Der Beste aller Zeiten: Pelé feiert 80. Geburtstag

Er ist Brasiliens ewiger Fußball-König und für viele Fans und Spieler schlichtweg "der Größte aller Zeiten". Am Freitag wird Edson Arantes do Nascimento, den alle als Pelé kennen, 80 Jahre alt. Eine Würdigung.
| Thomas Becker
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Der Größte: Pelé im März 2014.
dpa/EPA/BARTLOMIEJ ZBOROWSKI 5 Der Größte: Pelé im März 2014.
1960, mit 20, war Pelé auch schon zu gut für seine Gegenspieler.
dpa 5 1960, mit 20, war Pelé auch schon zu gut für seine Gegenspieler.
WM-Finale 1970: Pelés Treffer zum 1:0 gegen Italien. Am Ende heißt es 4:1, und Pelé ist zum dritten Mal Weltmeister geworden.
dpa 5 WM-Finale 1970: Pelés Treffer zum 1:0 gegen Italien. Am Ende heißt es 4:1, und Pelé ist zum dritten Mal Weltmeister geworden.
Die Größten unter sich: Küsschen von Pelé für Muhammad Ali.
dpa/EPA/MIKE NELSON 5 Die Größten unter sich: Küsschen von Pelé für Muhammad Ali.
Ein goldenes Füßchen hatte Pelé immer. 2012 gab's noch die Golden Foot Trophy für ihn.
dpa/EPA/MIKE NELSON 5 Ein goldenes Füßchen hatte Pelé immer. 2012 gab's noch die Golden Foot Trophy für ihn.

Die Bilder sind zum Teil so grobkörnig, dass man die Augen strapazieren muss, der Rasen, auf dem da gespielt wird, hat den Namen nicht verdient, und der Ball ist offensichtlich noch aus grobem Leder. Aber die Zeit, als Arantes do Nascimento der beste Fußballer der Welt war, nun, sie war in der Tat eine andere Zeit. Eine schwarz-weiße Zeit, die erst später farbig wurde. Eine, von der auf Youtube nicht mehr viel zu sehen ist.

Keine Posen, kein Getue, nur pure Freude

Dennoch lohnt es, diesen Namen mal in die Suchmaske einzugeben: Pelé.

Das klingt nicht nur fröhlich, sondern verzieht einem auch den Mund zum Lächeln, noch bevor man eins der irren Dribblings oder Zaubertore bestaunt hat. Stets dabei: herrlich kindliche Jubel-Hüpfer nach getaner Tat.

Keine Posen, kein Getue, nur pure Freude. Trikot ausziehen, Sixpack zeigen? Eher keine Option für den Besten der Besten.

Jüngster Torschütze eines WM-Finals (17 Jahre und 249 Tage), zig Titel überall auf der Welt, mit dem FC Santos, Cosmos New York und der Seleção: Weltmeister 1958, 1962 und 1970. Unerreicht. 1.281 Tore in 1.363 Spielen. Beim 1.000. Treffer läuten die Kirchenglocken. Dribblings wie die legendären von J.J. Okocha oder Diego Maradona legte Pelé hundert- oder gar tausendfach hin. Es schien nichts zu geben, was er mit dem Ball nicht anstellen konnte. Als er einmal am Tor vorbei schießt, glaubt man zunächst an eine Sinnestäuschung.

21 Jahre lang die Fußballschuhe geschnürt

Zum 80. grüßt der im Dorf Tres Coracoes (drei Herzen) Geborene per Video aus der Strandvilla in Guaruja: "Ich danke Gott für die Gesundheit, es bis hierhin geschafft zu haben, mit klarem Verstand, nicht sehr intelligent, aber klar im Kopf."

21 Jahre schnürte er bis 1. Oktober 1977 die Kickstiefel, machte die Nummer 10 weltberühmt, nicht als Spielmacher, eher als hängende Spitze nach heutigem Verständnis. In Dribblings verliebt, auf Tore aus, geschossen mit rechts oder links, mit Gewalt oder Raffinesse, per Kopf oder Fallrückzieher. "Das Schwierige ist nicht, tausend Tore zu schießen wie Pelé, sondern ein einziges wie Pelé", schrieb der Poet Carlos Drummond de Andrade in einer Ode an den Modellathleten.

Im zweiten Leben versuchte sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Afrobrasilianer - manchmal peinlich, meist mittelprächtig - als Sänger, Schauspieler, Sportminister oder Unternehmer, versilberte seinen Ruf durch Werbung, nutzte den Ruhm als Fußball-Botschafter.

"Angenehm, Ronald Reagan. Sie brauchen sich nicht vorzustellen. Jedes Kind weiß, wer Sie sind", wurde er vom US-Präsidenten begrüßt. 1969 soll er in Afrika einen Krieg gestoppt haben - die einen sprechen vom Kongo, die anderen von Nigeria -, weil die verfeindeten Lager den "Rei" (König) spielen sehen wollten.

Gerüchte über Depressionen

Das Talent bekam Pelé von Vater Dondinho in die Wiege gelegt, weitervererbt hat er es nur leidlich. Von sieben Kindern versuchten sich nur Edinho (Profi als Torhüter und Trainer), der wegen Geldwäsche und Verwicklung in Drogengeschäfte in Haft saß, und Joshua (US-College-Fußball) am Ball. Edinho war zuletzt das Sprachrohr des Vaters. Im Februar streute er Gerüchte über Depressionen, Pelé sagte: "Ich habe gute und schlechte Tage. Das ist für Menschen in meinem Alter normal." Doch die OPs an Niere (November 2014), Prostata (Mai 2015), Wirbelsäule (Juli 2015) und Hüfte (Dez. 2015) sowie der Tod von Bruder Zoca (77) im März haben Spuren hinterlassen.

Zuletzt war eine Gehhilfe ständiger Begleiter. Lange vorbei die Zeiten als gegneraustanzender Leichtfuß. Wer sich nicht daran erinnern kann, dem bleibt nur Youtube. Und danach wird er sich verneigen vor dem Besten der Besten.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren