.-Phase ein. Am Mittwoch landeten Südkorea (A), Bosnien und Herzegowina (B) sowie Schottland (C) in ihren Gruppen auf Rang drei. In der Gruppe D kommen nur noch Australien und Paraguay für Tabellenplatz drei infrage, in Gruppe F noch drei Teams (Niederlande, Japan, Schweden) – bleiben also acht mögliche Gegner für das erstmals ausgetragene Sechzehntelfinale.

Vor den letzten Partien in der DFB-Gruppe ist ein Duell mit dem Gruppendritten der Staffel D am wahrscheinlichsten – entweder Australien oder Paraguay, die in der Nacht zu Freitag (4.00 Uhr) aufeinandertreffen. Bei einem Remis wäre Paraguay Dritter. Endgültig kennt man im DFB-Lager den Gegner vom Montag am Samstagabend (Ortszeit). Was Nagelsmann nervt. Der Bundestrainer sieht darin eine Benachteiligung der Gruppensieger: "Ich halte da nicht allzu viel davon, dass man als Gruppensieger ein bisschen bestraft wird." Der 38-Jährige meinte: "Wir haben uns die potenziellen Gegner aufgeteilt. Ich habe drei, vier Spiele geschaut, das Analyseteam ebenfalls. Es kann sich jeder vorstellen, dass es bessere Konstellationen gibt, als Samstagnacht durchzuschrubben. Das wird eine Nachtschicht, wir wollen große Teile schon präpariert haben, damit wir den Matchplan am Sonntag nicht in ganz großer Hektik erstellen müssen."
Nagelsmann: "Wir sind ja fast alle noch jung im Trainerteam"
Und das am Reisetag, an dem es per Charterflieger von Basecamp in Winston-Salem nach Boston geht. Mitleid muss aber niemand haben. Denn erstens hat einer der Dritten noch größere, teils logistische Probleme, da er eineinhalb Tage vor der Partie nicht nur den Spielort erfährt, sondern auch den Gegner. Nagelsmann meinte, man würde das schon hinkriegen, "wir sind ja fast alle noch jung im Trainerteam, da kann man auch mal die Nacht durcharbeiten".